Die ehemalige Bezirksgärtnerei im Diedersdorfer Weg in Marienfelde leistet nun ein wichtigen Beitrag zum Naturschutz. Die seit 2008 brachliegende Fläche wurde kürzlich durch den Bezirk Tempelhof-Schöneberg und die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) zu einer Ausgleichsfläche für städtische Bauprojekte erklärt. Dort soll ungestört wachsen, was woanders, etwa für den Wohnungsbau, zerstört werden musste. Nun stehen die ersten 60 Bäume und mehr als 450 Sträucher.
Dafür sind die alten nicht mehr benötigten Gewächshäuser verschwunden. Platz entstand so auch für 14.000 Quadratmeter Frischwiese und rund 16.000 Quadratmeter Trockenrasen, wie das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg kürzlich mitteilte. Das entspreche circa 1600 Wertpunkten, die von Gutachterbüros anhand des Berliner Leitfadens zur Bewertung und Bilanzierung von Eingriffen berechnet werden.
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Diese durch Pflanzungen und andere Ausgleichsmaßnahmen erreichten Punkte fließen auf ein Ökokonto ein. Das Punktesystem dient also der Kontrolle, dass zerstörte Natur an anderer Stelle vollumfänglich ausgeglichen wird. Gesetzlich sind Bauherren in Deutschland dazu verpflichtet, Flächen zu ersetzen, wenn sie durch Bauprojekte versiegelt werden. Über die Vergabe der Ausgleichsflächen in Marienfelde, also für welches Bauvorhaben sie als Ersatz gelten, entscheidet allein die BIM.
Verzögerungen bei Bauprojekten auch wegen mangelnder Ausgleichsflächen
Die nun in Marienfelde entstandene Fläche fungiert dabei nicht nur rückwirkend für bereits abgeschlossene Bauten, sondern auch vorsorglich. Grund ist, dass sich viele Bauprojekte auch wegen fehlender Ausgleichsflächen im Stadtgebiet verzögern. Davon sind auch Berlins Wohnungsbauprojekte betroffen.

BIM-Bereichsleiter Christian Krüger erklärt dazu: „Die Fertigstellung des Ökokontos ist für uns als Immobiliendienstleisterin Berlins ein wichtiger Schritt für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Allein für den Ausgleich von sechs neu gebauten beziehungsweise geplanten Feuerwachen benötigen wir circa 500 Wertpunkte.“ Ein weiterer Teil der Wertpunkte solle an ein landeseigenes Wohnungsbauunternehmen veräußert werden. „In ganz Berlin gibt es auch in Zukunft einen großen Bedarf an Ausgleichsflächen“, sagt Krüger.
Alte Bezirksgärtnerei: Neue Kita geplant
Das Marienfelder Ökokonto nimmt etwa 44.000 Quadratmeter der 75.000 Quadratmeter großen Fläche der früheren Bezirksgärtnerei ein. Auf dem Gelände, aber außerhalb des Ökokontos, ist als Nutzungsmöglichkeit für das einzig verbliebene Gebäude die Ansiedlung einer neuen Kindertagesstätte mit Schwerpunkt Umwelt und Natur vorgesehen.
Außerdem sollen auf Teilen des eingezäunten Geländes sowie auf einer weiteren, angrenzenden Liegenschaft Bildungsangebote des Bezirks und des derzeitigen Mieters Naturwacht Berlin e. V. untergebracht werden. Die Gesamtkosten für die Abriss- und Renaturierungsmaßnahmen belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro.
„Blaue Perlen“-Projekt sichert Teiche vor der Austrocknung

Beispiele für Ausgleichsflächen gibt es auch an anderen Stellen in Berlin. So ist etwa die Renaturierung der Malchower Auenlandschaft zwischen Pankow und Lichtenberg ein solches Projekt sowie der Biotopverbund Wuhletal in Marzahn-Hellersdorf. Ein drittes Projekt dieser Art erstreckt sich über das gesamte Stadtgebiet. Die „Blauen Perlen“ meint die vielen Teiche und Pfuhle, die wichtige Lebensräume für Vögel und Amphibien bieten, aber immer häufiger von Austrocknung betroffen sind.
Das Areal der Bezirksgärtnerei ist Teil des Grünen Bandes Berlin Süd, dass neben Tempelhof-Schöneberg auch die Bezirke Steglitz-Zehlendorf und Neukölln umfasst. Gemeint sind die dort und in den angrenzenden brandenburgischen Nachbargemeinschaften vorhandenen Offenlandschaften, die durch gezielte Maßnahmen besser miteinander verknüpft werden sollen. In manchen Bereichen werden Wiesen angelegt, in anderen Wald aufgeforstet.
Derzeit werden laut Informationen des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg weitere Flächen auf ihre Eignung als kompensierendes Ökokonto geprüft. Dazu gehören das ehemalige Polizeigelände An der Margaretenhöhe 65 in Lichtenberg, die frühere Gärtnerei Quickborner Straße 195 E/F in Reinickendorf sowie die Wiltbergstraße 29 G in Pankow.
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