Neubau

So sollen die Wohnungen im Steglitzer Kreisel aussehen

Im Steglitzer Kreisel sind die ersten beiden Musterwohnungen fertig. In dem Hochhaus entstehen 330 Eigentumswohnungen.

Der Kreisel beherbergte das Rathaus von Steglitz. Bald sollen dort über 300 Wohnungen entstehen. Dies sind die Planungen aus dem Jahr 2017.

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Berlin. Ein letzter Aufzug, mit dem bis 2007 Bezirksamtsmitarbeiter in ihre Büros fuhren, funktioniert noch. Zügig geht es bis in die 13. Etage. Oben weht ein kräftiger Wind durch das entkernte Hochhaus, die Stadtgeräusche sind nur noch gedämpft zu hören. Bauzäune sichern den Weg, der nun nicht mehr in verwinkelte Wartebereiche und Amtsstuben führt, sondern in die ersten Musterwohnungen. Schreibtisch, Aktenschrank und Bürostuhl sind Vergangenheit, jetzt steht ein kleiner Glastisch vor der Sofaecke, eine lange Holztafel ergänzt die Küchenzeile. Vom Bett aus ist der Teufelsberg zu sehen, der Botanische Garten liegt direkt zu Füßen.

Jetzt wird es konkret: Der Ausbau des Steglitzer Kreisels zum neuen Wohnhochhaus „ÜBerlin“ hat begonnen. Die ersten beiden Musterwohnungen sind fertig und wurden am Mittwoch öffentlich präsentiert.

Die ersten Wohnungen sind Ende 2021 fertig

Insgesamt 330 Eigentumswohnungen entstehen derzeit in dem ehemaligen Sitz der Steglitz-Zehlendorfer Verwaltung. Sie sind zwischen 30 und 300 Quadratmeter groß. 190 Millionen Euro investiert die CG-Gruppe als Eigentümer und Bauherr in den Umbau.

Die ersten Wohnungen sollen nach Auskunft von Vorstand Jürgen Kutz Ende 2021 fertig sein. Die Quadratmeterpreise beginnen bei 4800 Euro und liegen im Mittel zwischen 7800 und 8500 Euro. Je höher desto teurer. Die preiswerteste Wohnung ist 30 Quadratmeter groß und kostet 148.000 Euro. Der Rohbau ist so gut wie abgeschlossen. Als nächstes wird die neue Fassade eingebracht, dann folgt der Innenausbau.

13. Etage gibt es eigentlich nicht

Dass die beiden Musterwohnungen in der 13. Etage entstanden sind, „der Etage, die es eigentlich nicht gibt“, so Jürgen Kutz, hat allein bautechnische Gründe. Es hängt mit der Entkernung zusammen, die in der Mitte als erstes komplett abgeschlossen war. Der Blick aus dieser Höhe geht weit in die Ferne, sogar das Dach des Olympiastadions blitzt durch das Grün durch. In der einen Wohnung Richtung Osten (zwei Zimmer, 61 Quadratmeter, 470.000 Euro) sind zwei Stahlträger im neuen Wohnbereich integriert. Sie erinnern an die frühere Nutzung.

Besondere Herausforderungen beim Umbau

Die Umnutzung eines Bürohochhauses in ein Wohnhaus sei eine besondere Herausforderung, so Kutz. Nicht jedes Gebäude würde sich dafür eignen. Heute gebe es andere Maßstäbe für Statik, Brandschutz und Windkraft. Die alte Stahlskelett-Konstruktion bot jedoch gute Voraussetzungen für den Umbau. Nur im vierten Obergeschoss, im so genannten Abfanggeschoss, muss die Stahlkonstruktion verstärkt werden. Dazu werden vier Meter hohe Platten eingesetzt und aufgeschweißt. Mit dieser Verstärkung ist das Gebäude in der Lage, zusätzliche Lasten aufzunehmen, die zum Beispiel durch den Anbau der Balkone und Erker oder durch den Einbau der Fußböden und Trittschalldämmung entstehen. Auch die neue Fassade sei schwerer als die alte, so Kutz.

Fenster gehen nur zu Balkonen auf

Die zweite Musterwohnung, die in der 13. Etage entstanden ist, aber später in der 22. Etage eingebaut wird, hat 2,5 Zimmer, 81 Quadratmeter (782.000 Euro). Die Säulen der Stahlskelett-Konstruktion sind dort in den Wänden verschwunden. Die Wohnung ist nach Westen ausgerichtet, so dass die Abendsonne durch die bodentiefen Fenster fällt.

Die Fenster können künftig nur zu den Balkonen und Erkern geöffnet werden. Ab der 22. Etage wird eine Klimaanlage eingebaut, darunter muss sie als Sonderwunsch extra bezahlt werden. „Alle Wohnungen verfügen aber über eine mechanische Belüftung“, so Kutz. Zudem werde eine Fußbodenheizung eingebaut, die im Sommer kühlen kann. Die Betriebskosten, in denen auch ein 24-Stunden-Concierge enthalten ist, werden derzeit mit 5,90 Euro pro Quadratmeter kalkuliert.

Viele Berliner Interessenten

Das Verkaufsbüro, das in den ehemaligen Räumen einer Autovermietung an der Schloßstraße 80 entstanden ist, hat bereits einige Wochen geöffnet. „Knapp 100 Wohnungen sind verkauft“, sagt Lars Kittelmann, Senior Manager bei der Real Estate Vertriebs GmbH, die zur CG-Gruppe gehört. 80 Prozent der Interessenten kämen aus Deutschland. Davon seien wiederum 60 Prozent Berliner. „Wir haben vor allem aus dem unmittelbaren Umfeld sehr großen Zuspruch“, sagt Kittelmann. So habe sich zum Beispiel eine ältere Dame, die in Zehlendorf eine große Wohnung hat, für ein Apartment interessiert, um sich zu verkleinern. Die meisten ausländischen Käufer kämen hingegen aus dem asiatischem Raum.

Zwei Penthouse-Wohnungen auf dem Dach

Der Steglitzer Kreisel ist 120 Meter hoch und hat 30 Etagen. Der Wohnturm umfasst 27 Etagen, die restlichen drei Etagen befinden sich im Sockelgeschoss. Insgesamt bietet das Gebäude eine Gesamtgeschossfläche von 880 Quadratmetern. Auf jeder Etage entstehen Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Von der vierten bis zur 21. Etage liegen zwölf Wohnungen auf einer Etage, darüber acht Wohnungen und oben sechs Wohnungen. Unter dem Dach werden zwei Penthouse-Wohnungen eingebaut. Im Innenhof ist ein kleiner Park und ein Spielplatz für die Bewohner geplant. Wer im Sockelgeschoss eine Wohnung kauft, hat eine eigene kleine Terrasse oder einen kleinen Garten dazu.

Mehr als zehn Jahre Leerstand

Seit 2007 stand das Hochhaus an der Steglitzer Schloßstraße leer. Von 1968 bis 1980 wurde es im Stil der Moderne erbaut. Schon kurz nach dem Einzug der Bezirksverwaltung wurde Asbest entdeckt. Nach anfänglichen Sanierungen musste das Haus schließlich wegen der Schadstoffbelastung geschlossen werden. Für die CG-Gruppe soll der Kreisel ein Leuchtturm-Projekt werden. Das ist bereits jeden Abend an der Lichtinstallation zu sehen. Jede zweite Etage ist nachts angestrahlt. Lichtdesigner Andreas Boehlke wird ein Beleuchtungskonzept entwickeln, mit dem der Kreisel im Herbst beim Lichterfestivals „Berlin leuchtet“ dabei sein wird.