Das Netzwerk Schulwegsicherheit Steglitz-Zehlendorf fordert die Wiedereinführung von Tempo 30 in der Albrechtstraße. Derzeit läuft eine Unterschriftensammlung für einen Einwohnerantrag des Netzwerks. Hintergrund ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr. Konkret geht es um die Geschwindigkeitsreduzierung zwischen Robert-Lück-Straße und Neue Filandastraße.

Die Senatsverkehrsverwaltung hat die Anordnung von Tempo 30 mit dem Zusatzschild „22 Uhr bis 6 Uhr“ auf die Nachtzeit reduziert, sodass tagsüber wieder Tempo 50 gefahren werden kann. Begründet wurde das mit einer geringen Anzahl von Schülern in diesem Bereich. So sollen bei einer Zählung, die die Senatsverwaltung für Verkehr in Auftrag gegeben hatte, nur 25 Schülerinnen und Schüler im Bereich der Albrechtstraße unterwegs gewesen sein. Allein am Gymnasium Steglitz lernen etwa 800 Schüler, an der Grundschule an der Plantagenstraße sind es 300.

Netzwerk Schulwegsicherheit hat eigene Zahlen erhoben

Das Netzwerk Schulwegsicherheit zweifelte daher an der Glaubwürdigkeit der Erhebung, die an einem Morgen im Mai von 7.30 Uhr bis 8.20 Uhr stattfand, und hat eine eigene vorgenommen. Wie Melanie Hartung, Expertin für Mobilität beim BUND und Mitglied im Netzwerk mitteilt, seien beim Nachzählen in der Steglitzer Albrechtstraße fast 40 Mal so viele Schulkinder unterwegs gewesen. Am Freitag, 28. November, waren in der Zeit zwischen 7.30 Uhr und 8.15 Uhr insgesamt 943 Schülerinnen und Schüler auf dem Weg.

Tempo 30 in der Albrechtstraße, Steglitz, Forderung Netzwerk Schulwegsicherheit
An vier Punkten haben die Ehrenamtlichen des Netzwerks gezählt.© Netzwerk Schulwegsicherheit | Netzwerk Schulwegsicherheit

An vier Punkten des Straßenzugs hatten die Ehrenamtlichen gestanden und die Kinder und Jugendlichen erfasst, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad entlang der Albrechtstraße unterwegs waren oder sie querten. Die meisten waren in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Rathaus Steglitz, an der Ecke Robert-Lück-Straße, registriert worden.

„Die Steglitzer Albrechtstraße ist ein hochfrequentierter Schulweg. Die politisch motivierte Aufhebung von Tempo 30 dort durch die Senatsverkehrsverwaltung auf Basis äußerst fragwürdiger Zahlen ist ein grober Fehler gewesen“, erklärt Melanie Hartung. Die Senatsverwaltung müsse unverzüglich wieder Tempo 30 anordnen, um den Schutz von Hunderten Schülerinnen und Schülern zu gewährleisten.

Bezirksstadtrat fordert die Überprüfung des Vorgangs

Urban Aykal (Grüne), Bezirksstadtrat für Straßen und Grünflächen, hat nach eigener Auskunft „in einem persönlichen Gespräch mit dem Verkehrsstaatssekretär am 17. Oktober 2025 eindringlich darum gebeten, den Vorgang noch einmal prüfen zu lassen, und angeboten, mich mit ihm kurz vor Schulbeginn vor Ort in der Albrechtstraße zu treffen“.

Wenn es um hochfrequentierte Schulwege gehe, so der Stadtrat, sei die Albrechtstraße sicherlich ganz weit oben an der Spitze. Denn die Schülerinnen und Schüler sowohl der Grundschule als auch des Gymnasiums, an dem die Kinder bereits ab der 5. Klasse beschult werden und zum Teil mit der S-Bahn zur Station Rathaus Steglitz kommen, queren die Albrechtstraße in diesem Bereich.

Neue Zahlen sind eine wichtige Botschaft

„Die Zahlen des Netzwerks Schulwegsicherheit sind für mich keine Überraschung und gleichzeitig eine sehr wichtige Botschaft in Richtung Senat, die Anordnung noch mal zu bedenken und idealerweise bei der ursprünglichen Variante zu bleiben: ganztägig und nicht nur nachts“, erklärt Aykal auf Anfrage der Morgenpost. 

Das Netzwerk Schulwegsicherheit Steglitz-Zehlendorf ist ein Zusammenschluss von Eltern vieler Schulen im Bezirk, die in den dortigen Gremien für Verkehrssicherheit die Schulen bei der Schulwegsicherheit unterstützen. Es gehört als Arbeitsgruppe zum Bezirkselternausschuss.