München

Wer für die Schäden nach der Bombensprengung aufkommt

Bei der Detonation eines Blindgängers in München-Schwabing wurden mehrere Gebäude massiv beschädigt. Wer kommt für die Kosten auf?

Die gezielte Sprengung einer gefährlichen amerikanischen Weltkriegsbombe im Münchner Stadtteil Schwabing hat massive Gebäudeschäden verursacht. Das erklärte die Stadtverwaltung am Mittwoch. Mehrere Häuser im Umkreis seien unbewohnbar, zwei seien einsturzgefährdet. Ein Haus sei so gut wie komplett ausgebrannt, hieß es. An ganzen Fassadenfronten seien die Fensterscheiben zerstört.

Dutzende Anwohner werden noch tagelang nicht in ihre Wohnungen können. Gebäude in unmittelbarer Nähe des Fundortes müssten weiter überprüft werden, sagte Shahram Valamehr von der Münchner Lokalbaukommission. Akute Einsturzgefahr bestehe nach bisheriger Einschätzung zwar nicht, die Fassade mindestens eines Hauses aber mache auf den ersten Blick keinen guten Eindruck. Sie sei von der Wucht der Explosion eingedrückt worden. Insgesamt 17 Gebäude seien bei der Detonation am späten Dienstagabend beschädigt worden.

Menschen wurden nicht verletzt. Die Schadenshöhe ist noch unklar, dürfte dem Vernehmen nach aber im Millionenbereich liegen.

Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer sagte, „messerscharfe Bombensplitter“ seien noch in einer Entfernung von 300 Metern gefunden worden. Die Räumung der Umgebung in einem Sicherheitsradius von 1000 Metern habe sich als richtig erwiesen.

Der Branddirektor der Münchner Feuerwehr, Jörg Fiebach, sagte, die Feuerwehr sei mit 200 Einsatzkräften ausgerückt und habe die Lage rasch unter Kontrolle gehabt. Die Detonation sei „glimpflich“ verlaufen, die Schutzmaßnahmen hätten gut gegriffen. Um die Druckwelle abzufangen, war ein Wall aus Sandsäcken und Heu um die Bombe errichtet worden.

„Wie nach einer Straßenschlacht”

Es sehe aus „wie nach einer Straßenschlacht“, sagte Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) am Mittwoch nach einer Begehung des Viertels. Er zeigte sich erleichtert, „dass zu keinem Zeitpunkt Gefahr für Leib und Leben bestand“.

Nach gescheiterten Entschärfungsversuchen war der 250 Kilogramm schwere Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg am Dienstagabend um 21.55 Uhr kontrolliert gesprengt worden. Dabei stieg eine riesige Feuersäule auf.

Nach Angaben der Stadt fingen mehrere Dachstühle Feuer, vereinzelt brannte es auch in den Häusern. Gebäudeteile stürzten auf die Straße, brennendes Dämmmaterial verteilte sich weiträumig in der Umgebung.

Noch in der Nacht auf Mittwoch durften die ersten Anwohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Die engere Sperrzone um den Sprengort durfte allerdings wegen der Einsturzgefahr nur in Begleitung von Einsatzkräften betreten werden.

Die Bombe mit dem komplizierten Säurezünder war Montagmittag bei Bauarbeiten auf dem früheren Gelände der Kultkneipe „Schwabinger 7“ gefunden worden. 2500 Menschen wurden in Sicherheit gebracht, Hunderte mussten in Notunterkünften übernachten. Für die Entschärfung war am Dienstag eigens ein Sprengmeister aus Brandenburg angereist. Ein Feuerwehrsprecher sagte, angesichts der Gefährlichkeit der Bombe sei die gezielte Sprengung „äußerst zufriedenstellend“ verlaufen.

Bei der Stadt München prüft die Rechtsabteilung, wer für die Schäden aufkommt. Oberbürgermeister Ude nannte dies eine „schwierige Rechtsfrage, die wahrscheinlich noch gutachterlich zu klären sein wird“. Zugleich betonte er: „Selbstverständlich bekommen die Betroffenen Schadensersatz.“

Peter Lueg vom Münchner Kreisverwaltungsreferat betonte, Amtshaftungsansprüche gegen die Stadt gebe es nicht. Die Sprengung sei „nach allen Regeln der Kunst“ erfolgt, Folgeschäden seien unvermeidbar gewesen. Er sprach von einem „Fall höherer Gewalt in Form von Kriegsspätfolgen“. Lueg sicherte eine schnelle Prüfung der rechtlichen Fragen zu.

Wer bezahlt die Schäden?

Mieter und Hausbesitzer können ihre Schäden bei ihrer Versicherung geltend machen. Die Versicherungskammer Bayern, die rund 70 Prozent der Wohngebäude im Freistaat versichert hat, begann am Mittwoch mit der Aufnahme der Schäden. Explosionsschäden am Haus seien durch die Gebäudeversicherung gedeckt, sagte Sprecherin Claudia Scheerer in München. Für Schäden in der Wohnung sei die Hausratsversicherung zuständig.

Die Allianz-Versicherung teilte mit, dass sie bei Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg grundsätzlich zahlt, selbst wo Kriegswaffenschäden im Vertrag eigentlich ausgenommen seien. Für einen abgebrannten Dachstuhl, zerborstene Fensterscheiben oder das beschädigte Parkett stehe die Wohngebäude-Versicherung gerade, für kaputte Schaufenster die Glasversicherung, erklärte Allianz-Sprecherin Sabine Schaffrath. Beschädigtes Mobiliar werde von der Hausratversicherung ersetzt.

Firmen könnten die Betriebsunterbrechungs-Versicherung in Anspruch nehmen, wenn sie ihr Haus wegen Sachschäden nicht mehr nutzen könnten, sagte Schaffrath. Bei der Sachversicherung sei immer der Neuwert versichert – auch für ein 20 Jahre altes Dach werde also ein neues Dach bezahlt, ohne Abzüge für Wertminderung, erklärte sie.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) weist darauf hin, dass er seinen Mitgliedsunternehmen „unverbindliche Musterbedingungen” gegeben hat, wonach bei Schäden, die auf Kriegsereignisse zurückzuführen sind, grundsätzlich der Kriegsausschluss greift. Das heißt, die Schäden wären nicht versichert, sagt GDV-Expertin Kathrin Jarosch. Allerdings liege die letztendliche Entscheidung bei den Versicherungsunternehmen. Diese seien frei in ihrer Vertragsgestaltung. Jarosch rät allen Betroffenen „unverzüglich” Kontakt zu ihrem Versicherer aufzunehmen, um eventuelle Ansprüche zu klären.