Die jahrelangen Verzögerungen beim Bau des Flughafens BER kosteten nicht nur Punkte, sondern echtes Ansehen. Dann kamen Bettina Jarasch und die Grünen. Überhaupt war die Zeit der rot-rot-grünen Landesregierung (2016–2023) finster. Besser sind die CDU und die SPD aktuell aber auch nicht. Clans tanzen uns auf der Nase herum. Mit der Sicherheit in der Stadt steht es insgesamt nicht gut. Berlin ist dreckig. Randale gibt’s bei jeder Gelegenheit. Obdachlose bestimmen das Bild auf den Straßen. Der Regierende Bürgermeister spielt lieber Tennis. Wegen all dem werden bald die Kommunisten wieder in Berlin regieren. Überhaupt ist die Stadt aber eigentlich unregierbar. Die Wohnungen sind zu teuer, die ständigen Staus eine Katastrophe. Etliche träumen von früher, viele wollen nur noch weg …
Habe ich etwas vergessen? Ich hatte ein paar Zitate gesammelt, bei persönlichen Begegnungen in Berlin, bei Urlauben im Ausland, hatte etliche Leserbriefe zu verschiedenen Themen gelesen. Überall hat Berlin da was auf die Mütze bekommen. „Länderfinanzausgleich“ schien die halbe Republik unversöhnlich für mich zu schreien. Ich mochte das alles nicht mehr hören. Obwohl auch ich ein paar Schwachstellen kenne, ich mag Berlin nämlich und manchmal bin ich noch richtig verliebt.
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„Was schätzt du eigentlich an Berlin?“, fragte ich deshalb gezielt nach, wieder im Freundeskreis, erneut auf Facebook. Ich bin erstaunt, überrascht, froh, dass es für sehr viele auch noch die Habenseite gibt. Wurzeln und Heimat haben vermutlich sehr viel mit Liebe und Loyalität zu tun. Hier gehöre ich hin, fühle mich verbunden, das war und ist mein Zuhause. So ist Berlin für viele. „Bizarr und vielfältig“, findet Dirk Berlin. „Bunt, spannend und (noch) weitgehend tolerant“, sagt Stefan.
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Berlin punktet mit Vielfalt, Toleranz und bezahlbarer Gastronomie
Dass in Berlin Menschen aus vielen Ländern leben, schätzen viele. Damit zu tun hat wohl auch das breite gastronomische Angebot. Mein Freundeskreis geht wohl gerne essen und mag die Abwechslung sehr. Und das alles ist im Vergleich zu anderen Städten auch noch bezahlbar. Oben im Ranking steht aber nicht nur der Bauch, längst ist das Herz bei vielen mitgenommen. So Annegret: „Dieser bunte Topf der unterschiedlichen Menschen hat Charme, Herz und Schnauze.“
Toleranz und Schnauze gehen für viele zusammen, beide gehören wohl gleichermaßen zu Berlin, „Berliner Schnoddrigkeit und das große Herz der Menschen“: Das mag nicht nur Antje. „Viele Hilfen für Menschen in Not“, zählt Cornelia auf. Sie kann das auch beurteilen, denn sie arbeitet bereits seit Langem mit obdachlosen Menschen. Verschiedene Seiten dieser Stadt sieht René: „Berlin nimmt einem viel, gibt aber auch viel zurück.“
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Berlins gute Seiten in vier Punkten
Insgesamt waren die Haltungen zu Berlin differenziert und gar nicht so heftig, wie ich vorher meinte. Es gibt ihn noch, den Fanclub für Berlin; und ja, Fans dürfen auch kritisch sein, sie müssen nicht nur Beifall klatschen. Apropos Beifall: Der öffentliche Nahverkehr kam recht gut weg bei dieser kleinen, subjektiven, ich gestehe, nicht repräsentativen Umfrage. Es gab Kritik, aber viele schätzen das breite Angebot, die hohe Taktfolge sehr. Dennis gehört dazu. Er mag dann auch noch „die Vielfalt der unterschiedlichen Kleinstädte und Dörfer, die 1920 zusammengekommen sind“.
Kultur, Geschichte an jeder Straßenecke, Theater, Kinos, Museen und Ausstellungen lieben viele, nehmen teil, sind glücklich. Das Grün in der Stadt, lauter kleine Lungen, das ganze Wasser, „jeden Tag in einen See zu springen“, schätzen Natalie und andere.
Kolumne Nachtgestalten: Lesen Sie hier mehr Artikel von Dieter Puhl
Je länger ich an dieser Kolumne schreibe, desto besser geht’s mir – vorher hatte ich mich fast ausschließlich unter lauter Nörglern gewähnt. Und sogar wärmer ist es in Berlin in den letzten Jahrzehnten geworden, manchmal sogar zu heiß. Jetzt will ich aber nicht meckern. In vier Punkten fasste Kathrin ihre Antwort zusammen, alle gefallen mir gut: „1. Berlin ist schön. 2. Berlin ist offen und damit nicht ganz dicht. 3. Berlin hat Stil und somit für jede und jeden einen eigenen. 4. Berlin ist hart und herzlich.“




