Bauvorhaben

Oltmann: „Tempelhof-Schöneberg ist nicht Treptow-Köpenick“

Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) zu den Bauvorhaben im Bezirk. Er fordert: "Wir bräuchten doppelt so viele geförderte Wohnungen“.

Jörn Oltmann, Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg

Jörn Oltmann, Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg

Foto: M. Popow / imago/Metodi Popow

Tempelhof-Schöneberg.  Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg wird wie viele andere nach derzeitigem Stand vorgegebenen Wohnungsbauziele nicht erreichen können. Denn dafür müssten dort bis 2030 rund 15.000 Wohnungen entstehen. Baustadtrat Jörg Oltmann (Grüne) zufolge kommt der Wohnungsbau aber deutlich in Schwung.

Berliner Morgenpost: Herr Oltmann, 500 Wohnungen für die Neue Mitte – wie schwierig ist es, Wohnungsbau tatsächlich zu realisieren?

Jörn Oltmann: Die Akzeptanz steigt auf alle Fälle, je früher und je intensiver die Bürger einbezogen werden. Bei der Neue Mitte Tempelhof bin ich optimistisch, dass wir die Anwohner mit dem neuen bezirklichen Kulturzentrum überzeugen können Das Projekt ist eine großartige Chance für den Bezirk und dem Kiez vor Ort. Der Wohnungsbau steht erst am Ende. Bis dahin sind Polizei, Schwimmbad, Bibliothek gebaut und neue grüne Wege angelegt. Das Gebiet um das Rathaus wird deutlich aufgewertet.

Viele befürchten, dass der Verkehr noch mehr zunimmt.

Die Infrastruktur muss natürlich immer mitgeplant werden. Und das werden wir auch im Fall Tempelhofer Mitte tun. Die Planungen sind dort erst am Anfang.

Wann könnte mit dem Wohnungsbau an der Götzstraße begonnen werden?

Wir rechnen damit , dass der Wohnungsbau im Jahr 2026 realisiert wird, die ersten Bewohner dann im Frühjahr 2027 einziehen können.

Tempelhof-Schöneberg landet bei den Baugenehmigungen im Bezirkevergleich an 7. Stelle. Weshalb geht es nicht schneller ?

Ich finde, wir kommen sehr gut voran. Die Zahlen von Januar bis September zeigen so viele Baugenehmigungen für Tempelhof-Schöneberg wie in den letzten 6 Jahren nicht. Mit 1.366 Baugenehmigungen haben wir sehr deutlich die Zielzahl von 700 für dieses Jahr überschritten. Wohnungsbau genießt bei mir höchste Priorität. Tempelhof-Schöneberg ist aber nicht Treptow-Köpenick. Unser Bezirk verfügt bei weitem nicht über so viel Potenzial für Wohnungsbau.

Wo gibt es noch großen Flächen im Bezirk?

Im Bau ist das Vorhaben an der Bautzener Straße mit rund 300 Wohneinheiten, das im Frühjahr 2019 fertiggestellt sein wird. Ein Geh- und Radweg entlang der S-Bahn soll später direkt zum Park am Gleisdreieck führen. An der Friedenauer Höhe nahe Innsbrucker Platz geht es nächstes Jahr so richtig los. Hier werden 1.500 Wohnungen gebaut. Es wird es einen Spielplatz, zwei Stadtplätze und einen Fuß- und Radweg geben. Gebaut wird auch schon auf der Schöneberger Linse am Bahnhof Südkreuz. Dort entstehen 1.740 Wohnungen. Völlig neu und noch nicht abgestimmt ist das Projekt am ehemaligen Güterbahnhof Mariendorf mit 700 Wohnungen und einem starken Gewerbeanteil.

Wo wird noch gebaut?

An der alten Mälzerei in Lichtenrade entsteht ein fantastisches Projekt. Dort wird mit der bezirklichen Bibliothek, der Musikschule und der VHS, sowie sozialen und gewerblichen Nutzungen ein neuer Anziehungspunkt geschaffen. In der näheren Umgebung entstehen kleinere Geschäfte, ein großer Stadtplatz und 180 Wohnungen. Der Vorhabenträger plant zudem ein Schwimmbad. In Mariendorf sind 400 bis 500 Wohnungen in Hugos Wohngärten geplant. Beginn ist frühestens 2020.

Wie sieht es aber mit bezahlbaren Wohnungen aus?

In Berlin gilt das Modell der kooperativen Baulandentwicklung: Der private Investor verpflichtet sich danach, 30 Prozent der neuzubauenden Wohnungen als Sozialwohnungen anzubieten. Für die landeseigenen Wohnungsunternehmen gilt eine Quote von 50 Prozent. Wir bräuchten aber mindestens das Doppelte an sozialem Wohnungsbau. Der Bund und das Land müssen deutlich mehr in die Wohnungsförderung investieren. Das Land muss die städtischen Wohnungsbaugesellschaften noch mehr unterstützen und die Genossenschaften direkt fördern.

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