Schulstandort

Anwohner fordern neue Schule am Osteweg

12.000 neue Bewohner sind in das Quartier in Lichterfelde gezogen. Sie brauchen Schulplätze. Der Senat plant eine Flüchtlingsunterkunft.

Diese Modulare Unterkunft für Flüchtlinge (MUF) steht im Märkischen Viertel

Diese Modulare Unterkunft für Flüchtlinge (MUF) steht im Märkischen Viertel

Foto: Britta Pedersen / picture alliance/dpa

Berlin. Bereits 2008 waren die Pläne für eine neue Schule und eine Sporthalle am Osteweg 53 und 63 in Lichterfelde gemacht. Architekt Martin Kreienbaum hatte mit seinem Entwurf überzeugt. Hochgelobt, wurde der aber nie umgesetzt, weil die Finanzkrise dazwischen kam und die Pläne gestoppt wurden. Kreienbaum ist aber noch heute davon überzeugt: „Der Standort eignet sich hervorragend für eine Schule.“ Für eine Podiumsdiskussion, die die Bürgerinitiative „Sport- und Schulstandort Osteweg“ kürzlich in der kleinen Mavuno-Kirche an der Billy-Wilder-Promenade organisiert hatte, war der Architekt extra aus Hamburg angereist, um noch einmal seine Entwürfe zu präsentieren. Doch auch diesmal werden sie wohl nicht realisiert.

Am Osteweg soll eine Modulare Flüchtlingsunterkunft (MUF) entstehen. Bislang hieß es immer für 500 Menschen. Doch die erste Überraschung des Abends war, dass jetzt nur noch 217 Plätze geplant sind. Das hat die Senatsverwaltung für Finanzen die Bürgerinitiative in einem Schreiben wissen lassen. Eva Henkel, Pressesprecherin der Senatsfinanzverwaltung, begründet die Zahl mit einer neuen Form der Unterkünfte. „Bei den derzeit umzusetzenden MUF-Standorten handelt es sich nicht um übliche Gemeinschaftsunterkünfte, sondern um eine integrative Wohnform“, sagt Henkel auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Die seien konzeptionell zwischen einer Gemeinschaftsunterkunft und der eigenen Wohnung angelegt. Darin gäbe es weitestgehend Wohnungsstrukturen, die insbesondere für Familien sowie Geflüchtete in Arbeit, Ausbildung oder Fördermaßnahmen vorgesehen sind. „Wenngleich auch für diesen Personenkreis weiterhin soziale Beratung sowie eine Vernetzung mit Integrationsangeboten wichtig sind, so ist doch der Betreuungsaufwand geringer, was sich wiederum in einem geringeren Gemeinflächenbedarf auswirkt“, sagt Henkel.

Es gibt genug Wohnungen, aber keine ausreichende Infrastruktur

Zu den Umsetzungen der Pläne kann Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, konkrete Aussagen machen. „Für den Osteweg ist der Baubeginn im Frühjahr 2020 geplant“, so Rohland. Zur Zeit fänden dort vertiefte Grundstücksuntersuchungen statt.
Der Bezirk hat den Standort für eine Schule reserviert und das auch den Senat wissen lassen. Mehr als 4000 neue Wohnungen sind zwischen Osteweg, Dahlemer Weg und Goerzallee in den vergangen Jahren entstanden, etwa 12.000 Bewohner kamen in dem Quartier dazu. Der einhellige Tenor daher auch auf der abendlichen Podiumsdiskussion: „Wohnungen haben wir genug, was wir brauchen, ist eine Infrastruktur.“ In den Kitas im näheren Umfeld sei erst wieder eine Anmeldung ab 2020 möglich, berichten Betroffene. Es fehlen vor allem Schulplätze in den Klassen sieben bis zehn.

Dass eine Schule und eine Sporthalle an diesem Standort gebraucht werden: Darin war sich auch das Podium – Bezirkspolitiker und Mitglieder des Abgeordnetenhauses aller Fraktionen – einig. Die Schülerzahlen werden in den kommenden Jahren in Steglitz-Zehlendorf steigen, von heute 35.000 auf 37.500 im Jahr 2026. Eingeladen waren auch Vertreter von vier Senatsverwaltungen: Finanzen, Stadtentwicklung, Bildung und Sport. Aber alle hatten abgesagt. „Es ist bedauerlich, dass Matthias Kollatz nicht vertreten ist“, sagte Thomas Seerig (FDP), Mitglied des Abgeordnetenhauses, der mit auf dem Podium saß. Er sei schließlich nicht nur Finanzsenator, sondern auch gewählter Abgeordneter für Steglitz.

Aber das Ganze hat offenbar Prinzip. „Ich laufe beim Senat gegen Mauern“, beschwerte sich auch Susanne Mertens (Grüne), Kreisvorsitzende und schulpolitische Sprecherin. „Es gibt keine verlässlichen Daten, mit denen wir agieren können“, so Mertens. Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) betonte noch einmal, „sofort interveniert zu haben“, weil es der falsche Standort für eine Flüchtlingsunterkunft sei. Ein Ersatzgrundstück, wie vom Senat gefordert, konnte sie aber auch nicht bieten. Am Ende richtete Carsten Knorr, Sprecher der Bürgerinitiative, noch einen Appell an das Podium: „Wir haben alle ein Interesse, den Schulstandort zu erhalten. Dabei sollten jetzt auch alle Parteien zusammenarbeiten.“

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