Brandenburg an der Havel

OB-Kandidat Langerwisch erhielt Stasi-Geschenke

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Gudrun Mallwitz und Uwe Müller

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Ein neuer prominenter Stasi-Fall in der Brandenburger SPD: Norbert Langerwisch ist offiziell Inoffzieller der Stasi gewesen. Mit Geschenken drückte ihm die Geheimpolizei "immer zum Geburtstag" ihre Wertschätzung aus. Ministerpräsident Platzeck bringt das in Bedrängnis.

Ein prominenter Stasi-Fall in der Brandenburger SPD bringt Ministerpräsidenten Matthias Platzeck in Bedrängnis. Der Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters von Brandenburg an der Havel, der hohe Polizeibeamte Norbert Langerwisch, hat noch Ende 1989 enger mit der SED-Geheimpolizei kooperiert als bisher bekannt. Das geht aus Unterlagen der Jahn-Behörde hervor, die Morgenpost Online vorliegen.

Nach dem 51 Seiten umfassenden Konvolut soll Langerwisch der Stasi mehrfach brisante Informationen über Familienangehörige und Kollegen der Volkspolizei übermittelt haben. Entdeckt wurden zudem Quittungen über Geschenke, mit der die Stasi dem heutigen OB-Kandidaten ihre Wertschätzung ausdrückte. Laut Jahn-Behörde ist der Fall damit rechtlich eindeutig: Nach den Bestimmungen des Stasi-Unterlagengesetzes-Gesetzes ist Langerwisch als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) einzustufen. Die Enthüllung bringt Platzeck in Erklärungsnot. Der SPD-Landeschef hat erst jüngst dem Kommunalpolitiker seine volle Unterstützung versichert. In einer am 28. April veröffentlichten Erklärung Platzecks heißt es: „Norbert Langerwisch ist eine gute Wahl für Brandenburg. Als Bürgermeister und als Polizist hat er seine Heimatstadt mitgestaltet und viel bewegt“.

Der Fraktionsvize der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Arnold Vaatz, hat Platzeck aufgefordert, entschlossen gegen Stasi-Seilschaften in den eigenen Reihen vorzugehen. „Es diskreditiert eine Volkspartei wie die SPD, wenn sie ehemalige Spitzel der Geheimpolizei für hohe Wahlämter nominiert“, sagte der ehemalige Bürgerrechtler zu Morgenpost Online.

„Die Kandidatur einer solchen Person beschädigt die Demokratie“, sagte Vaatz der Zeitung. Der Bundestagsabgeordnete ist erstaunt, dass sich der SPD-Landeschef Platzeck noch jüngst hinter den Parteifreund gestellt hat. Denn der Ex-SED-Genosse Langerwisch hatte bereits offizielle MfS-Kontakte eingeräumt. „Platzeck muss die Angelegenheit jetzt zur Chefsache machen und dafür sorgen, dass die Kandidatur zurückgezogen wird“, forderte Vaatz. Geschehe dies nicht, könne „aus der Personalie des OB-Kandidaten schnell eine Personalie Platzeck werden.“

Dabei ist Langerwisch selbst innerhalb der SPD umstritten, weil er vor Jahren der öffentlichen Lüge überführt wurde. Bei der Festnahme eines Drogendealers im Juli 2004 hatte man Hunderte Blanko-Wahlzettel für die Oberbürgermeister-Stichwahl im Herbst 2003 beschlagnahmt. SPD-Mann Langerwisch, der damals die Wahl gegen die heutige Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) verloren hatte, bestritt zunächst alle Kontakte zu der Unterweltgröße. Bald darauf stellten sich seine Angaben aber als falsch heraus. Nun wird die Glaubwürdigkeit des Sozialdemokraten erneut schwer erschüttert.

Vor einem Jahr berichteten Medien über einen IM-Vorlauf „Zentrum“, den die Stasi zu Langerwisch angelegt hatte. Dieser erklärte damals, lediglich offizielle Kontakte zur SED-Geheimpolizei unterhalten zu haben. Er habe nie gewusst, dass die Stasi ihn als IM-Kandidaten in Betracht gezogen habe. Nach den nun vorliegenden Unterlagen hingegen soll Langerwisch stets seine Bereitschaft zur inoffiziellen Mitarbeit bekundet haben.

Der umstrittene SPD-Politiker Langerwisch hat unterdessen die Einstufung seiner Stasi-Akten als IM-Vorgang als falsch zurückgewiesen. „Ich habe dem MfS keine inoffiziellen Informationen übermittelt“, sagte der Polizist der „Berliner Morgenpost“. Er könne nichts dafür, was ein Stasi-Offizier über ihn aufgeschrieben habe. Dessen Darstellung könne „lebhafter Fantasie entspringen“. Die Annahme eines Geschenks durch das MfS, die ihm laut Quittung eine Flasche Weinbrand im Wert von 48 DDR-Mark übergeben hatte, schloss Langerwisch nicht aus: „Das kann sein, die Stasi kam immer zum Geburtstag.“