Wer zur Grabpflege auf den Friedhof geht, erwartet nicht unbedingt, dort auf eine Schafherde zu treffen. An zwei Standorten in Treptow-Köpenick ist genau das jedoch in den kommenden Wochen Realität. So sind zwei kleine Schafherden mit insgesamt 16 Rauhwolligen Pommerschen Landschafen auf den Friedhöfen Baumschulenweg und Oberschöneweide im Einsatz.

Das Straßen- und Grünflächenamt will mit den „tierischen Rasenmähern“ eine vielfältige und ökologische Nutzung für die sogenannten Friedhofsüberhangflächen etablieren, wie es heißt. Die Friedhöfe sollen damit für die Besucher aufgewertet werden.

Treptow-Köpenick: Schafe sollen verwilderte Friedhofsflächen abknabbern

„Ich finde, das ist ein gutes Projekt. Die friedvolle Art von Schafen passt sehr gut zu einem Friedhof“, sagt Hannah Becker. Die Agrarwissenschaftlerin arbeitet für den landwirtschaftlichen Betrieb, der sich im Auftrag des Bezirksamts um die Beweidung kümmert. Mit ihrer Praktikantin ist sie täglich auf der Weidefläche in Baumschulenweg, wo sich Brennnesseln, Löwenzahn und Gestrüpp in dem umzäunten, grünen Bereich auf dem neuen Teil des Friedhofs ungehindert ausbreiten konnten. Die beiden Frauen versorgen die Tiere mit Wasser und kontrollieren ihren Gesundheitszustand.

Agrarwissenschaftlerin Hannah Becker versorgt die Schafe, die den Friedhof Baumschulenweg beweiden.
Agrarwissenschaftlerin Hannah Becker versorgt die Schafe, die den Friedhof Baumschulenweg beweiden.© BA TK | D. Decher

Für Bestattungen wird der Bereich, auf der die 16 Schafe in den kommenden drei bis vier Wochen grasen werden, nicht mehr verwendet. Die Tiere fressen den Bewuchs auf der verwilderten Fläche mosaikartig ab. Das hat den Vorteil, dass Tiere wie Grashüpfer, Bienen, Schnecken, Blindschleichen oder auch Brandmäuse, die in der Wiese ihren Lebensraum haben, im Gegensatz zum maschinellen Rasenmähen kaum gestört oder gefährdet werden.

Auch die Flora profitiert von der Schafsherde. „Pflanzen, die den Weidetieren nicht schmecken, werden ‚freigefressen‘, niedrigwachsende Arten bekommen mehr Licht. Samen bleiben im Fell der Schafe hängen und verbreiten sich so auf weiteren Flächen“, erklärt das Bezirksamt in einer Mitteilung.

Das müssen Besucher der Friedhöfe Baumschulenweg und Oberschöneweide beachten

Das Schafsprojekt in Treptow-Köpenick wurde erstmals im November 2022 auf dem Friedhof Baumschulenweg ausprobiert. Weil die Friedhofsbesucher das Pilotprojekt laut dem Bezirksamt sehr gut angenommen hatten, wurde es dank Sondermitteln im Herbst 2023 fortgeführt, damals bereits auf drei Friedhöfen: Adlershof, Oberschöneweide und Baumschulenweg. Nun geht es bereits in die dritte Saison.

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Damit die Schafe nicht gefährdet werden, bittet das Straßen- und Grünflächenamt Besucher dringend darum, die Tiere nicht zu füttern. Außerdem sollten Hunde unbedingt an der Leine geführt und Abstand zum Elektrozaun gehalten werden.

Wo Schafsherden noch im Bezirk eingesetzt werden

„Die Beweidung mit Schafen auf unseren Friedhöfen ist etwas ganz Besonderes. Ich bekomme dazu viel positive Rückmeldung und freue mich, dass diese wirklich schöne Form der naturnahen Pflege auf den Friedhöfen umgesetzt werden kann“, betont Umweltstadträtin Claudia Leistner (Grüne), die das Projekt auch in den kommenden Jahren gern fortsetzen würde. „Wenn uns auch in Zukunft finanzielle Mittel für die Beweidung zur Verfügung stehen, wollen wir diese Maßnahmen etablieren“, teilte sie mit.

Die Rauhwolligen Pommerschen Landschafe grasen derzeit auf dem Friedhof Baumschulenweg.
Die Rauhwolligen Pommerschen Landschafe grasen derzeit auf dem Friedhof Baumschulenweg.© BA TK | A. Lobe

Außerhalb von Friedhöfen werden Schafe zur Beweidung im Bezirk auch noch im Landschaftspark Johannisthal, im Landschaftsschutzgebiet Erpetal und auf der Grünanlage Rudower Straße/ Am Kiessee eingesetzt.

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