Zum 31. Dezember müssen die selbstverwalteten Jugendzentren Potse und Drugstore aus ihren Räumen ausziehen. Die Kollektive kämpfen weiter um ihr Bestehen. Von Anja Meyer Die Kollektive der beiden selbstverwalteten Jugendzentren Potse und Drugstore kämpfen weiter gegen ihre drohende Verdrängung aus dem Schöneberger Norden. Dazu solidarisieren sie sich verstärkt auch mit anderen Einrichtungen und Initiativen, deren Existenz ebenfalls bedroht ist. Am Wochenende haben sie ihre dreitägige Veranstaltungsreihe „In guten wie in schlechten Zeiten… Wir sind alle vom 2. Juni“ mit Lesungen, Filmvorführungen, Kundgebungen und Parties beendet.

Die Protest-Reihe gegen Gentrifizierung organisierten die Kollektive von Potse und Drugstore gemeinsam mit den Akteuren des linksalternativen Wohnprojektes Tommy Weisbecker Hauses in Kreuzberg und der Köpi in Mitte. Im Drugstore lasen die Geschwister Kai und Barbara Sichtermann aus ihrem Buch „Das ist unser Haus“, in dem sie mit Zeitzeugen der Hausbesetzerszene der 70er-Jahre sprechen. Kai Sichtermann ist Gründungsmitglied und Bassist der Band „Ton Steine Scherben“. „Die Veranstaltungen waren gut besucht, viele Menschen fühlen sich wie die Geschwister Sichtermann eng mit Potse und Drugstore verbunden“, sagt Paul vom Potse-Kollektiv.
Hausgemachtes Problem
Potse und Drugstore, die seit den 70er Jahren in der Potsdamer Straße 180 beheimatet sind, wurde der Mietvertrag zum 31. Dezember dieses Jahres gekündigt. Der Grund: Der neue Eigentümer will die Miete so stark erhöhen, dass der Bezirk sie nicht mehr tragen kann. Schon jetzt zahlt der Bezirk jährlich 200.000 Euro Miete für beide Jugendzentren. Dabei gehörte ihm das Gebäude einst sogar selbst, bis er es 1987 zunächst an die BVG verkaufte, die es später weiter veräußerte. Ein Fehler, wie es verschiedene Bezirksverordnete heute nennen, denn damit wurde das Haus zum Spekulationsobjekt. Ein Fehler, der jedoch nicht mehr rückgängig zu machen ist.
Verhandlungen mit Eigentümer laufen noch
Noch immer steht Stadtrat Oliver Schworck (SPD) in Verhandlungen mit dem aktuellen Eigentümer. Für ein Statement war er nicht zu erreichen. In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg wollen außer der AfD alle vertretenen Parteien die Jugendzentren erhalten. Auch das Berliner Abgeordnetenhaus hat sich dem Thema in den vergangenen drei Monaten verstärkt angenommen. „Potse und Drugstore sind nicht nur für den Schöneberger Kiez wichtig, sondern haben eine enorme Strahlkraft für die gesamte Stadt“, sagt der Abgeordnete Philipp Bertram (Linke).

Doch so lange kein eindeutiges Ergebnis aus den Verhandlungen mit dem Vermieter vorliegt, können laut Bertram auch keine konkreten, weiteren Pläne geschmiedet werden. Zwar suche das Bezirksamt weiter nach Alternativgrundstücken, doch bislang erwiesen sich alle Objekte als ungeeignet. Die Kollektive von Potse und Drugstore sind vor allem dafür bekannt, dass sie Konzerte organisieren. Viele der vorgeschlagenen Räumlichkeiten waren dafür zu klein oder lagen mitten in Wohngebieten, wo die Veranstaltung lauter Konzerte nicht möglich wäre.
Ergebnis erst nach der Sommerpause erwartet
„Bald beginnt die Sommerpause, ein konkretes Ergebnis wird wahrscheinlich erst danach vorliegen“, sagt Philipp Bertram. Danach drängt die Zeit dann umso mehr. „Wir wollen den Jugendlichen von Potse und Drugstore auf jeden Fall ersparen, dass sie sich in einer ähnlichen Situation wie vor zwei Jahren wiederfinden. Ende 2015 sollten sie auch schon aus den Räumlichkeiten ausziehen. Erst kurz zuvor konnte Stadtrat Schworck sich mit dem Eigentümer darauf einigen, bei gleichbleibender Miete einen Teil der Räumlichkeiten an den Vermieter zurückzugeben. Jetzt läuft der Vertrag jedoch wieder aus. Gewerbemieten unterliegen keiner Mietpreisbindung, deshalb ist eine starke Erhöhung möglich.
Information
Am kommenden Sonnabend, 10. Juni, ist um 17 Uhr eine weitere Demonstration vor den Jugendzentren Potse und Drugstore in der Potsdamer Straße 180 in Schöneberg geplant.

