Während auf einer Leinwand Filmtrailer laufen und aus Lautsprechern leise Filmmusik erklingt, wühlen sich an mehreren Tischen Filmfans durch Hunderte Plakate. Was am Sonntagnachmittag im Kino Union in Friedrichshagen los ist, übertrifft bei Carlo Carluccio jede Erwartung. Der Filmdisponent des Filmtheaters an der Bölschestraße hatte die Idee, erstmals einen Flohmarkt zu veranstalten und dabei Filmplakate zu kleinen Preisen zu verkaufen.

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Im Vorfeld hatte der 46-Jährige noch gesagt, er würde sich freuen, wenn 300 Euro dabei für den guten Zweck zusammenkämen. Diese Marke wurde dann bereits nach einer Dreiviertelstunde übertroffen. Die Einnahmen gehen an das Kinderhospiz Berliner Herz.

Kinoplakatverkauf im Kino Union
Dichtes Gedränge beim ersten Plakate-Flohmarkt am Sonntag im Kino Union an der Bölschestraße in Friedrichshagen. Die Einnahmen der verkauften Filmplakate gehen an das Kinderhospiz Berliner Herz.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Kino Union an der Bölschestraße: Viele Besucher zum ersten Mal in Friedrichshagen

Für Jan Lingott ist es am Sonntag der erste Besuch im Kino Union. „Ich war noch nie in Friedrichshagen“, erzählt der 28-Jährige, der vor zwei Jahren aus Leipzig nach Berlin gezogen ist. Für den Flohmarkt, auf den er über Instagram aufmerksam wurde, ist er zusammen mit einem Freund extra aus Wedding hergekommen. Gleich sechs Plakate nimmt er mit, die meisten davon für Freunde, darunter „Wicked“, „Dune“ und „Oppenheimer“. Für sich selbst hat er das Plakat zu „Bring Her Back“ gekauft, einem Horrorfilm. Generell finde er Horrorgeschichten super, betont er. Filmplakate gefallen ihm einfach, auch weil er selbst gern zeichnet. Auf die Frage, was er mit dem gerade erstandenen Horrorfilmplakat macht, antwortet er: „Meine Wand in der Wohnung ist noch relativ leer.“

Kinoplakatverkauf im Kino Union
Jan Lingott aus Wedding ist zum ersten Mal im Kino Union. Horrorfilme haben es ihm besonders angetan.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Auch Louisa Hofmann aus Friedrichshain wollte den Flohmarkt nicht verpassen. Der Ausflug ins Kino Union hat sich für sie ausgezahlt, denn sie nimmt ein Plakat des Films „Anatomie eines Falls“ mit nach Hause. Das Justizdrama mit der deutschen Schauspielerin Sandra Hüller in der Hauptrolle war 2024 unter anderem als „Bester Film“ für den Oscar nominiert und gewann am Ende den Preis für das „Beste Originaldrehbuch“. Mehrmals habe sie den Film im Kino gesehen, erzählt die 26-Jährige. Das Filmplakat, auf dem eine blutige Leiche im Schnee zu sehen ist, sei „schön gestaltet“. Lange habe sie nach genau diesem Plakat gesucht.

Filmplakate als wechselnde Dekoration in der Wohnung

Zufrieden sind auch Oliver Pargel (34) und seine Freundin Winnie Hennemann (37). Die beiden sind aus Hellersdorf nach Friedrichshagen gekommen und haben sich für fünf Plakate entschieden. In ihrer Wohnung haben sie zwar nur einen einzigen Platz zum Aufhängen, doch der reicht ihnen. „Wir haben einen Bilderrahmen mit einem Filmplakat zu Hause und wechseln das Motiv je nach Jahreszeit“, erklärt Oliver Pargel.

Kinoplakatverkauf im Kino Union
Im Keller des Filmtheaters wurde gewühlt und gesucht. Einige, aber nicht alle, hatten dabei das Glück, ihr Wunschplakat zu finden.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Nach dem Motiv zu „Twisters“, das er für den Herbst genau richtig findet, will er demnächst das Plakat zu einem Weihnachtsfilm einrahmen. Um das Motiv in Zukunft noch häufiger wechseln zu können, hat er sich unter anderem Exemplare zu „Superman“ und „Mission: Impossible“ herausgesucht. Nur ein Wunsch bleibt für ihn am Sonntag unerfüllt: Ein Plakat zum James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ gibt es nicht.

Auf der Suche nach dem Wunschplakat fündig geworden

Michael Wieczorek ist dagegen bei der Suche nach seinem Wunschplakat fündig geworden. Der 68-Jährige ist aus Kaulsdorf ganz gezielt nach Friedrichshagen gekommen, um im Kino Union ein Plakat zum Dokumentarfilm über die Band Led Zeppelin zu erwerben. Musikfilme findet er besonders gut. Ab und zu gebe es einzelne Plakate mal auf CD- und Schallplattenbörsen, erzählt er aus eigener Erfahrung. Zu Hause hat er deshalb bereits einige Plakate, zum Beispiel auch von der Band The Doors. Von einer solchen Plakate-Aktion hat er aber zum ersten Mal gehört. Die Idee zu diesem Flohmarkt findet er „sehr gut“.

Kinoplakatverkauf im Kino Union
Michael Wieczorek wollte ganz gezielt dieses Plakat zum Dokumentarfilm über die Band Led Zeppelin bekommen. Das hat er geschafft.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Diesem Urteil schließt sich auch Karola Straßheim (60), die mit ihrer Familie gekommen ist, an. „Eine super Aktion“, meint sie. Ihre Ausbeute: zehn Plakate. Ein bis zwei davon möchte sie direkt in der Wohnung aufhängen. Ansonsten seien Filmplakate aber auch ein gutes Geschenk, findet sie. Weil sie seit zwei Jahren direkt am Kino Union wohnt, hatte sie wohl den kürzesten Weg zum Flohmarkt. „Ich rieche immer das Popcorn“, erzählt sie lachend. Einziger Wermutstropfen des Tages: Ein „Harry Potter“-Plakat konnte sie nicht entdecken.

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Initiator des Plakate-Flohmarkts verspricht Wiederholung der Aktion

Während im Keller auf engstem Raum weiter nach schönen Motiven gesucht wird, kommt Carlo Carluccio mit dem Kassieren kaum hinterher. 1000 Plakate für einen Euro, dazu 30 Banner für fünf Euro und 15 Pappaufsteller für zehn Euro hatte er für den Flohmarkt zusammengestellt, um das Lager des Kinos mal wieder zu leeren. Das auffälligste Stück an diesem Tag: ein Aufsteller mit einer Größe von zwei mal drei Metern, der Dwayne „The Rock“ Johnson in seiner Rolle im Film „The Smashing Machine“ zeigt.

Kinoplakatverkauf im Kino Union
Carlo Carluccio, Filmdisponent im Kino Union, verkauft Besucherin Romy beim Plakate-Flohmarkt ein Exemplar.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Überwältigt von dem Andrang verspricht der Filmdisponent eine Wiederholung des Plakate-Flohmarkts. „Vielleicht ab jetzt jedes Jahr. Das passt gut in die Vorweihnachtszeit“, sagt er. „Mal sehen, wie schnell wir wieder so viele Plakate zusammenbekommen.“ Kleiner Tipp: Wer im Kino Union ein Filmplakat bekommen möchte, kann jederzeit auch einfach danach fragen. Wenn Exemplare übrig sind, gibt das Personal diese gern auch kostenlos heraus.