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HTW-Präsident: „Die Atmosphäre hier regt zu Gründungen an“

Klaus Semlinger möchte die Hochschule in Oberschöneweide zentralisieren. Die Verkehrsanbindung müsste besser werden.

HTW-Präsident Klaus Semlinger auf dem Campus Wilhelminenstraße.

HTW-Präsident Klaus Semlinger auf dem Campus Wilhelminenstraße.

Foto: Jörg Krauthöfer

Oberschöneweide. Die seit 2009 auf dem alten AEG-Gelände angesiedelte Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) brachte mit tausenden Studenten Leben nach Oberschöneweide. Wir sprachen mit dem Präsidenten Klaus Semlinger über den Standort.

Die Ansiedlung der der HTW hat entscheidend zum Aufschwung Oberschöneweides beigetragen. Sie begleiten diese Entwicklung seit Jahren. Wie hat sich das Gebiet verändert?

Klaus Semlinger: Nun, der Stadtteil hat sich deutlich belebt. Es ist wieder attraktiv geworden, hier zu wohnen und hier zu produzieren. Die Ansiedlung der Hochschule hat dafür einen wichtigen Impuls gegeben. Sie ist auch heute noch ein maßgeblicher Faktor der Entwicklung. Das zeigt sich nicht nur an den vielen neuen Wohnungen für Studierende und den vielfältigen Veranstaltungen, mit denen wir Besucher nach Oberschöneweide ziehen.

Inzwischen ist auch ein enges Netz der Zusammenarbeit mit ansässigen Technologieunternehmen entstanden. Von denen wollen so manche jetzt am Standort erweitern. Gleichzeitig wächst die Nachfrage ansiedlungsinteressierter Unternehmen, die auch die Nähe zur Hochschule suchen. Parallel dazu hat sich eine Kreativszene entwickelt. Hier gibt es Verbindungen zu unseren Designstudiengängen. Insgesamt ist inzwischen eine Atmosphäre entstanden, die zu Gründungen anregt.

Es gibt Pläne für die Zentralisierung der HTW unter Auflösung des Standortes in Karlshorst.

Ja, es gibt Pläne. Oder sagen wir: Visionen. Wir würden den Campus in Karlshorst gern aufgeben und ganz nach Oberschöneweide ziehen. Dann wären unsere Ingenieure, Informatiker, Designer und Kulturwissenschaftler mit unseren Juristen, Betriebswirten und Ökonomen zusammen an einem Standort. Räumliche Nähe fördert auch im Zeitalter des Internets die Zusammenarbeit. Das unterstützt die Anwendungsorientierung unserer Lehre und Forschung.

Wir sind da nicht allein, wenn wir uns davon eine nochmals gesteigerte Standortattraktivität für neue Unternehmen und eine weitere Belebung des Gründungsgeschehen versprechen. Der Vergleich mit den Plänen für die Siemensstadt mag vermessen klingen – aber es besteht durchaus die Chance, im Osten der Stadt, auf einem ehemaligen AEG-Großstandort etwas Ähnliches wachsen zu lassen, nämlich eine kreative und smarte Mischung aus Forschen, Arbeiten und Wohnen.

Wie sehen Sie die Entwicklung in den kommenden Jahres?

Wir sind dabei, unseren Campus als Aufenthaltsort für unsere Studierenden noch attraktiver zu machen, und wir wollen uns noch stärker zur Nachbarschaft hin öffnen, also den Austausch mit Anwohnern und benachbarten Unternehmen intensivieren. Umgekehrt wird wohl auch der Kiez mehr Angebote in Richtung Hochschule machen. Ich denke hier an einen Buchladen, eine buntere Gastronomie und andere Dienstleistungen.

Trotz aller positiven Entwicklung Oberschöneweides ist die Dynamik aber bislang durch widerstreitende Interessen von Grundstückseigentümern, Künstlern, Unternehmen und Anwohnern gehemmt. Mit der kompletten Ansiedlung der HTW könnte der Knoten platzen. Zumindest in einem großen Teilgebiet würde damit der Startschuss für die von mir ausgemalte Entwicklung gegeben. Entsprechende Entwicklungspläne liegen vor. Die bieten zudem auch die Chance, die Transformation zur Smart City nicht auf der grünen Wiese, sondern in und mit einem gewachsenen Quartier pilothaft anzugehen.

Welche Immoblien kämen für die HTW-Nutzung in Frage?

Ideal wäre, wenn das Land den Peter-Behrens-Bau für die Hochschule erwerben würde. Dann, aber nicht nur dann, müsste sicherlich etwas für eine bessere Verkehrsanbindung von Oberschöneweide getan werden.

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