Kommentar

Oberschöneweide: Von wegen schweineöde!

Unsere Reporterin für Treptow-Köpenick, Gabriela Walde, über den Aufschwung in Oberschöneweide.

Treptow-Köpenick. Oberschöneweide hat einige missbilligende Spitznamen wie „Oberschweineöde“ und „Ganzschönweidedraußen“. Doch allzulang werden sie sich nicht mehr halten können, zumindest wenn man die Gegend um die Wilhelminenhofstraße betrachtet. Dort gibt es einige, auch schwierige Investoren. Das Herz schlägt in der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) – am Ursprungsort der AEG.

Die Studenten sorgen längst für Belebung der gigantischen Industrie-Brache. Heute sitzen im Sommer junge Leute mit Laptops beim „urban gardening“ an der Spree. In der Nachbarschaft hat das börsennotierte Unternehmen „First Sensor“ sein Domizil, gern würde man sich vergrößern. Vergrößern möchte sich auch HTW-Präsident Klaus Semlinger, der dort den zweiten Standort der Hochschule konzentrieren will.

Viele Künstler und Kreative haben in den historischen Hallen, darunter XTRO und Atelier 79, ihre Nischen gefunden wie einst in Mitte. Noch gíbt es Freiräume, noch ist es bezahlbar. Das Prinzip ist bekannt: Die Kunstkarawane zieht weiter, wenn der Platz in der City eng wird und die Preise zu hoch. Mit Vollendung des Kunstquartiers um die Reinbeckhallen gibt es einen attraktiven Anlaufpunkt abseits der etablierten Orte im Zentrum.

Die kommenden Jahre werden nicht nur mehr Künstler, sondern auch Gäste zu Veranstaltungen nach Schöneweide kommen. Die sozialen Probleme im Kiez freilich werden dadurch nicht weniger, doch dafür wird es hoffentlich weltoffener und bunter.

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