Manchmal gibt es kuriose Zufälle – mit ungeahnter Tiefe. So meldeten sich neulich in meinem entfernten Bekanntenkreis fast zeitgleich zwei Männer mit besonderen, persönlichen Storys zu Wort. Sie haben fast denselben Vornamen: Jan-Eric und Jan-Erik. Beide sind Berliner. Und beide sind auf sehr abenteuerliche Weise quer durch die USA gereist. Was mich beeindruckte: Beide hatten ein sehr besonderes und persönliches Motiv für ihre jeweils wochenlange Tour. Beide haben nun, unabhängig voneinander, sehr offen darüber berichtet.
Ich gebe zu: Auf wie vielen Gipfeln jemand war, welche Weltmeere besegelt, Metropolen besucht – sehr schön, aber bewundern kann ich jemanden erst, wenn ich spüre, warum er (oder sie) sich solche Ziele setzt.
Jan-Eric Peters war lange Chefredakteur und Herausgeber der Berliner Morgenpost. Er durchquerte die USA im Sommer 2023 gemeinsam mit seinem ältesten Sohn auf dem Fahrrad. In den sozialen Medien litten wir „Follower“ mit den beiden Radhelden, die bei unvorstellbarer Hitze gigantische Landschaften durchfuhren. Wir spürten die Faszination der Fremde und auch der Einsamkeit. Manchmal Hilflosigkeit bei Pannen, Krankheit oder wüsten Gewittern. Und es beeindruckten uns die erstaunlich hilfsbereiten und immer begeisterten Amerikaner.
Als die beiden nach Wochen endlich am Pazifik ankamen, war man zugleich erleichtert und enttäuscht, fast wie im Kino. Gut, dass die beiden es geschafft hatten. Aber wann würde es, bitte, weitergehen? Und im Hinterkopf blieb auch die Frage: Warum hatten die beiden diese aufreibende Tour eigentlich unternommen?
Ein Jahr später machte sich Jan-Erik Nord aus Pankow auf den Weg. Der Kommunikationsdesigner schickte einen klapprigen Trabi aus Berlin auf die Reise und flog hinterher, um damit die USA zu durchqueren. Die Idee: Eine Charity-Aktion für ein schwer krankes Mädchen. Käthe, die Tochter von Freunden, leidet an der seltenen Schmetterlingskrankheit. Die Hoffnung: Dass die auto-verliebten Amerikaner auf den winzigen DDR-Oldtimer aufmerksam werden würden. Auch hier fieberte ich als Leserin über die „Socials“ mit. Autopannen. Mega-Hitze. Superlandschaften. Drama. Und auch hier: So viele nette und hilfsbereite Menschen!
In vielen Abenteuern kommt ja ein Ort vor, der symbolisch steht für den größeren Zusammenhang oder, ja: den Sinn der Unternehmung. Hier war es der Randstreifen des Highways. Jan-Erik Nord quälte sich und seinen hitzegeplagten Zweitakter über Stunden im Schneckentempo auf dem Seitenstreifen bergauf, immer in der Angst, er könnte mitten in der Hitze, in der Wüste, liegenbleiben. Auch die Radfahrer wählten diesen aus deutscher Sicht absurden und gefährlichen Weg, um voranzukommen – mangels Alternative. Der Randstreifen des Highways als „Prüfung“, die die Abenteurer tapfer durchlitten – und, vielleicht, als Ort, von dem aus man die Welt und auch sich selbst ein bisschen besser versteht?

Jan-Erik Nord hatte zu Beginn der Reise gesagt, er suche die Möglichkeit, etwas Besonderes und zugleich wirklich Sinnvolles zu tun. Er nahm seinen Job mit, also den Laptop. Seine Familie begleitete ihn eine Weile. Ein Jahr später hat er nun sein Abenteuer als Buch mit vielen Bildern herausgebracht.
Jan-Eric Peters hat zufällig ebenfalls jetzt in einem persönlichen und schönen Artikel in der „Wirtschaftswoche“ aufgeschrieben, was ihn damals bewog, mit Ende 50 nicht noch einmal einen gut dotierten Job anzunehmen. Sondern das Abenteuer auf dem Fahrrad zu suchen.
Sommerferien sind ja die Hauptsaison für Abenteuer. Und wirklich „mitnehmen“ tun Helden uns wie gesagt erst, wenn wir uns in ihnen wiederfinden können. Doch Abenteuer müssen nicht immer weit weg führen. Herausforderungen zu meistern, kann in vielen Lebensbereichen ein Abenteuer sein. Und lehrreich sind oft gerade Dinge, die scheitern. Hier sind Sie gefragt: Was haben Sie erlebt, von welcher Herausforderung gestanden? Welcher Traum ist vielleicht nie in Erfüllung gegangen? Mailen Sie mir gern: stadtflucht@funkemedien.de.



