Arbeiten verzögern sich

Neues Heizkraftwerk in Lichterfelde geht erst 2018 ans Netz

Ursprünglich sollte die Inbetriebnahme schon 2016 erfolgen. Doch Probleme auf der Baustelle führen zu der Verzögerung.

Das Kraftwerk in Lichterfelde bleibt noch etwas länger stehen, weil sich der Bau des Neuen Heizkraftwerks verzögert (Archiv)

Das Kraftwerk in Lichterfelde bleibt noch etwas länger stehen, weil sich der Bau des Neuen Heizkraftwerks verzögert (Archiv)

Foto: imago stock / imago/Jürgen Ritter

Seit mehr als 40 Jahren gehören die drei Schornsteine des Kraftwerkes Lichterfelde zur Skyline von Steglitz-Zehlendorf wie der Kreisel und der Bierpinsel. Im Mai 2014 wurde am Barnackufer der Grundstein für ein neues Heizkraftwerk gelegt – das alte hatte seinen Dienst getan und sollte bereits 2016 ersetzt werden.

Nach der Inbetriebnahme sollten auch die drei Schornsteine, die an einen Ozeandampfer erinnern, abgerissen werden. Doch jetzt sind sie immer noch da. Erst sollte der Neubau 2017 ans Netz gehen, jetzt heißt es bei Vattenfall: „Die kommerzielle Inbetriebnahme des neuen Heizkraftwerkes ist für November 2018 vorgesehen“, so Pressesprecherin Julia Klausch.

Erst Rückbau, dann Neubau

Grund für die zweijährige Verzögerung ist nach Aussage der Vattenfall-Sprecherin die Baustellenlogistik inmitten eines Wohngebietes. Das neue Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk entsteht direkt neben der alten Anlage am Teltowkanal. „Eine Erweiterung des Kraftwerksgrundstückes zur Errichtung der Neuanlage war ausgeschlossen“, sagt Julia Klausch.

Erst der Rückbau nicht mehr benötigter Gebäudeteile habe es überhaupt ermöglicht, das moderne Heizkraftwerk auf dem vorhandenen Betriebsgelände zu errichten. Trotzdem bleibe das Baufeld immer noch extrem beengt.

Enge Platzverhältnisse bereiten Probleme

Dieser Umstand stellt die Baustellenlogistik immer wieder vor Überraschungen und Herausforderungen. Baumaßnahmen, die an anderer Stelle parallel stattfänden, könnten an diesem Standort nur zeitlich nacheinander durchgeführt werden, weil die engen Platzverhältnisse etwas anderes nicht zulassen, so die Vattenfall-Sprecherin. Der Bau der neuen Anlage während des Parallelbetriebes der Altanlage stelle zudem eine weitere Herausforderung für alle Beteiligten dar. Anders als ein Neubau „auf grüner Wiese“ mache dieser Umstand Abstimmungen erforderlich, die sonst entfallen.

„All dies kostet wertvolle Zeit, die sich über die Jahre zu einer nicht unerheblichen zeitlichen Verzögerung addiert haben“, sagt Julia Klausch. Die Versorgung der Berliner sei aber auch weiterhin zu jedem Zeitpunkt gesichert. Die Altanlage bleibe so lange in Betrieb, bis das neue Heizkraftwerk seinen Dauerbetrieb nach der Fertigstellung aufnehmen wird.

Neue Heißwassererzeuger sind bereits fertig

Dennoch kann Vattenfall bereits von Fortschritten am Lichterfelder Standort berichten: So schreitet die Fertigstellung der neuen Gas- und Dampfturbinen-Anlage stetig voran. Die Errichtung der neuen Heißwassererzeuger ist abgeschlossen. Sie werden schon in dieser Heizperiode vor allem zur Abdeckung der Spitzenlast eingesetzt.

Eine Besonderheit auf der Baustelle, die ebenfalls zu der Verzögerung führte, sind die engen Grenzen, die in Bezug auf Arbeitszeiten und Lärmemissionen inmitten des Wohngebietes gesetzt werden. Dabei spielt der Anwohnerschutz die entscheidende Rolle.

100.000 Haushalte soll das neue Kraftwerk versorgen

Das neue Kraftwerk, das von Vattenfall gebaut wird, soll bis zu 230 Megawatt Fernwärme und 300 Megawatt Strom erzeugen und damit 100.000 Haushalte im Berliner Südwesten versorgen. Zum Einsatz kommt die umweltfreundliche Dampf- und Gasturbinentechnik, die im Vergleich zur alten Anlage jährlich etwa 170.000 Tonnen Kohlendioxid einspart. Zugleich kann das neue Heizkraftwerk rasch auf sich ändernde Einspeisungen von Wind- und Sonnenstrom reagieren und so eine Integration der erneuerbaren Energien in den Erzeugungsmix erleichtern.

Vattenfall investiert nach eigenen Angaben mehrere Hundert Millionen Euro am Standort Lichterfelde und sichert so weiterhin die Wärme- und Stromversorgung der Hauptstadt. Das neue Kraftwerk sorgt jedoch nicht nur für Wärme, Energie und Arbeitsplätze, es leistet auch einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende.

„Der Ersatz der bestehenden Anlage in Lichterfelde durch ein modernes, umweltfreundliches Heizkraftwerk ist ein entscheidender Meilenstein zum Erreichen der Klimaziele Berlins“, hatte Tuomo Hatakka, Deutschlandchef von Vattenfall, zur Grundsteinlegung vor drei Jahren gesagt. Es sei ein weiterer wichtiger Schritt zur Erfüllung der CO2-Minderungszusagen aus der Klimaschutzvereinbarung. Ziel der im Oktober 2009 zwischen dem Berliner Senat und Vattenfall geschlossenen Vereinbarung ist eine Halbierung der CO2-Emissionen bis 2020.

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