Die „Studis gegen Rechts“ machen an Hochschulen in ganz Deutschland von sich Reden: Mit Protestaktionen in und außerhalb der Universitäten wollen die Studenten gegen Rechtsextremismus mobil machen. In Berlin ruft die Initiative diese Woche zu studentischen Vollversammlungen auf, also einer Zusammenkunft aller Studierender. Am Dienstagabend kamen 1200 auf einer Liste erfasste Studierende und geschätzt 200 Externe ins Audimax der Freien Universität im Henry-Ford-Bau

Die „Studis gegen Rechts“ sind noch eine junge Bewegung. Erst im vergangenen Winter hatten sich die ersten Ortsgruppen in Deutschland gegründet, nachdem Hunderttausende gegen die AfD auf die Straße gegangen waren. Die Initiative will gegen den Rechtsruck ankämpfen. Sie steht dem Studierendenverband SDS der Linkspartei nahe, versteht sich selbst aber als überparteilich. 

In Berlin-Neukölln will die Bewegung den Linken-Politiker Kocak im Wahlkampf unterstützen

Der Linken-Politiker Ferat Koçak setzt jedoch auf die Unterstützung der „Studis gegen Rechts“. Zurzeit sitzt Koçak im Berliner Abgeordnetenhaus. Bei den Wahlen im Februar will er als Direktkandidat im Wahlkreis Berlin-Neukölln Bundestag um den Einzug in den Bundestag kämpfen. Die „Studis gegen Rechts“ planen, ihn im Wahlkampf zu unterstützen, indem sie koordiniert an Haustüren klingeln und mit den Kiezbewohnern ins Gespräch kommen.

Das erfolgreiche Vorbild dafür kommt aus Leipzig: Im Sommer gewann dort ein Linken-Politiker bei den Landtagswahlen ein Direktmandat und verhinderte so eine Sperrminorität der AfD im sächsischen Landtag. Als wichtiger Teil seiner Kampagne galt die Unterstützung der „Studis gegen Rechts“ im Haustürwahlkampf, auch Mitglieder der Berliner Ortsgruppe reisten extra dafür an.

Von der größten Studentenbewegung seit den 68-ern ist die Rede

Bei der Vollversammlung am Dienstagabend in der Freien Universität ist Ferat Koçak als Redner eingeladen: „Es gibt mir und anderen Betroffenen rechter Gewalt extreme Kraft, dass sich mit den ‚Studis gegen Rechts‘ so viele Antifaschist:innen organisieren“, sagte Koçak: „Das ist die größte Studentenbewegung in Deutschland seit den 68-ern.“

Auf der Vollversammlung wurde auch über konkrete Beschlüsse abgestimmt. Die Mehrheit der anwesenden Studierenden unterstützte die Forderungen der „Studis gegen Rechts“: Die Universität solle etwa gegen rechtsextreme Lehrinhalte aktiv werden und die Anzeigen gegen Aktivisten fallen lassen, die im letzten Jahr einen FU-Hörsaal besetzten. Manche Studenten brachten eigene politische Forderungen, so stimmte etwa die Mehrheit der Studierenden für einen Stopp der Waffenlieferung an die Türkei. Bindend sind all diese Beschlüsse nicht. Trotzdem sollen sie vom Asta an die Uni-Leitung weitergegeben werden.

Vollversammlungen an der TU und der HU sollen folgen

Die Organisatoren zeigten sich mit der ersten Vollversammlung in Berlin zufrieden: „Beschlussfähig oder nicht, heute waren über Tausend Menschen da. Das zeigt, wie viele Studierende sich gerade bedroht fühlen und den Kampf gegen Rechts selbst in die Hand nehmen wollen“, erklärte Nia, die selbst an der FU studiert und sich seit Anfang des Jahres bei den „Studis gegen Rechts“ engagiert. Die Bewegung soll weiter wachsen. Die nächsten Vollversammlungen finden am Donnerstag in der Humboldt-Universität und in der Technischen Universität statt.