Treptow-Köpenick

Der Müggelturm lockt wieder Tausende Besucher an

Nach Jahrzehnten des Verfalls kehrt der Trubel am Müggelturm-Gelände zurück. Die Baude am Fuß des Turms soll erst der Anfang sein.

Auf der Terrasse der neuen Baude am Müggelturm in Köpenick lässt sich bestens die Sonne genießen

Auf der Terrasse der neuen Baude am Müggelturm in Köpenick lässt sich bestens die Sonne genießen

Foto: joerg Krauthoefer

An einem der ersten warmen Sonntage in diesem Jahr: Familien mit Kindern und ältere Ehepaare pilgern am Nachmittag durch den Forst in Köpenick und steigen die Treppen zum Müggelturm-Gelände empor. Nach Jahrzehnten des Verfalls zieht das alte Ausflugsziel wieder Besucher an.

Die Aussicht, Kaffee und Kuchen auf der Terrasse am Fuß des Turms zu genießen, lockt. Wie früher. Denn die Baude im Untergeschoss des Gebäudes ist seit Anfang März wieder geöffnet. Investor Matthias Große hat die Gaststätte im rustikalen Stil herrichten lassen. Auf der Terrasse sitzen die Gäste auf Bänken, die um große Tische gruppiert sind. Sie genießen den Ausblick und den Sonnenschein. Dazu gibt es Eis, Cappuccino, Kalten Hund, Himbeer-Sahne-Torte, Sachertorte oder ein Bier.

Am 1. Mai kamen mehrere Tausend Besucher hierher, um mit Eigentümer Große mit Musik und Grillen den dritten Jahrestag des Erwerbs des Areals zu feiern.

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In Planung: ein Restaurant, Konzerte und Sommernachtskino

Die Baude soll nur der Anfang gewesen sein, denn Große will noch ein Restaurant mit italienisch-deutscher Küche einrichten. Die Baugenehmigung werde im Sommer 2017 erwartet, heißt es auf der Homepage. Konzerte und Sommernachtskino soll es am Müggelturm geben. Eine Außenstelle des Standesamtes ist geplant. Die Stufen, die von der Bauden-Terrasse zum Müggelturm führen, sind bereits erneuert. Ebenso Geländer und Handläufe. Das Dach der Baude ist mit Dachpappe gedeckt.

Der Eintritt zum knapp 30 Meter hohen Turm kostet zwei Euro. Das Geld werde für die Sanierung verwendet, steht auf einem Schild zu lesen. „Berlins beste Aussicht“ wird versprochen. Das Panorama vom Müggel- bis zum Langen See, vom Museumspark Rüdersdorf bis zum Flughafen Schönefeld, vom Alexanderplatz bis zum Tropical Islands an der Grenze zum Spreewald.

Sonn- und feiertags ruhen die Arbeiten, doch überall ist das Baugeschehen sichtbar. Bauzäune und Kabeltrommeln sind zu sehen. Bretter, Steine und Platten stapeln sich. Die gute Laune der Gäste beeinträchtigt das nicht. Eine ältere Dame ist jedoch genervt vom langen Anstehen in der Baude. Denn dort ist Selbstbedienung. Sie kennt das Müggelturm-Areal von früher. „Der Investor gibt sich sehr viel Mühe. Es ist wunderbar, was er schon geschaffen hat.“

Für Ost-Berliner sei das ein Magnet, sagt die Marzahnerin, die mit dem Bus gekommen und durch den Wald zum Müggelturm gelaufen ist. Der Weg sei zu wenig ausgeschildert, kritisiert sie. „Ich komme auf alle Fälle wieder, aber nicht am Sonntag.“

Viele Besucher kennen das Areal seit ihrer Kinderzeit

Dieter Brennmehl (75) ist mit seiner Frau Edeltraut (73) aus Hohenschönhausen gekommen. „Es ist ein Anfang“, sagt er. „Besser als verrotten lassen.“ Auch er hat lange angestanden, um Eis essen und auf der Terrasse sitzen zu können. Dicht besetzt sind auch die langen Bänke und Tische unter Zelten, auf dem Vorplatz am Eingang zum Areal. An einem Imbisswagen kann man sich Brause im Plastikbecher, Wiener Würstchen auf Papptellern, Bier oder Weiße mit Schuss holen.

Auch an diesem Imbiss stehen die Gäste nachmittags in einer langen Schlange. Torsten L. aus Lichtenberg sitzt mit seiner Begleiterin an einem der Tische. Er kennt das Gelände seit seiner Kinderzeit. Nach 15 Jahren ist er zum ersten Mal wieder hier. „Es wäre schade, wenn es den Müggelturm nicht mehr gäbe. Er gehört zu Berlin.“ Der 51-Jährige ist Dachdecker von Beruf und sieht sich auch mit den Augen des Fachmannes um. „Es ist viel zu tun. Das braucht Zeit“, sagt er. „Ich wünsche dem Investor viel Glück.“

Neue Chancen für die Ausflugslokale "Riviera" und "Gesellschaftshaus"

Auch für zwei andere verfallende Attraktionen in Treptow-Köpenick gibt es neue Chancen. Die denkmalgeschützten einstigen Ausflugslokale „Riviera“ und „Gesellschaftshaus“ in Grünau sind erneut verkauft worden. Die Terragon Projekt GmbH habe die Grundstücke jetzt erworben, der Kaufvertrag sei unterschrieben, teilte das Bezirksamt kürzlich mit.

Terragon plant eine Seniorenwohnanlage auf dem Gelände am Ufer der Dahme. Es soll auch ein gastronomisches Angebot für die Öffentlichkeit geben. Der Investor will vier neue Gebäude mit drei und vier Geschossen errichten. Dafür hat das Amt einen positiven Bauvorbescheid erteilt. Der historische Ballsaal des „Riviera“ soll erhalten und denkmalgerecht saniert werden. Geplant ist, dass er künftig als Veranstaltungsraum dient. Das Gesellschaftshaus soll seine Kubatur und die wesentlichen Ausstattungselemente behalten. Im Gebäude werden Seniorenwohnungen eingerichtet. Und: Der Bauherr hat sich bereit erklärt, einen öffentlichen Uferweg anzulegen.

„Der neue Eigentümer plant eine sinnvolle Nutzung“, sagt Treptow-Köpenicks Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD). „Wir sehen die Pläne als gangbaren Kompromiss, sie bieten aber auch eine große Chance für einen Neuanfang.“ Zwar seien die geplanten Neubauten sehr umfangreich, so der Stadtrat. Denkmale könnten jedoch nur dauerhaft erhalten bleiben, wenn sie genutzt werden. Mit der bisherigen Grundstückseigentümerin habe das Bezirksamt jahrelang im Rechtsstreit gelegen, „um sie zur Sanierung der Denkmale zu verpflichten“.

Infos zum Müggelturm: müggelturm.berlin

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