Verkehr

Brandenburg spart bei den Regionalbahnlinien

Trotz klammer Kassen sollen auch die als unrentabel geltenden Bahnlinien bleiben. Allerdings werden ab kommendem Jahr weniger Züge fahren.

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Die Proteste von Fahrgastverbänden und Kommunen haben sich offenbar gelohnt. Entgegen ersten Plänen will die brandenburgische Landesregierung auf die Stilllegung weiterer Bahnstrecken vorerst verzichten. Kürzungen im Zugangebot wird es aus Kostengründen aber dennoch geben. So soll das Angebot auf wenig nachgefragten und daher unrentablen Linien gezielt ausgedünnt werden. Das gab Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Montag zum Auftakt der Regionalkonferenzen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg bekannt. Zugleich sprach sich Vogelsänger für weitere Ticketpreiserhöhungen aus, um auch Fahrgäste an der Kostendeckung zu beteiligen. Die Erhöhungen sollen allerdings „moderat“ ausfallen. „Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen für die Menschen bezahlbar bleiben“, betonte Vogelsänger.

Angesichts stetig steigender Kosten für Energie und Infrastruktur hatte sein Ministerium ein Konzept erarbeitet, demzufolge auf Strecken, die im Durchschnitt von weniger als 500 Fahrgästen am Tag genutzt werden, kein Zugverkehr mehr bestellt werden soll. Im Gespräch waren sieben Regionalbahn-Linien, vor allem in der Prignitz und im Osten Brandenburgs.

Reduzieren statt stilllegen

Nun soll 2013 das Verkehrsangebot gegenüber 2012 zwar um zwei Prozent reduziert werden, auf die Stilllegung ganzer Linien wird jedoch verzichtet. Keine Region werde abgehängt, betonte Vogelsänger. Stattdessen sollen nun auf wenig ausgelasteten Verbindungen die Takte ausgedünnt werden. Betroffen davon sind etwa die Strecken Wannsee–Jüterbog sowie Lichtenberg–Frankfurt (O.). Auch sollen die Linien RB21 (Wustermark–Griebnitzsee) und RB22 (Flughafen BER–Griebnitzsee) entgegen früherer Planungen nur noch im morgendlichen Berufsverkehr bis Berlin-Friedrichstraße verlängert werden.

Vogelsänger verwies auf Angebotsverbesserungen etwa im Regionalverkehr von und nach Berlin sowie zum neuen Hauptstadtflughafen BER. Zudem will Brandenburg mehr Fahrten bei der S-Bahn Berlin bestellen und deren Leistung von 3,6 Millionen Zug-Kilometer (2012) auf 3,9 Millionen Kilometer steigern. „Eine leistungsfähige S-Bahn bleibt für viele Pendler unverzichtbar. Dem werden wir auch in Zukunft trotz enger finanzieller Spielräume gerecht“, sagte der Minister. Investitionen in neue S-Bahn-Strecken, wie sie nach Falkensee (Havelland) oder Velten (Oberhavel) gefordert wurden, erteilte Vogelsänger erneut eine Absage.

Vertreter der von den Angebotsreduzierungen betroffenen Kommunen und Landkreise befürchten, dass es in den nächsten Jahren zu weiteren Einsparungen kommen wird. Für den Fahrgastverband Igeb sind die angekündigten Takt-Verlängerungen ein erster Schritt zur Einstellung des Verkehrs. „Umso weniger Züge täglich auf einer Strecke fahren, umso unattraktiver wird sie“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Der Fahrgastverband Pro Bahn wies auf den Koalitionsvertrag hin. Dort sei vereinbart worden, den Regionalverkehr weiter auszubauen. Dies finde jetzt aber nicht mehr statt, sagte ein Vertreter.