In einer Woche sollen die Arbeiten an der Handjerystraße in Berlin-Friedenau beginnen. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg gestaltet zunächst den östlichen Teil zur Fahrradstraße um. Lange wurde über das Für und Wider diskutiert, dort den Radfahrern Vorrang zu geben. Und noch immer wird Kritik an dem Vorhaben laut. In einem Brief wendete sich nun die Friedrich-Bergius-Schule an die Bezirksverordentenversammlung (BVV).

Darin prangern Schulleiterin Andrea Mehrländer und der Gesamtelternvertreter der Friedenauer Schule, Andreas Thewald, den geplanten Umbau an. Sie fürchten um die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler beim Überqueren der Handjerystraße. Bislang sorgt die Spielstraßenregelung für einen verkehrsberuhigten Bereich auf Höhe der Schule. Dieser fällt durch die Fahrradstraße weg.

„Durch den Wegfall des verkehrsberuhigten Bereichs am Perelsplatz, der gezielt eingerichtet wurde, um den sicheren Schulweg der Schüler:innen zu gewährleisten, befürchten wir in der Zukunft ein erhöhtes Unfallaufkommen, da die Mehrheit der Schüler:innen täglich als Fußgänger:innen die Handjerystraße mehrmals überqueren, um von der S-Bahn Bundesplatz die Schule zu erreichen“, schreiben die Schulvertreter in ihrem Brief.

Sicherer Schulweg werde „geopfert“

Ein sicherer Schulweg werde dort „zugunsten einer Fahrradstraße geopfert“, lautet deshalb der Vorwurf. Die Friedrich-Bergius-Schule befindet sich direkt an Handjerystraße und Perelsplatz. Viele der Schülerinnen und Schüler kommen mit der S- oder U-Bahn am Bundesplatz an und gelangen dann über die Handjerystraße zu ihrer Schule.

Doch eine mögliche Gefahr für die Kinder und Jugendlichen sei nicht der einzige Kritikpunkt. Laut den Schulvertretern seien die Bedürfnisse der Schule bereits bei der Planung nicht ausreichend berücksichtigt worden. „Unser Versuch gehört zu werden, blieb von Politikern unerwidert“, schreiben Andrea Mehrländer und Andreas Thewald in dem Brief.

Die Friedrich-Bergius-Schule in Berlin-Friedenau.
Die Friedrich-Bergius-Schule in Berlin-Friedenau.© Anikka Bauer | Anikka Bauer

Friedrich-Bergius-Schule organisierte Petition gegen Fahrradstraße

„Im Januar 2023 haben weit über 200 Schüler:innen eine Petition mit der Forderung des Erhalts einer ,verkehrssicheren Handjerystraße mit allseitiger Rücksichtnahme durch alle Verkehrsteilnehmer:innen‘ unterzeichnet – das sind knapp 50% unserer Schülerschaft, ein beachtliches Ergebnis.“

Am 8. Februar hätten Schülerinnen und Schüler diese Petition bei einem Besuch der damaligen Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse an die SPD-Politikerin überreicht. „Bis heute haben wir keine Rückmeldung zu dieser Petition der Schüler:innen erhalten, weder vom Senat für Bildung, Jugend und Familie noch vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg“, heißt es weiter in dem Brief.

Auch Anwohnergruppe kritisiert Fahrradstraßen-Pläne

Tempelhof-Schönebergs Verkehrsstadträtin Saskia Ellenbeck (Grüne) kann die Kritik der Friedrich-Bergius-Schule nicht verstehen. Auf Nachfrage erklärte sie, dass sich die Schulwegsicherheit „durch 19 neue Querungshilfen, zwei Dialogdisplays, bessere Sichtbeziehung und durch die Einrichtung der Fahrradstraße selbst“ sogar verbessern werde.

Sie verteidigte sich zudem gegen den Vorwurf, die Schule sei bei dem Projekt nicht involviert gewesen. „Initiativen und Interessenvertretungen wie auch die Initiative ,Sicher zur Schule in Friedenau‘ wurden frühzeitig bei öffentlichen Veranstaltungen und Gremiensitzungen zur Fahrradstraße beteiligt und Hinweise berücksichtigt“, so Ellenbeck. Der Friedrich-Bergius-Schule seien mehrfach Gesprächstermine angeboten worden.

Auch Anwohnergruppe kritisiert Fahrradstraßen-Pläne

Kritik an der geplanten Fahrradstraße kam in den vergangenen Monaten auch immer vonseiten der Anwohner. Die Bürgergruppe Handjerystraße will mit einem offenen Brief an Stadträtin Ellenbeck gegen das Projekt protestieren. Sie fordert darin, den angekündigten Umbau zu stoppen und meint sogar, Verstöße gegen das Berliner Mobilitätsgesetz (MobG) zu erkennen.

Umbauphasen der Handjerystraße in Friedenau
Umbauphasen der Handjerystraße in Friedenau© Berliner Morgenpost Infografik/OSM | C. Schlippes /Berliner Morgenpost Infografik OSM Datawrapper

Die Anwohner beklagen in ihrem Brief, dass Alternativen zur Fahrradstraße nicht geprüft und die Nachbarschaft nicht bei der Entscheidung über das Projekt angehört worden sei. Behauptet wird zudem, dass die der Planung zur Grundlage liegenden Verkehrszählungen aus dem September 2021 „manipuliert“ worden seien. Im Zentrum der Kritik steht zudem der Wegfall von etwa 170 Parkplätzen entlang der Handjerystraße. Laut Ellenbeck stimme diese Zahl nicht. Es handle sich lediglich um 130 Parkplätze.

Bürgergruppe fordert ergänzenden BVV-Beschluss

Gefordert wird laut offenem Brief ein alternatives Konzept, bei dem die angrenzenden Haushalte beteiligt und alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen berücksichtigt werden sowie einen neuen BVV-Beschluss.

Mehr aus Tempelhof-Schöneberg lesen Sie hier: