Rosa Loy steht zwischen ihren großformatigen Bildern im Gutshaus Steglitz. Sie wirkt klein und zerbrechlich, so ganz in Schwarz gekleidet, umgeben von kräftigen Rot- und Blautönen an den Wänden. "Was für ein fantastischer Ort", schwärmt die Malerin. Die Räume hätten schöne Proportionen, hier könne man durchatmen. Im Gutshaus Steglitz beginnt mit der Ausstellung der Hauptvertreterin der sogenannten Neuen Leipziger Schule ein neues Kapitel. Von diesem Jahr an ist das frühklassizistische Haus ein Zentrum für moderne Malerei.
Damit haben sich auch die Zuständigkeiten für das Gutshaus an der Schloßstraße 48 geändert. War vorher das Büro der Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf dafür verantwortlich, Ausstellunganfragen zu bearbeiten, so ist es jetzt der Fachbereich Kultur, der gezielt Künstler einlädt. "Im Gutshaus Steglitz soll künftig der Schwerpunkt auf der Malerei des 21. Jahrhunderts liegen", sagt Kulturamtsleiterin Brigitte Hausmann. Damit gebe sie dem Haus ein klares Profil. Im ersten Jahr, also 2019, plane sie vier Ausstellungen, zu jeder werde in Zusammenarbeit mit einem Verlag ein Katalog erscheinen.
Wrangelschlösschen ist ehemaliges Wohnhaus
Das Gutshaus Steglitz, auch Wrangelschlösschen genannt, ist keine Museumsstätte sondern ein ehemaliges Wohnhaus mit den Originalfarben aus der Erbauungszeit an den Wänden. Das Herrenhaus war 1804 bezugsfertig, erster Bewohner war Carl Friedrich von Beyme, der spätere Justizminister von Friedrich Wilhelm III. Das Wechselspiel zwischen der zeitgenössischen Kunst und der Zeit um 1800 fände sie in seiner Gesamtästhetik besonders reizvoll, sagt Hausmann. Sie wolle in dem Haus Projekte realisieren, die sich konkret auf die Räume beziehen.
Den Anfang der neuen Ära im Gutshaus macht Rosa Loy mit ihrer Ausstellung "Der Tag". Die Malerin hat die Rolle der Frauen zu ihrem Thema gemacht. "Nach der Ablösung des Patriarchats brauchen wir alle weiblichen Kräfte", sagt die Künstlerin. Der weibliche Blick sei notwendig in der Gesellschaft. "Wir können es uns nicht mehr leisten, darauf zu verzichten", so Loy. In der Ausstellung im Gutshaus zeigt die Künstlerin 25 Gemälde und zehn Papierarbeiten aus den vergangenen zehn Jahren. Darunter sind eine Reihe Großformate sowie auch erstmals präsentierte neue Werke. Rosa Loy lebt in Leipzig. In Berlin sei es ihre erste Ausstellung in öffentlichen Räumen, zuvor habe sie hier vor allem in Galerien ausgestellt, erzählt sie. Die Künstlerin kann auf zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen verweisen, darunter in der Villa Schöningen in Potsdam, im Kunstraum Innsbruck und in der Kunsthalle Gießen. Gemeinsam mit Neo Rauch hat Rosa Loy die Neuinszenierung des "Lohengrin" auf den Bayreuther Festspielen 2018 ausgestattet.
Rosa Loy "Der Tag", Gutshaus Steglitz, Schloßstraße 48, 18. Januar bis 31. März, Täglich 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei


