Der letzte DDR-Wirtschaftsminister Gerhard Pohl ist tot. Der 74-jährige sei am Mittwoch von Polizisten leblos im südbrandenburgischen Schwielochsee gefunden und später identifiziert worden, teilte die Polizeidirektion Süd in Cottbus am Donnerstag mit. Pohl, der an dem See ein Wochenendgrundstück besaß, war zuvor als vermisst gemeldet worden. Nach ersten Ermittlungen ist er beim Baden ertrunken. Seine Leiche soll obduziert werden.

Pohl war zuletzt Geschäftsführender Gesellschafter einer Firma in Forst/Lausitz, die veredelte Kunststoffe entwickelt. Seit mehreren Tagen sei er nicht zu verabredeten Terminen und auch nicht in seiner Firma erschienen, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten bei der Suche nach dem Vermissten verschiedene Kontaktadressen aufgesucht, darunter sein Grundstück am See. „Dort sahen sie eine Leiche auf der Wasseroberfläche treiben“, berichtete der Sprecher. Wie sich dann herausstellte, war es Pohl. Seine Badelatschen und sein Handtuch lagen am Ufer.

Von 1986 bis 1990 war Pohl erster stellvertretender Betriebsdirektor im VEB Forster Tuchfabriken. Sein politischer Weg begann mit dem Eintritt in die CDU der DDR im Jahr 1958. Von 1981 bis 1990 war das Mitglied der DDR-CDU Abgeordneter der Volkskammer. Seit 1989 gehörte er kurzzeitig dem CDU-Parteivorstand der DDR an. Nach der politischen Wende wurde Pohl im April 1990 Wirtschaftsminister in der Regierung Lothar de Maizière (CDU). Weil ihm eine Mitschuld an der wirtschaftlichen Misere in der DDR gegeben wurde, ersuchte Pohl um seine Entlassung. Dieses Rücktrittsangebot nahm de Maizière am 16. August 1990 an.

Pohl blieb auch in der brandenburgischen Politik glücklos. Anfang 1999 sorgte er für Aufsehen, als er beim CDU-Landesparteitag in Potsdam als Gegenkandidat des bis dahin einzigen Bewerbers um das Amt des Landesvorsitzenden, Jörg Schönbohm, antreten wollte. Auf Druck der Parteiführung gab er dann seine Absicht auf. Ein Jahr später geriet Pohl erneut in die Schlagzeilen, als er in Reaktion auf die Spendenaffäre der West-CDU zur Gründung einer eigenständigen Ost-CDU aufrief. Auch dieses Vorhaben scheiterte.

dpa/tj