„Ich kann das alles kaum glauben“, dachte ich im vergangenen Urlaub, als ich das erste Mal im Restaurant abends im Hotel vor dem Überfluss an Essen stand. Angesichts all der gedeckten Tische, der Speisen, der Suppe, hier Fisch, dort Lammbraten, ein paar Spieße, Salate, der Schalen mit Obst, der Platten mit Käse, angesichts der ganzen Süßigkeiten, des Gebäcks und der anderen Sachen, die ich gerade vergesse aufzuzählen, konnte auch ich meinen Mund vor Erstaunen kaum schließen. Ich war fast überfordert. „Die Schlacht am kalten Buffet“: Meine Freundin und ich hatten beim jüngsten Mallorca-Urlaub Frühstück und Abendessen gebucht. Nur war das nicht ausschließlich ein Vergnügen. Manchmal wurde mir fast schlecht, mehr aber wegen der Umstände.
Vorweg möchte ich aber mit dem Hotel beginnen. Das „Hotel Eden“ in Port de Soller ist eine Anschrift, die ich sehr gerne empfehle: Einige Hundert Zimmer zwar, das Haus wirkt aber nicht überfüllt, die Zimmer sind geräumig, hübsch und zweckmäßig eingerichtet, und haben auch Balkone. Bekommt man eines mit Meerblick, hat man schon fast den Sechser im Lotto. Denn das Meer liegt quasi auf der anderen Straßenseite.
Der Aufschlag für das Abendessen betrug nur zwei Euro pro Person
Ein fantastischer Ausblick ist das. Das Meeresrauschen beim Einschlafen ist für mich als Städter kaum zu toppen. Sauber ist es auch, und die Menschen, die dort arbeiten, sind sehr freundlich. Wir hatten ein Doppelzimmer inklusive Flug und Transfer zu einem bezahlbaren Preis. Allerdings wird es deutlich teurer, wenn man allein reist, ebenso später in der Saison. Der Aufschlag für das Abendessen lag bei lediglich zwei Euro täglich pro Person.
Wir waren quasi die ersten Urlauber. Anfang Februar öffnet das Haus nach seiner Winterpause. Um diese Jahreszeit ist es nirgendwo überfüllt, das Wetter ist prima, 15 Grad waren eine gute Alternative zum frostigen Berlin. Unsere Woche dort war so erholsam, dass wir spontan um eine weitere verlängerten. Schön, wenn man die Zeit dazu hat, es aber auch bezahlen kann.
Das Frühstück war reichlich, nach meinem Empfinden angemessen, ich liebe es, mich an den gedeckten Tisch zu setzen. Meine Vorliebe ist das englische Frühstück mit gebackenen Bohnen, gegrilltem Speck und Eiern. Keine Einkäufe, kein Abräumen und auch kein Abwasch. Gut gestärkt geht es dann in den Tag. Wandern, Strand, Kultur, ein guter Thriller, Zeit füreinander. Faulenzen gehört auch dazu. Da mal ein Stück Kuchen oder ein Eis, ein kleiner Salat, ein paar Oliven oder Nüsse, Obst – so kommt man gut über den Tag, ohne zu verhungern.
Da wurde gedrängelt und geschoben und die Ellenbogen eingesetzt
Um 19 Uhr öffnete dann das Restaurant im Hotel erneut, und das Abendbuffet bot den Überfluss. Hatten wir aber Urlaub mit lauter übergewichtigen und essgestörten Menschen gebucht? Schon eine Viertelstunde vor der Öffnung bildete sich eine Schlange vor dem Einlass. Da wurde gedrängelt und geschoben, wie beim Eishockey die Ellenbogen eingesetzt, als ob es kaum etwas zu essen gäbe. Immerhin gab es keine Raufereien. Meine Freundin und ich schauten uns das zuweilen aus der Entfernung an – und gingen lieber eine halbe Stunde oder noch später zum Essen. Es war ja auch einfach genug da.
Wir sahen Menschen, die beim Essen schwitzten, weil alles so anstrengend war. Acht Fleischspieße legte sich der Mann neben mir auf seinen Teller, reichlich anderes auch. „Ist auch für meine Frau“, sagte er zu mir, als unsere Blicke sich trafen. Er saß dann allein am Tisch. Ging noch weitere Male zum Buffet. Andere taten das auch, und dies am ersten oder zweiten Abend zu machen, ist vermutlich auch nachvollziehbar. Dieses will noch probiert werden, jenes auch – aber müssen es drei Portionen sein? „Viele meiner Mitreisenden arbeiten wahrscheinlich tagsüber schwer auf dem Bau“, dachte ich gelegentlich.
Bei mir ging es übrigens in die andere Richtung. Jeden Abend wurde mein Teller leerer, schließlich reichten Salate. Nur beim Süßkram, ich gestehe, hielt auch ich mich nicht zurück. 1,4 Kilo Gewichtszunahme in 14 Tagen Urlaub sind eine Bilanz, mit der ich leben kann. Die Folgen des Schlaraffenlands sind schnell abtrainiert.
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