Volksbegehren

Berliner unterschreiben für Erhalt des Tempelhofer Felds

Das Volksbegehren zum Erhalt des Tempelhofer Feldes hat begonnen. Die Initiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“ muss bis Jahresende mindestens 174.000 Unterschriften sammeln.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Neben dem Spielplatz, am Eingang auf der Tempelhofer Seite, stehen die Unterschriftensammler. Sie sind zu sechst. Neben ihnen stehen noch ein paar mehr, sie verteilen Luftballons an die Kinder und diskutieren. Das Wetter ist schlecht, es sieht nach Regen aus, und doch drängen auch an diesem Sonntag eine ganze Menge Menschen auf das Tempelhofer Feld. Sie wollen Drachen steigen lassen, joggen, spazieren gehen oder Fahrrad fahren.

Und die meisten wollen auch, dass sie das weiterhin auf der gesamten Fläche des Feldes tun können. Deswegen unterschreibt fast jeder Zweite das Volksbegehren, das die Initiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“ am Sonnabend gestartet hat.

An die 50 Menschen schließen sich dann auch der Demonstration an, die am Sonntagnachmittag startet: Quer über das Feld soll es gehen, in der Mitte stoßen sie auf den anderen Demonstrationszug, der von der Neuköllner Seite aus losgezogen ist. Am Ende sind es mehrere Hundert Demonstranten. „Seit Jahren wird das Geld verpulvert, dabei brauchen wir es für die Schulen und die alten Menschen“, empört sich Joachim Kiau von der Bürgerinitiative über die Bebauungspläne. „Schluss mit dem Blödsinn.“

Neu ist auch der Verein Feldpaten e.V.

280.000 Unterschriften bis Ende des Jahres, das ist das Traumziel der Initiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“. Um Erfolg zu haben, reichen ihnen allerdings bereits 174.000 Unterschriften, sieben Prozent der Berliner Wähler. Wer die Initiative unterstützen will, kann die Listen auch von ihrer Homepage runterladen. Neu ist auch der Verein Feldpaten e.V., mit ihm soll Spendengeld gesammelt werden.

Gerade erst hat der Senat seinen Masterplan für die Bebauung des Tempelhofer Feldes vorgestellt: 2016 soll es losgehen, 1700 Wohnungen entlang des Tempelhofer Damms sind geplant, in den folgenden Jahren sollen dann 3000 weitere Wohnungen dazukommen. Von dem 355 Hektar großen Feld sollen 230 Hektar für die Bürger übrig bleiben, so hat es Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) angekündigt. An solche Versprechen glauben die Demonstranten nicht. „Wenn die erst mal anfangen zu bauen, dann hören die auch nicht mehr auf“, sagt eine Frau. Ab 2015 soll auch der Bau der Zentral- und Landesbibliothek vorbereitet werden. Der Senat will Wohnraum schaffen, die Demonstranten wollen Freiraum.

Verena und Tommy aus Schöneberg laufen mit ihrem acht Monate alten Sohn Jonael bei der Demo mit. „Dieses Feld ist einmalig auf der Welt“, sagt Verena. „Hier ist genug Platz, dass die einen eine Party feiern und die anderen picknicken können, keiner stört sich hier am anderen. So was kann man doch nicht einfach kaputt machen.“

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