Wer sie noch nicht kennt, könnte sich schon einmal erschrecken, wenn da plötzlich eine Gruppe älterer Männer in preußisch-blauen Uniformen, mit Pickelhauben und Gewehren durch die Straßen läuft. Für Köpenick ist die Hauptmanngarde jedoch längst eine Institution. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten spielt das Laienensemble regelmäßig die legendäre Geschichte des Hauptmanns von Köpenick nach und bewahrt damit eine liebgewonnene Tradition.

Immer sonnabends von Mai bis Oktober sind die halbstündigen Aufführungen kostenlos zu sehen – bis zur Sanierung des Köpenicker Rathauses im Rathausinnenhof, seitdem auf dem Schlossplatz. Das lockt auch immer wieder neugierige Touristen aus aller Welt in die Altstadt. Für die Geschichte des als Hauptmann verkleideten Schusters Wilhelm Voigt, der an einem Oktobertag vor 118 Jahren eine Truppe gutgläubiger Soldaten um sich versammelte, ins Rathaus eindrang, den Bürgermeister verhaftete und die Stadtkasse raubte, ist Köpenick weit über seine Grenzen hinaus bekannt.

Hauptmann von Köpenick: oft verfilmt und auf der Theaterbühne gespielt

Die unglaubliche Geschichte des Hochstaplers wurde mehrfach verfilmt – mit bekannten Schauspielern wie Heinz Rühmann und Harald Juhnke in der Hauptrolle. Berühmtheit erlangte auch das Theaterstück „Der Hauptmann von Köpenick“ von Carl Zuckmayer.

Die Bronzeskulptur des Hauptmanns von Köpenick vor dem Eingang zum Rathaus in der Altstadt kennt jeder Köpenicker.
Die Bronzeskulptur des Hauptmanns von Köpenick vor dem Eingang zum Rathaus in der Altstadt kennt jeder Köpenicker.© Berliner Morgenpost | Philipp Hartmann

„Der Erhalt der historischen Figur des Hauptmanns von Köpenick mit der preußischen Garde und das Spektakel um den Kassenraub zu Köpenick ist unser wichtigstes Anliegen. Wir zeigen, wie es war, als 1906 der Schuster Wilhelm Voigt sich in den Hauptmann von Köpenick verwandelte und mit den Gardesoldaten in Köpenick aufmarschierte“, sagt Gardemitglied Klaus Hohlfeld.

Bürgermeister Oliver Igel dankbar für das Engagement der Köpenicker Hauptmanngarde

Nun wird das Ensemble 20 Jahre alt. Zusammen mit vielen ehemaligen Gardisten und prominenten Gästen, darunter Darsteller Albrecht Hoffmann alias Heinrich Zille, und Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel (SPD), wird dieses Jubiläum am ersten Adventssonntag, 1. Dezember, ab 12.45 Uhr auf dem Schlossplatz gefeiert – und jeder kann dabei sein.

Es gibt einen Sektempfang und eine Geburtstagstorte von Rainer Schwadtke aus der Dresdner Feinbäckerei in Friedrichshagen sowie Büchsenwerfen und Leierkastenmusik, dazu einen Ehrenappell und Würdigungen. Außerdem präsentieren sich 20 Tänzerinnen und Tänzer des Kinder- und Jugend-Tanzensembles „Tanzkreis Fürstenwalde“, die leidenschaftlich gern Hip-Hop, Modern Dance, Jazz oder Folklore tanzen.

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Oliver Igel, der die aktiven Gardisten mit einer Urkunde ehren wird, ist dankbar über das ehrenamtliche Engagement der Laiendarsteller. Dieses habe Köpenick weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt gemacht und präge die kulturelle Identität der Altstadt maßgeblich. „Die Hauptmanngarde hat in den vergangenen 20 Jahren nicht nur ein lebendiges Stück unserer Geschichte bewahrt, sondern mit ihren Aufführungen der Köpenickiade auch einen unschätzbaren Beitrag zur touristischen Attraktivität unseres Bezirks geleistet“, teilt der Bürgermeister mit.

Laienensemble plagen Nachwuchssorgen

Gegründet wurde die Hauptmanngarde im Mai 2000 zunächst als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Das Projekt hatte der Tourismusverein zur Erhaltung des kulturellen Erbes der Stadt entwickelt. Nachdem die finanzielle Zuwendung ausgelaufen war, wurde am 1. Dezember 2004 der gemeinnützige Verein Köpenicker Hauptmanngarde gegründet – mit dem Ziel, die Tradition um den Streich des Hauptmanns von Köpenick zu waren. Fortan wurden die öffentlichen Auftritte der „Köpenickiade“ zum festen Bestandteil der Kulturarbeit im Bezirk.

Die Köpenicker Hauptmanngarde ist immer wieder auch bei großen Volksfesten in Treptow-Köpenick zu sehen, so wie hier beim Festumzug zu 275 Jahre Grünau im Juni dieses Jahres.
Die Köpenicker Hauptmanngarde ist immer wieder auch bei großen Volksfesten in Treptow-Köpenick zu sehen, so wie hier beim Festumzug zu 275 Jahre Grünau im Juni dieses Jahres.© Berliner Morgenpost | Philipp Hartmann

Die Garde mit ihrem Frontmann Benno Radke als Hauptmann-Darsteller ist neben ihren Aufführungen auch bei Volksfesten zu sehen, dieses Jahr auch wieder wie gewohnt beim traditionellen Stollenanschnitt auf dem Köpenicker Weihnachtsmarkt dabei. Sie kann auch privat für Jubiläen, Firmenfeiern, Hochzeiten oder Präsentationen gebucht werden. Allerdings hat der Verein seit Langem mit Personalproblemen zu kämpfen. Aktuell sind es 14 Mitglieder, doch es bleibt schwierig, Nachwuchs für die ehrenamtliche Tätigkeit zu finden.

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