Es gibt Tage, an denen ist kein Durchkommen mehr auf der Schloßstraße in Steglitz. Auf den Bürgersteigen schieben sich dann die Menschen mit riesigen Tüten von Einkaufscenter zu Einkaufscenter. Weiter, weiter, anhalten ist nicht. Gibt sowieso keine Bank zum Sitzen. Vier große Center, 200.000 Quadratmeter Verkaufsfläche in der Schloßstraße. Händler sagen einstimmig: Damit ist die Straße am Limit.
Es gibt alles, was die großen Ketten zu bieten haben – und das gleich mehrfach in der Straße. Was es nicht oder zu wenig gibt: Orte zum Anhalten, zum Ausruhen, zum Entdecken. Bei einer Umfrage unter Anliegern und Anwohnern fällt immer wieder ein Wort: Aufenthaltsqualität. Ein bürokratisches Wort für etwas, was in der Schloßstraße Mangelware ist.
Schloßstraße "beliebig" und "austauschbar"
Der Hermann-Ehlers-Platz? Ein unwirtlicher, schmutziger Ort, der nur an Markttagen auflebt. Der Walther-Schreiber-Platz? Eine wirre Verkehrskreuzung. Und dazwischen? Zwei, drei Cafés, Imbissbuden. Wer eine Pause braucht, ist gut beraten in die Seitenstraßen einzubiegen, wo nach und nach neue kleine Läden aufmachen, die unverwechselbar sind und wo Zeit, Ruhe und Ambiente zählen.
Die Mieten in der Schloßstraße können sie nicht zahlen, dabei wären sie genau dort richtig. So bleibt die Schloßstraße „austauschbar“, wie Hoteldirektor Alexander Stolle sagt. „Beliebig“ nennen sie andere. Doch die Schloßstraße kann mehr als Einkaufen. Vor allem nach 19 Uhr. Daran muss die Straße arbeiten, wenn sie sich fit für die Zukunft machen will.



