Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg will das Laufbordell mit 40 Zimmern an der Potsdamer Straße Ecke Kurfürstenstraße verhindern und dabei einem Rechtsstreit nicht aus dem Weg gehen. Der Bauantrag, das Geschäftshaus umzubauen, ist gestellt. Er soll nicht genehmigt werden, obwohl ein Bordell baurechtlich im Gebiet zulässig wäre.

Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) sprach für Morgenpost Online mit Redakteurin Brigitte Schmiemann darüber, was der Bezirk tun will, um das Projekt zu stoppen.

Morgenpost Online: Herr Band, wer wird in der von Ihnen ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe sitzen?

Ekkehard Band: Vertreter der Bezirksämter Tempelhof-Schöneberg und Mitte, denn die Kurfürstenstraße gehört ja nur auf einer Seite zu unserem Bezirk. Weiterhin Polizei, Interessenvertretungen wie Hydra, Olga und Subway. Die Straßenverkehrsbehörde, das Quartiermanagement, die IG Potsdamer Straße, die Kirche und auch Anwohner. Um schnell handeln zu können, sollte der Kreis nicht zu groß werden. Da es sich um ausländische Prostituierte handelt, sollte auch jemand von der Ausländerbehörde dabei sein.

Morgenpost Online: Wann werden Sie tagen?

Band: Wir treffen uns erstmals am 2. November im Rathaus Schöneberg. Dabei wollen wir die Fakten auflisten und Lösungen suchen.

Morgenpost Online: Wäre es nicht besser, wenn die Frauen statt auf der Straße in einem Bordell arbeiten könnten?

Band: Ich halte das für einen Trugschluss. Entscheidend ist aber vielmehr, dass in dem schon ohnehin belasteten Quartier durch die Einrichtung eines Großbordells zusätzliche Belästigungen und Störungen entstünden. Das auch in einer Großstadt erforderliche soziale Gleichgewicht wäre erheblich beeinträchtigt. Eine solche soziale Entmischung muss verhindert werden.

Morgenpost Online: Wie schätzen Sie die rechtlichen Möglichkeiten ein, ein Bordell im ehemaligen Wegert-Haus zu versagen?

Band: Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen. Ich glaube an unsere Chance, den Kiez vor dem kompletten Absturz zu retten. Die sozialen Auswirkungen sind schon jetzt für das Wohngebiet gravierend.

Morgenpost Online: Was gab es bislang im Gebiet für Probleme, und was haben Sie dagegen unternommen?

Band: In all den Jahren, in denen wir uns mit Quartiersmanagement, Gesundheitsamt und Freien Trägern um die Prostituierten und der häufig damit Hand in Hand gehenden Drogenproblematik kümmern, haben wir die Probleme zumeist schnell lösen können. So haben wir Sträucher zurück geschnitten, Tischtennisplatten und Bänke entfernt, um keine Örtlichkeiten für den schnellen Sex zu bieten. Um den Suchverkehr zu unterbinden, gibt es in vielen Nebenstraßen ein nächtliches Durchfahrverbot.

Morgenpost Online: Was hat das Fass jetzt zum Überlaufen gebracht, denn die Anwohner hatten sich mit der Situation doch eigentlich arrangiert?

Band: Wir haben es mit einer völlig neuen Dimension der Prostitution zu tun, mit aggressiven Anwerbeversuchen, Geschlechtsverkehr, der nach Hinweisen von Anwohnern ohne Rücksicht auf offener Straße und in Autos auch am hellen Tage vollzogen wird.

Morgenpost Online: Gibt es Alternativ-Standorte für solch ein Groß-Bordell im Bezirk?

Band: Nein, die stehen nicht zur Diskussion, da es speziell um dieses Haus geht.

Morgenpost Online: Haben die Frauen, die vor dem ehemaligen Wegert-Haus anschaffen gehen, überhaupt eine Arbeitserlaubnis?

Band: Bei vielen soll es sich ja um EU-Bürger beispielsweise aus Rumänien, Bulgarien oder Tschechien handeln. Sie reisen nicht selten einfach nur mit einem dreimonatigen Touristenvisum ein.

Morgenpost Online: Welche Auswirkungen hätte ein Großbordell?

Band: Wir haben in den letzten Jahren sehr viel Geld in die Hand genommen, um das Quartier zu stabilisieren. Diese Projekte von Quartiersmanagement und Wirtschaftsförderung sind auf einem guten Weg. Ein Großbordell würde den Standort abgleiten lassen.

Morgenpost Online: Wäre ein Sperrbezirk eine Lösung?

Band: Auch darüber werden wir in der Arbeitsgruppe reden. Bisher war es in Berlin nicht gewollt, bestimmte Gebiete für die Prostitution zu sperren – Straßenprostitution gibt es seit den 20er-Jahren, doch angesichts der massiven Probleme im Schöneberger Norden ist auch das für uns kein Tabu-Thema mehr.