Ich hatte Sie gewarnt. Es gibt eine neue Assistentin in meinem Leben, die an dieser Stelle ab und zu in die Tasten greift. Den Buchstabensalat, der dabei herauskommt, darf ich dann sortieren. Damit die Liebesmüh nicht ganz vergebens ist, will ich die wichtigsten Botschaften des wichtigsten Tiers der Welt (Eigendarstellung, d. Red.) hier gern wiedergeben. Wenn Sie diesen Text online lesen, können Sie auch auf dem Bild sehen, was ich meine.

Und wenn Sie diese Kolumne schon länger lesen, dann erinnern Sie sich an die „fremde Katze“, die eines Tages beschloss, unser Leben neu zu organisieren. Und die, obwohl sie sich nie namentlich vorgestellt hat, 15 Jahre die Regeln im Haushalt diktierte. Wer wo saß, welches Kissen am Ofen für sie reserviert war, welche Gartenbank – welches Haustier zum eigenen Vergnügen geduldet wurde (Mäuse, Fliegen) und wer kreischend und fauchend des Reviers verwiesen wurde. Amseln zum Beispiel. Und Hunde.

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Erst am nächsten Tag entdeckte die Nachbarstochter ein winziges Fellbündel

Auch die aktuelle Dirigentin unseres Lebens ist auf ähnliche Weise zu uns gestoßen. In einer stürmischen, regennassen Herbstnacht hörten Nachbarn am Gartenzaun ein Miauen. Ob wir eine neue Katze hätten? Wir verneinten. Suchtrupps mit Stirnlampen und „Rascheltüten“ mit dem Futter der Nachbarskatzen wurden ausgesandt. Doch erst am nächsten Tag entdeckte die Nachbarstochter ein winziges Fellbündel, das zwischen Ziegelsteinen feststeckte. Weil auf dem Nachbarshof ohnehin der Tierarzt kam, dort wohnen Pferde, untersuchte dieser auch den flauschigen Winzling. Ergebnis: vier bis fünf Wochen alt, weiblich, 450 Gramm, so weit gesund. Und trotz seiner „Luchsohren“ mit Büscheln keine Wildkatze. Wobei sie das selbst anders sieht.

Zunächst fütterten die Nachbarn das zutrauliche Katzenbaby mit der Flasche. Weil aber dort schon zwei junge Katzen leben, zog der Findling nach ein paar Wochen bei uns ein. Mit einer präzisen Vorstellung, wie sich so ein Katzenbabyleben zu gestalten hat. Regel Nummer eins der neuen (Katzen-)Weltordnung: Gespielt wird ab frühmorgens. Danach: Mittagsruhe an einem besonderen Ort. Mit stimmigem Feng-Shui, gern auf einer Tastatur oder auf dem Stuhl an der Heizung. Nachmittags geht sie in die Katzenkita zu den Nachbarn. Denn Kämpfen, Putzen, Katzenklo und andere Katzensachen lernen Katzen am besten von Katzen. Die drei lieben es. Noch jedenfalls.

Das Katzenkind legt auch fest, was auf den Katzentisch kommt. Botschaft: Es ist auf ausreichende Vielfalt köstlicher Widerlichkeiten aus der Dose zu achten. Je fischiger, desto besser. Ich stand erschüttert vor der heutigen, unfassbar großen Auswahl an Katzenfutter. Klar, Katzen sind Menschen in vielen Dingen voraus. Yoga, absurde Dehnübungen am Arbeitsplatz, Work-Life-Balance wurden bei Katzen schon großgeschrieben, als wir noch nichts davon kannten. Auch die Laktoseintoleranz kennen sie länger als wir. Katzenmilch gibt es seit Jahrzehnten, laktosefreie Milch für Menschen erst seit einigen Jahren.

Erstes lebendes Futtertier war ein Pfauenauge

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Heutiges Qualitätsmerkmal von Katzenfutter: das Attribut „getreidefrei“. Es steht auf der Packung etwa da, wo bei Menschenessen „vegan“ oder „glutenfrei“ steht. Erinnern Sie sich noch an die Katzenfutter-Werbung, in der eine Frau ihrer Katze das Fressen mit Petersilie garniert und sich danach die Finger ableckt? Puh, dachte ich damals.

Katzenfutter trägt heute Namen wie „Poésie“ oder „Lammliebe“ und hat ausgefeilte Rezepturen „mit Tomate und Thymian“ („natürliche Zutaten“) oder „Hochseefisch mit Spinat“ („zertifizierte Fischerei“), was vielleicht Menschen toll finden. Das Katzenbaby wies all das empört von sich. Sie findet Futter mit lebensnahen Zutaten wie „Insekten“ super. Wobei ich gern wüsste, wie diese, nun ja, gewonnen werden.

Erstes lebendes Futtertier des Katzenbabys war übrigens ein Pfauenauge, das sich am Ende des Sommers im Wohnzimmervorhang festgeklebt hatte. Sie spielte länger damit und ließ nichts übrig. Wer Katzen hat, muss auch mit dem Töten einen Umgang finden. Weswegen bei uns neben unendlichem Geknuddel auch moralische Debatten und bilaterale Verhandlungen wieder zum Alltag gehören. Über den Fortgang halte ich Sie gern auf dem Laufenden.

Die Kolumne „Stadtflucht“: Hier schreibt Morgenpost-Redakteurin Uta Keseling über die Merkwürdigkeiten des Alltags in Berlin und manchmal auch auf dem Land.