Sie nennen ihn „Schlange“. Alle jungen Männer der Vorort-Fußballmannschaft wissen, wie der Mitspieler beim Duschen zu diesem Spitznamen kam. Einer lokalen Fußballreporterin konnten sie aber erzählen, er sei so beweglich wie das Reptil, deswegen „Schlange“. Wahrscheinlich genießen es die jungen Fußballspieler, wie Generationen vor ihnen. Ihr Übermut, ihre Derbheit, ihre eigenen unanständigen Codes.

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Wir, die wir mit einer ordentlich gekämmten Sprache durch unseren Alltag gehen, dürfen nur gelegentlich unerzogen durchatmen. Immer dann, wenn ein Schiedsrichter ein Fußballspiel anpfeift. Wird der aufreizend arrogante Stürmer der gegnerischen Mannschaft von unserem landsknechtartigen Verteidiger mit hässlichem Rigorismus abgeräumt, dann sind wir uns im Grilldampf unserer TV-Terrasse sicher: „Er hat drum gebettelt“.

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Aber wie sollen wir uns mit diesem Bundestrainer austoben können? Er ist unerhört fußballkundig. Glut gibt es auch in ihm. Wenn er an der Seitenlinie in einer Art Raserei mitgeht, ist ihm zuzutrauen, dass er gleich den vierten Offiziellen beißt. Aber wenn er spricht, dann kippt er den wunderschönen Fußball in das schmutzige Spülwasser der verquasten Nachrichtensprache. Das Publikum soll mit seiner Mannschaft „eine Symbiose“ eingehen. Erfahrene Spieler erlebten untereinander „Kohäsion“, von Nagelsmann englisch ausgesprochen. Wenn er erklärt, warum er seine 26 Spieler ausgewählt hat, wünscht man sich beinahe CDU-Generalsekretär Linnemann mit seiner Phrasenkanone und dem klinisch toten „Jetzt ins Machen kommen“. Oder besser noch: Imke Wübbenhorst soll Bundestrainerin werden. Die hat 2018 die Männermannschaft des BV Cloppenburg übernommen und ist 2019 mit dem Deutschen Fußballkultur-Preis ausgezeichnet worden. Denn sie hatte ihre Aufstellung folgendermaßen begründet: „Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf“.

So spricht eine echte Schlangenbeschwörerin.

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