Es ist eine besondere Weltpremiere, die seit Freitag in der Arena Berlin in Alt-Treptow zu erleben ist. In dem Industriedenkmal direkt an der Spree können Besucher erstmals zu den kältesten Orten unseres Planeten reisen. Die Ausstellung „Polar Experience“ zieht jeden mitten hinein in die Welt der Arktis und der Antarktis – und zugleich in ihren Bann.
„Wir machen das, damit sich Menschen verlieben können in die Schönheit unseres Planeten“, sagte Kuratorin Nicole Srock.Stanley bei einem Presserundgang am Freitagmorgen. In der Ausstellung wird den Besuchern detailliert vermittelt, wie eine Forschungsexpedition in für den Menschen sonst lebensfeindliche Regionen abläuft. Dazu tritt Professor Markus Rex mit als Erzähler auf. Der Polarforscher am Alfred-Wegener-Institut in Potsdam leitete die MOSAiC-Expedition, eine einjährige, internationale Expedition in die zentrale Arktis. Diese fand von September 2019 bis Oktober 2020 an Bord der „Polarstern“ statt.

Erstmals wurde dabei die direkte Umgebung des Nordpols auch im Winter und Frühjahr erreicht. Um das zu schaffen, musste sich die aus 100 Personen bestehende Besatzung bereits im Sommer an Bord des Eisbrechers einfrieren lassen, weil das arktische Meereis im Winterhalbjahr zu dick ist, um durchbrochen zu werden. Anschließend wurde ausschließlich die natürliche Drift genutzt, das Expeditionsschiff also allein durch die natürliche Bewegung des Eises angetrieben.
Arktis: So läuft eine Expedition an Bord der „Polarstern“ ins ewige Eis ab
„Großartig“ findet er die Ausstellung, betonte Markus Rex. In einem Video gleich zu Beginn der Schau erklärt er eindrücklich, wie das Leben der Forscher auf der „Polarstern“ über Monate aussieht. So gibt es dort beispielsweise einen Fitnessraum und einen Basketballplatz, dazu ein Piano und jede Menge Spiele zur Unterhaltung. Jedes Crewmitglied hat eine etwa zehn Quadratmeter große Kabine zur Verfügung. Privatsphäre gibt es kaum. Die Duschen sind so eng gebaut, dass niemand infolge des Wellengangs oder der Erschütterungen bei der Fahrt durch das Eis herumgeschleudert werden kann.

Weitere Informationen über die Forschungsexpeditionen warten bereits im Vorraum, wo Besucher einen Audioguide erhalten. Dort besteht zum Beispiel die Möglichkeit, auf einem Schneemobil Platz zu nehmen. Dabei handelt es sich um das wichtigste Fortbewegungsmittel im Eis, das auch bei -40 Grad Celsius wendig und zuverlässig ist.

Es transportiert auf Expeditionen Ausrüstung, Messgeräte und immer auch eine sogenannte Überlebensbox. Darin steckt alles, was zwei Forscher in Not brauchen: Erste-Hilfe-Set, Schlafsack, Notzelt, Energieriegel und Signalmittel. Begutachten lässt sich hier auch der „Beauty“ genannte Tauchroboter, mit dem Forscher Wasserproben und winzige Lebewesen sammeln.
Kunst und Forschungsergebnisse vereint in Multimedia-Räumen
In den verschiedenen Multimedia-Ausstellungsräumen mit Projektionen, virtuellen Illusionen und Soundwelten erfahren Interessierte unter anderem, dass es am Nord- und Südpol eigentlich keine „richtige“ Uhrzeit gibt, dass erfahrene Forscher schon am Geräusch des Schnees beim Laufen die Temperatur schätzen können, dass Eisbären mit ihrer Supernase Beute sogar unter dem Eis aufspüren können und dass in einem Liter Meereis teilweise über 12.000 Mikroplastikteilchen entdeckt wurden.
Gerade die Verschmutzung der Erde durch Kunststoffmüll ist ein großes Thema in einem der Ausstellungsräume. Zur Veranschaulichung hat eine Künstlerin extra lebensgroße Skulpturen von einem Eisbären, einem Pinguin, einer Ringelrobbe und einem Seeadler aus Plastikflaschen gebaut.

„Raum der guten Nachrichten“: So können sich Menschen für die Umwelt engagieren
Auch die Menschen, die in der Arktis zu Hause sind, spielen in der Ausstellung eine Rolle. So erzählen Yaari Walker, Schamanin der Yupik, und mehrere ihrer Familienmitglieder von ihrer Sorge, dass durch das Verschwinden des Eises diejenigen, die dort leben, ihren Lebensraum verlieren.
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Damit die Besucher die Ausstellung aber nicht mit diesem eher düsteren Eindruck, sondern mit einem positiven Gefühl verlassen, endet der Rundgang im „Raum der guten Nachrichten“. Dieser wurde gemeinsam mit zahlreichen Nichtregierungsorganisationen gestaltet. Dort erfahren Besucher, wie sie sich für den Umweltschutz engagieren können, wie jeder Einzelne CO₂ sparen kann, welche Start-ups mit klugen Ideen versuchen, die Umwelt zu retten, und vieles mehr.

„Polar Experience – Die immersive Ausstellung über die Arktis und Antarktis“, Arena Berlin, Eichenstraße 4, 6. Dezember 2025 bis 6. April 2026, geöffnet Di/Mi/So und an Feiertagen 10–18 Uhr sowie Do/Fr/Sa 10–20Uhr. Tickets kosten je nach Tag 20–23 Euro für Erwachsene, 14–17 Euro für Kinder und Jugendliche. Infos unter polar-experience.com.



