Wärmeversorgung

Neues Kraftwerk in Lichterfelde ist am Netz

Nach fünfjähriger Bauzeit hat Vattenfall das moderne Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk in Lichterfelde in Betrieb genommen.

Die Tage der drei Schornsteine des alten Kraftwerks in Lichterfelde sind gezählt: Sie sollen abgerissen werden.

Die Tage der drei Schornsteine des alten Kraftwerks in Lichterfelde sind gezählt: Sie sollen abgerissen werden.

Foto: Vattenfall

Berlin.  Vor fünf Jahren wurde der Grundstein für das neue Kraftwerk in Lichterfelde noch mit einem großen Fest und viel Prominenz gefeiert. Der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit war dabei, auch der Deutschland-Chef von Vattenfall.

Die jetzige Inbetriebnahme des modernen Gas- und Dampfturbinen-Heizwerks verlief im Gegensatz dazu völlig geräuschlos. Ja, die neue Anlage sei am Netz, bestätigte Vattenfall-Sprecherin Julia Klausch. Es sei ein fließender Übergang gewesen, doch jetzt habe das neue Kraftwerk die Versorgung übernommen.

Neues Kraftwerk: Schornsteine werden abgerissen

Damit sind auch die Tage der drei markanten Schornsteine gezählt, die seit Jahrzehnten das Stadtbild prägen und zum Ufer des Teltowkanals gehören wie der Fernsehturm zum Alexanderplatz. „Sie werden auf jeden Fall zurückgebaut“, bestätigt Julia Klausch. Wann genau der Abriss erfolgen solle, könne sie noch nicht sagen.

Probeläufe im Februar und April

Im Januar 2019 hatte Vattenfall die Bundesnetzagentur darüber informiert, dass im Februar ein Probebetrieb für das neue Heizkraftwerk starten sollte. „Der erweiterte Erprobungsbetrieb hatte zum Ziel, die Funktionsweise der Anlage weiter zu optimieren und deren Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb sicherzustellen“, so die Vattenfall-Sprecherin.

Die moderne Anlage sollte ihre flexible Fahrweise voll entfalten, damit sie dem jeweiligen Strom- und Wärmebedarf gerecht werden kann. Am 16. April 2019 sei die Inbetriebnahmebescheinigung für die Kesselanlage ausgehändigt worden. „Mit dieser Bescheinigung ist der erweiterte Erprobungsbetrieb abgeschlossen und die Gas- und Dampfturbinenanlage für den bestimmungsgemäßen Dauerbetrieb freigegeben“, sagt Klausch.

Kraftwerk in Lichterfelde: Immer wieder Verzögerungen

Drei Mal musste die Inbetriebnahme des neuen Heizkraftwerks verschoben werden. Ursprünglich sollte der Neubau am Barnackufer 2016 ans Netz gehen. Dann hieß es 2017, mit der Begründung, dass zuerst der Anwohnerschutz gewährleistet sein müsse. 2018 war der nächste avisierte Termin, der auch abgesagt werden musste, weil es Schwierigkeiten mit der Baustellenlogistik mitten in dem Wohngebiet gab. Den dritten Aufschub forderte ein technisches Problem – ein Defekt in einem Hochdruckteil der Dampfturbine.

Versorgung von 100.000 Haushalten

Seit den 1970er-Jahren versorgte das alte Kraftwerk am Teltowkanal den Südwesten. Jetzt hat es seinen Dienst getan. Die neue Anlage erzeugt 230 Megawatt Fernwärme und 300 Megawatt Strom und wird damit 100.000 Haushalte in Steglitz-Zehlendorf versorgen.

Der Ausstoß von Kohlendioxid wird im Vergleich zu der alten Anlage um 170.000 Tonnen reduziert. Außerdem kann die Anlage direkt auf die sich ändernde Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie reagieren.