Ex-Innenminister

Rainer Speer arbeitet als Tischler in Tansania

Nach schweren Vorwürfen hatte Rainer Speer im September 2010 seinen Posten als Innenminister räumen müssen. Nun ist er in Tansania gelandet - und wird in seinem alten Beruf arbeiten.

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Brandenburgs Ex-Innenminister Rainer Speer (SPD) ist für das nächste halbe Jahr in seinen alten Beruf als Tischler zurückgekehrt. Im Auftrag des Berliner Missionswerks arbeitet der 52-Jährige seit dieser Woche in Tansania, wie der Afrika-Referent des Missionswerks, Pfarrer Reinhard Kees bestätigte. Nach einem Sprachkurs in der Landessprache Kisuaheli werde Speer bis Ende September in einem Dorf im Süden Tansanias am Malawisee mit Einheimischen ein Bootswrack neu aufbauen.

Der langjährige Weggefährte von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) war im September 2010 nach Vorwürfen als Innenminister zurückgetreten. Es stellte sich heraus, dass er seiner früheren Geliebten keinen Unterhalt für ein gemeinsames Kind zahlte. Stattdessen bezog die Frau einen Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt. Er behauptete, er habe bis zu einem Vaterschaftstest nicht gewusst, dass das Kind von ihm sei. Speer war einst auch Chef der Staatskanzlei und Finanzminister. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik begann Speer eine Beratertätigkeit für das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk.

Für das Projekt in Tansania arbeite Speer ehrenamtlich, sagte Pfarrer Kees. Für die Reisekosten komme er selbst auf und auch die anfallenden Materialkosten werden von dem früheren Politiker selbst eingeworben. „Für das Missionswerk ist es ideal, jemanden wie ihn für solche Projekte zu gewinnen, der finanziell versorgt ist“, sagte Kees. Dass Speer eine sehr umstrittene Figur ist, sei ihm dabei durchaus bewusst. Zum Familienminister hätte er ihn deshalb auch nicht gemacht, sagte der Pfarrer. Dennoch ist er der Ansicht: „Jeder verdient eine zweite Chance. Nicht nur aus christlicher Sicht.“ Als Rainer Speer sich beim Missionswerk vorstellte, habe er sich gedacht, „der Mann braucht eine sinnvolle Beschäftigung“, sagte Pfarrer Kees.