Wohl die wenigsten von uns sind so radikal wie Seefahrer Heinrich, der sich im Alter von 70 Jahren ein Segelboot kaufte, seine Zelte in Bremen abbrach und nun nicht unbedingt die Welt, aber ein kleines Stück davon erkunden möchte. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, diese Frage geht aber vielen von uns durch den Kopf. Wie sehen meine Träume für den letzten Abschnitt meines Lebens aus?, fragte ich Sie vor 14 Tagen. Sie haben geantwortet. Danke!

Gaby hat auch Hummeln im Allerwertesten, es treibt sie, vielleicht, ja auch nach Portugal. Sie ist nun dabei zu erkunden, was die Immobilienpreise so hergeben. Das Reisen, Neues entdecken oder der Neustart im Ausland haben einen hohen Stellenwert für viele. „Berlin wird jeden Tag schwerer zu ertragen und ich muss ehrlich zugeben, dass ich deine Reiseberichte von Kreta und der Algarve immer mit Wehmut lese. Ja, wie lange noch warten, wieviel Zeit bleibt noch, um Träume zu verwirklichen?“, schreibt Uwe und seine Wehmut und die Sehnsucht sind deutlich dabei zu spüren. Gaby schaut sich jetzt auch nach Möglichkeiten auf Kreta um. Mein Vorschlag: Kommt, wir machen einfach eine Alters-WG im Ausland auf. Es sollte nur warm genug sein.

Oswald lebt nun mit mehreren Gleichgesinnten unter einem Dach

In eine Wohngemeinschaft ist Oswald nun gezogen, mit 63 Jahren der Jüngste, der geantwortet hat. Knappe 30 Jahre war er verheiratet, hat zusammen mit seiner Frau drei Kinder liebevoll groß bekommen, Haus und Garten waren bestellt, „dann hat sie mich verlassen. Ein anderer Mann“. Sein Schritt, nachdem er den Verlust seiner Partnerschaft verkraftet hat, fiel ähnlich radikal wie der von Seefahrer Heinrich aus. Das Haus wurde verkauft, das Geld fair geteilt und Oswald lebt nun mit mehreren Gleichgesinnten unter einem Dach. Wenn nicht jetzt…, das gilt auch für ihn.  „Polyamorie bedeutet mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben – und bei mir, auch gemeinsam mit ihnen zu leben.“ Ganz ohne Konflikte geht das nicht. „Überwiegend ist das aber richtig gut und harmonisch. Liebe halt!“ Vielleicht treffen wir uns ja mal und Oswald erzählt mehr von seinem neuen Leben.

Das Thema Beziehungen und Partnerschaften ist überhaupt mit vielen Wünschen, Träumen und Sehnsüchten verbunden. Mal, weil der liebste Mensch bereits vor Jahren gestorben ist und die Sehnsucht nach gemeinsamer Erfüllung riesig ist. Karin ist vor fünf Jahren gestorben und Friedrich hat einfach die Nase voll, allein in seiner Küche zu sitzen. „Konzerte, Restaurantbesuche oder der Urlaub, das macht zu zweit doch einfach mehr Freude. Und allein weiß ich oft gar nicht wohin mit meinem Herzen.“

Seinem ehemaligen Chef mal endlich die Meinung geigen

Der eine sucht, die andere hat genug. Vera aber fehlt der Mut, sich nach Jahrzehnten von Roger zu trennen. „Ich wäre sehr gerne wieder allein oder frei, um zu schauen, ob das nicht alles erfüllter geht.“ Und dann ist da noch Tuncay, der auch Sehnsucht nach einer neuen Partnerschaft hat. „Meine Frau ist lange tot. Was nützt mir nun die Eigentumswohnung in Izmir, wenn ich da allein leben soll? Das war unser Traum fürs Alter. Ich kenne dort aber kaum jemanden. Also bleibe ich in Berlin. Meist aber bin ich auch hier allein.“

Seinem ehemaligen Chef mal endlich „die Meinung geigen, auch wenn die ganzen Demütigungen und die Niedertracht bereits Jahre her sind“, möchte Rüdiger. Er hat sich das im Berufsalltag nie getraut. Versöhnen möchten sich dagegen mehrere, mit der Schwester, den Kindern, früheren Freunden. So will man nicht abtreten; ich finde, ein sehr nachvollziehbarer Traum.

Nicht mit einem Menschen, sondern sich mit Gott versöhnen möchte mein Freund Markus. Er schrieb mir über Facebook. Für ihn ein sehr drängender Wunsch, da ist nämlich eine Menge offen. Weiterhin im Alter gesund zu bleiben, steht, mich wundert‘s nicht, an erster Stelle. Und Katarina ist sogar wunschlos glücklich.

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