Nein, es hat nicht die ganze Zeit geregnet. Meinen Urlaub hatte ich in den August und in meinen Garten gelegt – in der Hoffnung auf Sonne. Stattdessen? Tja. Mein Trost: Wir haben alle gemeinsam gelitten. Die einen in nassen Zelten, nassen Fahrrad- und Wanderklamotten, andere an den nassen Stränden des Südens. Woher ich das weiß? Aus der Flut der Regenbilder in den sozialen Netzwerken. Aber als ich dann auch endlich mal so ein dramatisches Regenfoto posten wollte, war mein Handy am Ende voller bunter Blumen, grüner Blätter, Gurken und Kürbisse, die regennass funkelten – in der Sonne.
Wie gesagt: Es hat nicht die ganze Zeit geregnet. Wer trotzdem mal rausging, stellte fest: Die Welt ist sogar schön, wenn es regnet. Und, mehr noch: Sie ist sogar oft besonders schön, weil es regnet. Um das festzustellen, muss man Berlin nicht mal verlassen. Selten war die Stadt im Sommer so frisch, grün und blühend. Und so leer! Endlich machen die Berliner wieder Urlaub woanders. Die Zurückgebliebenen genießen leere Parks, Bäder und Parkplätze.
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Auf dem Land führte das Wetter zu absurden Phänomenen. Ich weiß nicht, wer das lustige Wort „Over-Zucchinism“ erfunden hat, aber ja, ich war auch Opfer. Der Trend zu regenbedingten Riesengewächsen in den Beeten soll sogar zu sozialer Ausgrenzung geführt haben. Ich hörte von aufdringlichen Gartenbesitzern, die ihre Umwelt penetrant mit ungewollten Gemüsegaben belästigen.
Der Sommersteinpilz vermehrte sich dieses Jahr inflationär
Ein anderer Trend war die „amerikanische Pilzsuche“. Abgeleitet vom „amerikanischen Spaziergang“ für eine Spazierfahrt im Auto sah man Ende Juli plötzlich immer mehr Pkw über matschige Waldwege und nasse Landstraßen schleichen. Die Insassen trugen Hüte, lange Kleidung gegen die dieses Jahr allgegenwärtigen Zecken und hielten Körbe auf dem Schoß. Und Messer in den Händen. Gut, dass es in Brandenburger Wäldern kein Messerverbot gibt!

Der Sommersteinpilz vermehrte sich dieses Jahr inflationär – auch in den sozialen Netzwerken, wo eine Besonderheit hervorgehoben wurde: Er gedieh bevorzugt an Straßenrändern. Was wiederum den Trend zur motorisierten Pilztour auslöste. Er ergriff vorübergehend unser Dorf. Ich gebe zu, ich war auch erst dabei, bis die Sache Überhand nahm.
Vergeblich hoffte ich auf einen Aufschrei der Umweltschützer: „Lass die Steinpilze in Ruhe!“ Klar, man darf Steinpilze sammeln. Aber nur in Maßen. Maden, Käfer und Schnecken wollen ja auch Pilze haben. Ich überlegte, ob man das Stehenlassen von Steinpilzen als Art Achtsamkeitstrend in den „Socials“ verkaufen könnte. Als Gelassenheitsübung etwa. Oder ob man Verbote bräuchte wie zu Coronazeiten gegen das Wildcampen, als Wohnmobile die Badestellen blockierten. Das hat sich übrigens erledigt. Bis auf ein paar hyperausgerüstete Angler sind die Seeufer bei uns wieder frei. Grund sind aber wohl weniger Verbote als der Regen.

Warnt Brandenburg jetzt vor dem „tödlichen Hitze-Berlin“?
Sicher, der Sommer wäre noch schöner gewesen mit mehr Sonne. Aber das schlechte Wetter ersparte uns doch viele unangenehme Dinge. Die Mahnungen zum Beispiel vor den Gefahren der Sonne. Die Zeiten sind ja lange vorbei, als man einfach die Sonne genoss, ohne sofort an den Klimawandel zu denken, an Hautkrebs oder Dehydrierung, die gerade ältere Menschen bedroht.
So kam es, wie es kommen musste: Noch bevor der erste Sonnenstrahl wieder durchbrach, waren die „Hitzetoten“ wieder da. Zumindest als drohende Schlagzeilen im ökobewussten Berlin. Ja, im vergangenen Jahr sind hier 52 Menschen an Hitze gestorben. 2023 waren es etwa doppelt so viele, die Zahlen nehmen im Schnitt seit Jahren zu, so das Statistische Landesamt. Ich will den Klimawandel nicht kleinreden. Man müsste ihn in vielem viel ernster nehmen. Ich finde aber, man sollte sachlich bleiben, statt die Zahlen für unser ständiges Drama-Bedürfnis auszunutzen, wenn es gerade passt.
Aus den Zahlen geht auch hervor, dass in Berlin viel mehr Menschen an Hitze sterben als in Brandenburg. Warnt Brandenburg jetzt vor dem „tödlichen Hitze-Berlin“? Nein? Gut so. Also: Tragen Sie Hüte, trinken Sie Wasser, schonen Sie die Umwelt. Aber genießen Sie den Sommer, solange er bei uns (noch) so schön ist.
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