Dörfer bildeten im mittelalterlichen Deutschland das Zentrum des ländlichen Lebens und zeichneten sich durch eine enge, teils familiäre Gemeinschaft aus. Umgeben von Feldern und Wäldern, die den Alltag prägten, bestanden sie aus einfachen Holzhäusern mit Strohdächern. Die Mehrheit der Bewohnerinnen und Bewohner waren Bauern, die ihren Lebensunterhalt mit Ackerbau und Viehzucht sicherten.

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In jener Zeit stellte fast jede Familie ihre Stoffe selbst her – ein mühsamer Prozess, der großes handwerkliches Geschick verlangte. Zunächst wurden die Fasern gesponnen, bevor sie auf einfachen, horizontalen Webstühlen zu Stoff verarbeitet wurden. Diese Technik blieb bis zum 12. Jahrhundert verbreitet. Archäologinnen und Archäologen haben nun aus genau dieser Epoche einen faszinierenden Fund gemacht.

Deutschland: Archäologen finden faszinierende Spuren von Webstühlen in Grubenhaus

In Sachsen-Anhalt entdeckten Forscher die Überreste einer untergegangenen mittelalterlichen Siedlung. Die Archäologen fanden an dem Ausgrabungsort in der Nähe der Stadt Haldensleben (Landkreis Börde) außerdem Spuren aus der Bronze- und Eisenzeit.

„Von besonderer Bedeutung ist ein größeres Grubenhaus, in dem über Standspuren von Webstühlen und zahlreiche Webgewichte und Spinnwirtel Textilherstellung nachgewiesen ist. Derartige Webhäuser sind charakteristisch für Vorburgareale herrschaftlicher Zentralorte dieser Zeit“, sagte Gebietsreferatsleiter Nord, Götz Alper. Die Siedlung Niendorf existierte bereits im 9. und 10. Jahrhundert, wie Funde zeigten.

Archäologische Siedlungsbefunde in Haldensleben
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt führen Ausgrabungsarbeiten durch. (Archivbild)© DPA Images | Jens Wolf

Ofenanlage zeugt von fortschrittlichem Technik-Wissen: Forscher verblüfft

Niendorf wird in schriftlichen Quellen erstmals zu Beginn des 11. Jahrhunderts unter dem Namen „Niendorp“ erwähnt. Archäologische Funde belegen, dass auf dem Gelände zwölf Grubenhäuser sowie zahlreiche Pfostengruben existierten. Neben ebenerdigen Gebäuden wurden auch Herdstellen und Überreste aufwendig gebauter Steinspeicheröfen entdeckt. Diese fortschrittlichen Ofenanlagen ermöglichten eine rauchfreie Beheizung der Wohnräume.

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Ein Gebäude verfügte über einen Keller in Steinbauweise. Zudem wurden drei Brunnen nachgewiesen. In einem Brunnen existierte eine fünfeckige Holzkonstruktion, in der getrennt durch eine Steinpackung ein runder Flechtwerkeinbau saß. Die innere Konstruktion diente wahrscheinlich der Wasserreinigung. Die Archäologen fanden zudem Kugeltöpfe aus Keramik, eiserne Messer, Bronzebeschläge, einen verzierten Knochenkamm sowie Nadeln.

Die Burg neben der Siedlung wurde bereits 2010 ausgegraben. Die Bauzeit der Burg wurde durch eine Analyse des verwendeten Holzes auf einen Zeitraum zwischen 1076 und 1078 datiert. Aus schriftlichen Quellen geht hervor, dass wahrscheinlich Gräfin Gertrud von Haldensleben die Burg infolge des sogenannten Sachsenaufstands gegen das salische Königshaus erbauen ließ.

os/dpa