Urlaub ist für viele die schönste Zeit im Jahr. Als Rentner verbringe ich einfach Ferien. Seit letzter Woche bin ich auf Kreta, wo auch meine Tochter Lavinia in diesem März wieder war, gemeinsam mit den beiden Töchtern und ihrem Mann. Immer wieder machen wir alle dort auch alle gemeinsam Urlaub. Diesmal erkundete die kleine Familie vieles zu Fuß, ließ das Mietauto stehen und als meine Tochter mir das erzählte, war das vielleicht eine liebevolle Spitze: Als sie klein war, umrundeten wir die Insel auf dem Mofa.
Ich habe meiner Tochter nie die „große Welt“ nahegebracht, dafür einen charmanten, kleinen Ort auf einer wundervollen griechischen Insel. Und es macht mich glücklich, wenn sie das nun ihren Kindern zeigt. Kreta ist längst auch ein Stück Zuhause für die beiden kleinen Mädchen. Gut, wenn Familien Traditionen haben. Unsere heißt Kreta.
Fangen wir bei den Menschen an, die einen vereinnahmen können, ihrer Freundlichkeit. Gastfreundschaft wird auf der Insel großgeschrieben, und die Bewohner sind vernarrt in Kinder. Kindern geht dabei die Seele auf, wenn sie so liebevoll umworben werden. Gerne erinnere ich mich, wie meine Tochter 1992 als dreijähriges Mädchen auf dem Schoß der Vermieterin saß. Gemeinsam schaute man Gottesdienst im Fernsehen und meine Tochter wurde mit geweihten, „heiligen“ Keksen gefüttert. Die schmeckten zwar nicht, aber da musste man damals durch. Respekt wird früh gelehrt und sie wollte das auch so. Wurden es aber zuviel Kekse, musste ich ran und sie essen. Wir trauten uns einfach nicht, den alten Esel vor dem Dorf damit zu füttern.
Kommt man wieder, trifft man Bekannte vom letzten Jahr
Kommt man im Jahr darauf wieder, begegnetet man sich, trifft dann schon Bekannte und aus kleinen Episoden werden Geschichten. Und schließlich umarmt man sich innig. So entstehen Freundschaften. Das tut gut!
Die Landschaft ist der Hammer und es ist nicht nur das Meer. Das Landesinnere hat eine bezaubernde Magie. Das Essen kann man mögen oder gar lieben. Letzteres ist bei uns allen der Fall. „Papa, du tust meiner Figur einfach nicht gut“, sagt Lavinia auch jetzt noch manchmal lachend in Restaurants zu mir. Genießen will gelernt sein. Joghurt, Salat, Früchte, Fleisch und Fisch, köstlicher Honig… Sie bekommen das auch in Restaurants in Berlin. Wein ist nichts für Kinder, die Erwachsenen wissen, er ist nicht nur besser geworden, in den letzten 20 Jahren wurde er sogar richtig gut. „Griechischer Wein… komm‘, schenk dir ein.“

Anderes war vor 30 Jahren aber auch wichtig: Der Fußweg zum Strand, eigentlich in einer halben Stunde zu schaffen, dauerte. Manchmal sehr lange und gelegentlich kamen wir dort gar nicht an. Tote Käfer, Ameisenhügel, Schlangenhäute – alles war viel interessanter. „Entschleunigt sein“, ich lernte nicht nur das von meiner Tochter.
Lothar lernte seine Frau Tina in unserer Pension kennen
In meinem Reiseführer hieß es damals, die Gegend um Pitsidia, wo wir Urlaub machen, sei ein Ziel für „alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern“. Das stimmte damals und trifft teilweise auch heute noch zu. Lavinia fand auf diese Weise Freunde zum Spielen, auch ich schloss Freundschaften. Auch zu Männern. Lothar ist ein solcher, die Freundschaft hält seit langem. Seine Frau Tina lernte er übrigens vor über 20 Jahren auf dem Hinterhof unserer gemeinsamen Pension kennen.
Menschen finden hier Zuflucht. Immer wieder kommen Urlauberinnen und Urlauber sogar zum Sterben her. Manchmal kündigt der Tod sich rechtzeitig an. Dann ist Kreta sicher ein guter Ort für die letzten Wochen, Tage, Stunden. Etliche Namen auf dem kleinen Friedhof sind mir gut vertraut. Später bringe ich heute Blumen vorbei.
Genug mit Ferien, Traurigkeiten und Pitsidia. Ich habe demnächst „Halbzeit“ in meinen Ferien, und danach freue ich mich auch wieder auf Berlin. Vergessen bitte aber auch Sie das Leben zwischenzeitlich nicht.


