Umfrage

Berliner wollen Grünflächen nicht für Wohnungen opfern

Trotz der Wohnungsnot lehnen die Berliner die Bebauung von innerstädtischen Freiflächen und Kleingartenkolonien ab. Kein Verständnis dagegen haben sie für Klubs und Restaurants auf Baugrundstücken.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Die Berliner lieben ihre grünen Freiräume – und wollen sie auch dann nicht für den Wohnungsbau opfern, wenn sie selbst Mühe hätten, eine passende neue Wohnung zu finden. Das geht aus einer aktuellen Umfrage unter Berliner Wohnungssuchenden hervor, die das Internetportal Immobilienscout 24 und Ziegert Bank- und Immobilienconsulting gemeinsam durchgeführt haben. Demnach befürworten nur 41 Prozent der Befragten die Bebauung von Freiflächen innerhalb des S-Bahn-Rings. Das deutliche Votum ist umso überraschender, als dass 82 Prozent von ihnen angeben, es sei derzeit schwer, in Berlin eine neue Wohnung zu finden.

„Wer heute innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings eine Wohnung sucht, hat viel Konkurrenz. Inserierte Objekte bleiben in der Regel nur wenige Tage auf der Plattform. Abhilfe schafft hier nur eine Vergrößerung des Angebots“, sagte Marc Stilke, Sprecher der Geschäftsführung von Immobilienscout 24. Umso erstaunlicher, dass die Wohnungssuchenden auch die Bebauung von Kleingärten, die Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) in Aussicht gestellt hat, mehrheitlich ablehnen. Innerhalb des S-Bahn-Rings sprechen sich 56 Prozent der Befragten dagegen aus. 54 Prozent würden auch außerhalb des S-Bahn-Rings keine Kleingärten opfern.

Zustimmung für Baupläne am Tempelhofer Feld

Überwiegenden Zuspruch bekommt die Bauplanung des Senators dagegen für das Tempelhofer Feld. Der Senat will an den Rändern des Baufeldes 4700 Wohnungen bauen. 57 Prozent der Befragten befürworten diese Planung. Allerdings knüpfen sie diese Zustimmung an Bedingungen. So wünschen 39 Prozent der Befürworter einer Randbebauung des Tempelhofer Felds dort neue Sozialwohnungen, 28,7 Prozent sind für eine Blockbebauung mit großen Grünflächen und nur 6,7 Prozent für Townhäuser. „Das äußere Feld soll sozial und urban werden“, so Immobiliendienstleister Nikolas Ziegert.

Rund 6000 Wohnungen im Bau und in der Planung

Aktuell haben die sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften in Berlin rund 6000 Neubauwohnungen im Bau und in der Planung. Weitere sollen folgen. Interessant für die Politiker sind deshalb auch die Antworten der rund 640 Umfrageteilnehmer, wo denn stattdessen gebaut werden sollte. Außerhalb des S-Bahn-Rings wünschen sich 61 Prozent der Befragten.

Kein Verständnis dagegen haben sie für private Klubs und Restaurants, die in der City Baugrundstücke blockieren. Nur 7,5 Prozent der Befragten meinen, dass dort keine Wohnungen gebaut werden sollten. Werden dagegen Flächen von sozialen oder kulturellen Projekten genutzt, sind 62 Prozent gegen eine Bebauung. Soll dennoch auf alternativ genutzten Flächen gebaut werden, wollen die Befragten einen festgelegten Anteil an preiswertem Wohnraum (67,2 Prozent), öffentlichen Grünflächen (62,2 Prozent) sowie Platz für gemeinnützige Projekte (38,2 Prozent).

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