Das war’s mit Schnee und Glatteis, endlich kann ich wieder sicher durch die Straßen gehen, die Bürgersteige sind vom Glatteis befreit. Ich habe das Tauwetter herbeigesehnt und ich kann sogar wieder mit meiner Vespa zu Supermärkten fahren. Muss die schweren Beutel nicht mehr schleppen. Doch dass der Winter vorbei ist, bleibt leider mehr Wunsch als Wirklichkeit. Ein Blick auf den Wetterbericht zeigt: Vorbei ist gar nichts. Zumindest die Temperaturen gehen in den nächsten Tagen und Nächten wieder richtig in den Keller. Ich haben sogar von minus 19 Grad in der Nacht gelesen – solche Tiefstwerte hatten wir lange nicht mehr in Berlin, sollte es wirklich so kommen.
Obdachlose Menschen haben nun kurz Zeit zum Durchatmen. Richtig entspannen können sie sich aber nicht, eigentlich nie. Regen und Kälte sind eine Kombination, die auch die Kraft raubt. Und an Unterkühlung sterben Menschen übrigens regelmäßig auch bei Plusgraden.
Es gibt ja immer das Bemühen, Menschen, die auf der Straße leben, zu beschützen, alles etwas leichter zu machen. Ich erinnere mich aber auch noch an die Meldungen über die Kältebusse, es ist Jahre her, nachts hatten wir minus 25 Grad und die Busse konnten nicht fahren, weil der Diesel eingefroren war. Für solch bittere Kälte soll es sogar Notfallpläne geben, kurzfristig können dann bei Bedarf weitere Notschlafplätze geschaffen werden – wird zumindest immer wieder gesagt. 100 zusätzliche Plätze gab es immerhin schon in den letzten Nächten, 50 davon allerdings befristet auf drei Nächte.
Hilfe für Obdachlose: Einrichtungen bieten Beratung und warme Kleidung
Natürlich waren gerade die Einrichtungen und die Profis gefragt, und sie waren ja auch dabei, Angebote zu erweitern, verlängerten die Öffnungszeiten, versorgten die Menschen mit warmer Bekleidung, gutem Essen und einem Heißgetränk. Und immer wieder wurden Menschen auch beraten. Denn es gibt Alternativen zum Leben auf der Straße.
Auch interessant
Ein dickes Dankeschön an alle, die an ihre Grenzen gingen, ihren Job sehr engagiert machten. Es sind sehr viele Ehrenamtliche dabei, auch sie legen Extraschichten ein. Die Medien berichten übrigens breit, sensibel, informativ, stoßen Hilfen damit oftmals doch auch an. Merci.
Bürgerinnen und Bürger müssen weiterhin verstärkt hinschauen, auch unterstützen. Sind die Kleiderkammern noch gefüllt, sind ausreichend Schlafsäcke vorhanden? Menschen brauchen gerade mehrere, überleben das sonst nicht. Das wird absehbar nicht besser.
Ansprache kann Leben retten
Mindestens vier Obdachlose haben diesen Winter bereits ihr Leben durch Kälteeinwirkung verloren, so die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Einrichtungen, in denen sich die Menschen auch am Tag aufhalten können, sind bundesweit überfällig.
Ist der Mensch dort auf der Straße noch leidlich beieinander, ist er ansprechbar und orientiert oder muss Hilfe gerufen werden? Das ist manchmal schwierig einzuschätzen, wenn man helfen will. Ein kleiner Ratschlag, eine Bitte: Ohne miteinander zu reden, geht das nicht. Trauen Sie sich also, sprechen Sie die Menschen an! Rettungsdienste haben zu tun, sind auch ausgelastet, Polizei und Feuerwehr sind aber meist sehr kooperativ. Wenige irrtümliche Einsätze sind doch besser, damit jene gerettet werden können, die tatsächlich Hilfe brauchen.
Auch interessant
Aktuell ist Gelegenheit für Extraschichten in Sachen Menschlichkeit
Natürlich kann man Obdachlose (immer eigentlich) auf einen Kaffee einladen. Schauen Sie aber bitte, ob die Menschen ihn gerade besser in einem Imbiss oder Lokal trinken können. Sich eine Stunde aufzuwärmen, ist weiterhin eine Wohltat. Gut, wenn obdachlose Menschen etwas Geld dabeihaben. Das Sammeln von Flaschen ist im Winter nun eine Qual, das Betteln eine Zumutung. Oder möchten Sie bei den Temperaturen stundenlang auf der Erde sitzen?
Kolumne Nachtgestalten: Lesen Sie hier mehr Artikel von Dieter Puhl
Ein Euro als kleine Spende ist immer gut, fünf Euro sind besser. Menschen können dann selbst entscheiden, ob sie etwas in der Gastronomie konsumieren. Es ist gerade keine Zeit für Vorurteile und Hartherzigkeit. Suchen Sie nicht nach zehn Gründen, warum es keinen Sinn hat zu helfen. Welches ist der persönliche Grund, um Ihre Herzen zu öffnen?! Menschen möchten wir doch das ganze Jahr über sein. Nun dürfen wir sogar Extraschichten dabei einlegen.




