Manchmal finden die interessantesten Gespräche ja am Rande statt. Zum Beispiel beim Vortrag des amerikanischen KI-„Stars“ Sam Altman am vergangenen Freitag. Tausende Studenten, KI-Fans und Interessierte standen in langen Schlangen im Foyer des Audimax der TU an, um den Unternehmer in echt zu erleben, der mit seinem Chatbot ChatGPT die Künstliche Intelligenz, kurz KI, nutzbar für alle machen will.
Draußen verteilten einige Aktivisten Flugblätter mit wüsten Vorwürfen. „Wir sind entsetzt“, hieß es darin. Altman habe nur den Wahlkampf des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump mit Geld unterstützt (sein Ziel: die Bürokratieabbau bei der Zulassung von KI ). Ihn einzuladen, gebe deshalb „rechtem Gedankengut eine Bühne“. Außerdem widerspreche die Einladung „den Nachhaltigkeitszielen der TU“. Okay: KI-Serverfarmen verbrauchen viel Strom. Mit diesem Argument könnte man vielen das Reden verbieten.
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Mit ChatGPT und seinen Konkurrenten kann man heute kommunizieren fast wie mit Menschen. Man kann sie um Rat fragen, von Kochrezepten bis zu kompliziertesten mathematischen Problemen. KI hat so etwas Ähnliches wie menschliches Mitgefühl. Selbst Sam Altman sagt, er bedanke sich höflich bei Chatbots. Und ja, KI ist so kompliziert, dass es auch Fachleuten nicht immer gelingt zu erklären, wie sie genau funktioniert.
Selbst Probleme wie der Klimawandel könnten laut Altman mithilfe von KI gelöst werden
Was wiederum KI-Verfechter wie Altman, der damit sehr reich geworden ist, dazu bringt, KI als Heilsbringer der Menschheit zu feiern. Bald würden mithilfe von KI binnen eines Jahres wissenschaftliche Fortschritte gelingen, für die es bisher 100 Jahre gebraucht hätte, versprach Altman in einem emotionalen Statement am Freitag. Selbst Probleme wie Klimawandel und Energieverbrauch könnten mithilfe von KI irgendwann gelöst werden.
Und ja, natürlich kann KI auch prima die Hausarbeiten an der Uni erledigen. Weswegen „die Nutzung von KI-Tools für Kursaufgaben, Forschungsarbeiten und Dissertationen“ an der TU seit 2023 strengstens verboten sind, so die Homepage der TU. Und natürlich verwenden TU-Studenten sie trotzdem. Das erfuhr ich von vier Erstsemestern in der Warteschlange. Die vier studieren Informatik, sind mit dem Internet und dessen „sozialen“ Funktionen aufgewachsen. KI gehört längst zu ihrem Leben, nicht nur an der Uni. Ihre Mitstudierenden kämen aus vielen Ländern, erzählten sie, und dass sie es schade fänden, dass ausgerechnet Deutschland so weit hinterher sei in der Entwicklung und Nutzung von KI, auch wegen der vielen Regulierungen. Das KI-Verbot für Hausarbeiten? Sie grinsten. Es sei wie bei jeder Technik, „man kann alles auch für schlechte Ziele nutzen.“
Tatsächlich könne KI „Menschen auch etwas dümmer machen“, meinte einer, wenn man sich das eigene Denken abnehmen ließe. Ein Argument, das mich an meine Schulzeit erinnerte. Damals waren Taschenrechner der natürliche Feind der Mathelehrer. Die Studenten lachten.
Handys galten anfangs vielen nur als albernes Statussymbol
Auf dem Rückweg erinnerte ich mich an viele erbitterte Diskussionen um Technik, die ich erlebt habe. Handys zum Beispiel. Sie galten anfangs vielen nur als albernes Statussymbol, vergleichbar mit dem Autotelefon, das nur US-Präsidenten, Spielfilmagenten und Angeber hatten. Dazu kam Strahlenangst auf. Und der Rat, das Handy bloß nicht zu lange an den Kopf zu halten. Ende der 1990er-Jahre stritt ich mit Berliner Lehrern, die sich weigerten, per Mail zu kommunizieren. Viele fühlten sich allein von E-Mails regelrecht terrorisiert, ohne es je eine versendet zu haben. Internetfähige Rechner sahen wiederum manche Arbeitgeber vor allem als Gefahr für die Arbeitsmoral. Mal ehrlich: Wer hat heute noch Angst vor Handys, E-Mails und Taschenrechnern?
Die Podiumsdiskussion zur KI verlief entgegen mancher Befürchtung ohne Störungen. Der einzige Zwischenruf ging im allgemeinen Aufbruch unter. Dem Brüller ging es um Energie, ein Thema, das gerade in Berlin viele Menschen erstaunlich emotionalisiert. Ich denke: Ja, in Sachen KI gibt vieles, das dringend hinterfragt werden muss. Politisch, juristisch aber vor allem: von uns allen. Aber vielleicht doch eher mit dem Austausch von Argumenten als mit Heilsversprechen und berlintypischem Geschrei. Sam Altman würde wohl sagen: Auch dabei könnte KI helfen.
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