Berlin

Mehr Platz für die Schüler

Private Kant-Schulen eröffnet Bau 2019. Wo in Steglitz-Zehlendorf neue Schulen geplant sind

Der Rohbau an der Steglitzer Körnerstraße ist fast fertig. Parallel zur Stadtautobahn sind seit der Grundsteinlegung im September 2017 sechs Stockwerke für einen Neubau der Privaten Kant-Schulen aus dem Boden gewachsen. „Wir haben schon lange davon geträumt, mehr Platz und ein eigenes Veranstaltungsforum zu haben“, sagt der Geschäftsführende Direktor Andreas Wegener.

Auf dem Gelände entsteht in einem Teil ein Neubau für 600 Schüler der Klassen eins bis sechs der Internationalen Schule Berlin (ISB), die von dem alten Gebäude an der Körnerstraße in den Neubau ziehen. Dafür kann sich am benachbarten Standort die Kant-Oberschule ausweiten. In einem zweiten Teil ist das Kant-Schul-Forum geplant, zu dem unter anderen zwei Sporthallen, ein Veranstaltungssaal sowie Ausstellungs- und Begegnungsräume gehören. Das Forum soll allen Kant-Schülern offenstehen. In einem Monat werde der Innenausbau beginnen, so Wegener. Allein 500 Kilometer Kabel müssen verlegt werden. Im Jahr 2019 feiern die Kant-Schulen ihr 60-jähriges Bestehen. „Der Festakt soll auf jeden Fall in dem fertigen Neubau sein“, sagt der Direktor zu den Plänen.

Nicht jeder, der auf der anderen Straßenseite der Körnerstraße wohnt, ist glücklich über den Neubau. Obwohl die neue Schule eigentlich wie eine Schallschutzwand zur Stadtautobahn wirkt. Doch das ist offenbar nicht das Problem. „An das Geräusch der Stadtautobahn hat man sich nach zwei Tagen gewöhnt“, sagt eine Anwohnerin. Dann höre man weder die Autos noch die S-Bahn. Schlimmer sei, dass der schöne Blick ins Weite verbaut ist. Das habe man doch sehr genossen. Sorge bereite ihr auch, wie laut es eines Tages werde, wenn die Schule mit den vielen Kindern in Betrieb ist. Ein anderer Mieter, der im ersten Stock auf dem Balkon steht und sowieso keine gute Aussicht hatte, ist hingegen gelassen angesichts des Neubaus. Er finde es in Ordnung, dass gegenüber eine Schule entsteht, sagt der ältere Mann. Das sei wichtig und müsse nun mal sein.

Aber auch die öffentlichen Schulen in Steglitz-Zehlendorf werden ihre Kapazitäten erweitern. Neue Plätze für Grundschüler entstehen beispielsweise an der Plantagenstraße 8 in der früheren Schmitt-Ott-Schule.

Das haben die Bezirksverordneten in der jüngsten Sitzung beschlossen. Seit Jahren ist der Standort geschlossen und wurde als Ausweichquartier von anderen Schulen genutzt. Bis Ende Juli ist die Volkshochschule noch in dem Haus, weil der Standort an der Goethestraße saniert wird.

Neue Grundschulein der Plantagenstraße

Die neue Grundschule geht zum Schuljahr 2018/2019 an den Start, zunächst mit zwei ersten Klassen. Sie wird dann mit jedem Jahr weiter zweizügig aufwachsen. Bis eine eigene Leitung an der Plantagenschule eingesetzt werden kann, soll sie organisatorisch von einer benachbarten Grundschule mitgeführt werden.

Um den Schulbetrieb überhaupt aufnehmen zu können, muss das Gebäude in Teilen umgebaut werden. Für die ersten Arbeiten bis zur Eröffnung in drei Monaten stellt der Bezirk kurzfristig 500.000 Euro bereit. In den nächsten Jahren muss das Gebäude aber aufwendig saniert werden. Etwa 7,5 Millionen Euro werden die Gesamtkosten betragen, Baubeginn soll 2020 sein.

Geplant ist ebenfalls der Neubau einer Schule und einer Sporthalle am Osteweg in Lichterfelde. Dafür hat sich der Bezirk bereits das Grundstück in den Bebauungsplänen gesichert. Im Umfeld sind viele neue Wohnungen entstanden, darunter in den ehemaligen McNair Barracks. Viele Familien sind in den Kiez gezogen, Schulplätze in der Nähe werden dringend gebraucht.

Doch jetzt gibt es Streit um den Standort. Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf wurde von den Plänen des Senats überrascht, das Grundstück für eine mobile Flüchtlingsunterkunft, ein sogenanntes MUF, für 500 Personen nutzen zu wollen. Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) hat bereits Einspruch beim Senat erhoben. Jetzt hat sich auch eine Bürgerinitiative gegründet, die nach eigenen Aussagen derzeit schon 700 Unterstützer binnen weniger Tage auf ihrer Homepage www.schulstandort-osteweg.de verzeichnen kann. „Wir wollen, dass an den Plänen des Bezirks, das Grundstück für den Bau einer Schule und einer Sporthalle zu nutzen, festgehalten wird“, sagt Carsten Knorr von der Bürgerinitiative. Es gebe im Viertel einen dringenden Bedarf, denn die nächste Grundschule sei 2,5 Kilometer entfernt und eine Sporthalle existiere nicht. Die werde aber nicht nur dringend von Schülern, sondern auch von Sportvereinen benötigt.

Informationsveranstaltungam Sonnabend im Osteweg

In der Sitzung der Bezirksverordneten hatte Carsten Knorr die Frage gestellt, ob der Senat das Grundstück überhaupt in Augenschein genommen oder einen Ortstermin durchgeführt hat. Dies wurde vom Bezirksamt verneint und Tage später von Senatsseite bestätigt.

Die Bürgerinitiative plant jetzt, am Sonnabend, 16. Juni, 10 bis 13 Uhr, eine Informationsveranstaltung an der Ecke Osteweg 63 und Billy-Wilder-Promenade. Treff ist auf dem Parkplatz neben der Kirche. Eingeladen sind Abgeordnete und Verordnete des Bezirks. Anwohner, Eltern und Vertreter der Bürgerinitiative sollen miteinander ins Gespräch kommen.

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