Es soll also losgehen: Ab 2016 wird der ehemalige Flughafen Tempelhof bebaut. Die Pläne stellte diese Woche Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) vor. Weil günstige Wohnungen in Berlin fehlen und weil Müller als sozialdemokratischer Bausenator neue, bezahlbare Wohnungen schaffen will, macht es sich natürlich im Wahlkampf gut, Mieten ab sechs Euro pro Quadratmeter netto/kalt anzukündigen.
Doch es mutet merkwürdig an. Statt Applaus in Berlin zu erhalten, gibt es sogleich Menschen, die das für falsch halten. Bloß keine Bebauung des Tempelhofer Feldes. Eine Bürgerinitiative startet dieses Wochenende ein Volksbegehren, das die neuen Wohnungen verhindern soll. Sie werfen Müller vor, Tatsachen zu schaffen, bevor das Volksbegehren greifen könnte.
Es ist wie immer in Berlin: Alles soll beim Alten bleiben. Investoren sind nicht erwünscht. Selbst wenn es ein sozialdemokratischer Senator ist, werden die Pläne abgelehnt.
Der Text des Volksbegehrens, aus dem ein Gesetz werden soll, ist eindeutig: „Das Land Berlin verzichtet auf eine Veräußerung, Bebauung und Teilprivatisierung des Tempelhofer Feldes. Das Tempelhofer Feld steht der Öffentlichkeit weiterhin in seiner Gesamtheit und ohne dauerhafte Einschränkungen zur Verfügung. Es dient auch künftig der Freizeit und Erholung und wird in seiner Funktion als innerstädtisches Kaltluftentstehungsgebiet und als Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschützt. Dabei wird das Tempelhofer Feld in seiner Bedeutung als historischer Ort und als Ort des Gedenkens erhalten.“
Hier konkurrieren wieder einmal in Berlin klassisch zwei Belange: zum einen der Wunsch, alles so zu lassen, wie es ist. Das war auch schon so beim Volksbegehren zum Spreeufer. Zum anderen gibt es das übergeordnete Interesse, dass der Senat investiert, günstigen Wohnraum und Arbeitsplätze schafft. Wenn man genauer hinschaut, ist die Randbebauung des Tempelhofer Feldes nicht das Ende der Freifläche, wie es das Volksbegehren suggeriert. Auch der Lebensraum für Tiere und Pflanzen wird im Wesentlichen erhalten.
Denn die ersten neuen Wohnungen entstehen am Rand des Areals, direkt neben dem Tempelhofer Damm. Weil es dort relativ laut ist, nutzen im Moment Modellflieger und Skater diese Stelle des Tempelhofer Feldes. Weitere Wohnungen sollen am Columbiadamm gebaut werden. Auch der ist laut. Die Häuser schirmen den Lärm eher ab.
Ich finde, dass der Senat einen ganz guten Kompromiss zwischen Frei- und Baufläche gefunden hat. Meiner Meinung nach verträgt das riesige Areal sehr wohl Wohnungen und Gewerbe. Stadtentwicklungssenator Müller tut gut daran, seine Pläne voranzutreiben – im Dialog mit den Anwohnern.
Immerhin schafft Müller über städtische Wohnungsbauunternehmen schnell günstigen Wohnraum. Dafür gibt es in einer Stadt, in der die Mieten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind, gute Argumente.




