Das Grauen rückt näher. Am Dienstag ist meteorologischer Herbstbeginn. Für die Radfahrer unter uns bedeutet das: rutschige Blätter und Heimfahrt nach Dienstschluss im Dunkeln. Sicherheitshalber steigen viele für die folgenden sechs Monate um auf Bus oder Bahn.
Und dort ist man ihnen wieder ausgeliefert: den Laut-Telefonierern. Leuten wie jener Frau, die Mitte Mai neben uns im Café ihrem Begleiter ganz aufgeregt per Handy ein quäkendes Video vorspielte. Als wir uns erkundigten, ob das sein müsse, erwiderte sie empört, hier stelle Julian Nagelsmann immerhin gerade den WM-Kader vor. Das erbärmliche Ende von Team und Teamchef empfanden wir dann später als gerechte Strafe für die Frau.
Telefonieren heißt heutzutage: Selbstdarstellung
Was unseren Horror vor den anstehenden Bahnmonaten erhöht: Telefonieren heißt heutzutage Selbstdarstellung. Dazu hält man das Teufelsding nicht ans Ohr, sondern stellt es „auf Laut“ und balanciert es wie eine wertvolle Tafel Schokolade vor dem Mund. Alle Welt hört dann mit. Manche rechtfertigen sich und sagen: So schützt man das Haupt vor schädlicher Mobilfunkstrahlung. Unsere These dagegen lautet: Leute, die so telefonieren, haben bereits zu viel Mobilfunkstrahlung abbekommen.
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Heute Morgen war zu lesen, dass Frankreich, Österreich, Griechenland und Australien erwägen, ein Social-Media-Verbot für Kinder zu verhängen. Das jetzt mal weitergedacht: Warum nicht jenen komplett das Handy verbieten, die öffentlich in Laubbläser-Lautstärke telefonieren? Warum nicht Software anordnen, die bei Mehrfachüberschreitung dem Gerät sechs Monate lang (rein zufällig genau die Zeit, in der man als Radfahrer auf den ÖPNV umsteigen muss) den Ton abdreht? Die Leute können sich ja dann am Handy gegenseitig Stummfilme vorspielen. Oder einfach mal: schweigen.




