Zunächst deutete alles auf einen friedlichen Abend hin. Die CDU in Steglitz-Zehlendorf trat am Freitag zum Parteitag zusammen, um turnusmäßig den Kreisvorstand neu zu wählen. Harmonie war schon im Vorfeld als Parole ausgegeben worden, der Tagungsort, das Gemeindehaus der St.-Annen-Kirche in Dahlem, schien programmatisch bestimmt. Der Kreisvorsitzende, Berlins Justiz- und Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann, stellte sich zur Wiederwahl und hatte Erfolg: Nur 16 der 121 stimmberechtigten Delegierten votierten gegen ihn, das bedeutete 85,7 Prozent Zustimmung. In dem traditionell eher zerstrittenen CDU-Kreisverband, dem größten in Berlin, gilt das unter Beobachtern als achtbares Resultat. Als Heilmann vor zwei Jahren zum ersten Mal für dieses Amt antrat, ergab die Auszählung ein paar Zehntelprozentpunkte weniger. Entsprechend gelöst nahm der Senator nun die Glückwünsche entgegen.
Konzept des Vorstands geplatzt
So unkompliziert sollte es laut Regie bei der Wahl der sechs stellvertretenden Kreisvorsitzenden weitergehen, schließlich hatte Heilmann schon im Vorfeld ein Personalkonzept eingebracht, das vom Kreisvorstand einstimmig gebilligt wurde. „Überraschungen werden nicht erwartet“, hieß es noch nach dem Votum für den Kreischef in einer Presseerklärung. Doch etliche Delegierte ließen den schönen Plan platzen. Die ersten dunklen Wolken zogen auf, als das Ergebnis für Cerstin Richter-Kotowski, Stadträtin für Bildung, Kultur und Bürgerdienste in Steglitz-Zehlendorf, verkündet wurde. Nur 68 Ja- bei 44 Nein-Stimmen, das sah nach Denkzettel aus. Ein ähnlich unbefriedigendes Ergebnis fuhr Cornelia Seibeld, Vorsitzende des Rechtsausschusses im Abgeordnetenhaus, ein.
Beide gehören zu Heilmanns unmittelbarem Umfeld. Seibeld gilt als enge Vertraute des Vorsitzenden, geradezu überschwänglich dankte er ihr in seiner Rede für ihren Beistand und ihre Geduld angesichts seiner vielen Anrufe, auch zu sehr unkonventionellen Tageszeiten. Richter-Kotowski soll nach Morgenpost-Informationen 2016 Bezirksbürgermeisterin werden. Offiziell äußert sie sich nicht dazu, Heilmann ebenso wenig. Dementiert wird das Planspiel aber längst nicht mehr. Der jetzige Bezirksbürgermeister, Norbert Kopp, wehrt sich dagegen, aus dem Amt gedrängt zu werden.
Kopp will sich nicht aus dem Amt drängen lassen
Im März 2019 wird er 65, so lange möchte er wenigstens bleiben. Dem Vernehmen nach wäre Kopp sogar zur Kampfkandidatur bereit, wenn seine Partei Anfang kommenden Jahres ihren Kandidaten für den Bezirksbürgermeisterposten kürt. Aus seinem Umfeld jedenfalls war am Freitagabend zu hören, das mäßige Wahlergebnis habe Richter-Kotowski nicht gerade gestärkt.
Die Quittung ließ nicht lange auf sich warten. Offenbar machten Teile der Heilmann-Fraktion das Lager um den Bundestagsabgeordneten Karl-Georg Wellmann für die Schlappe verantwortlich. Er fiel bei der Stellvertreterwahl im ersten Wahlgang durch, die Stimmung im Annen-Gemeindehaus wurde frostig. Es bedurfte einer Ruck-Rede des Kreisvorsitzenden, um die Delegierten im zweiten Wahlgang auf Kurs zu bringen, „im Interesse der Sache und des Bezirks“, wie Heilmann betonte.
Im zweiten Wahlgang wurde Wellmann schließlich gewählt – mit einem nur geringfügig besseren Ergebnis als Seibeld und Richter-Kotowski. „Das war nur das Vorspiel für den 26. November“, werteten Delegierte anschließend den Aufbruch alter Gräben im Kreisverband. An jenem Tag werden die Kandidaten für das nächste Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlung bestimmt.
Wahlen sind jetzt abgeschlossen
Ebenfalls am Freitagabend wurde Frank Steffel in Reinickendorf als Kreisvorsitzender bestätigt – einstimmig. Damit ist die Neuwahl der CDU-Kreisvorstände abgeschlossen. Große Veränderungen musste die Partei nicht verkraften. Lediglich in zwei Bezirken gab es Neubesetzungen: In Neukölln löste Jugend- und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke Michael Büge ab, in Treptow-Köpenick kam Katrin Vogel für Fritz Niedergesäß.
Die übrigen Kreischefs wurden bestätigt: Frank Henkel in Mitte, Mario Czaja in Wuhletal (Marzahn-Hellersdorf), Kai Wegner in Spandau, Florian Graf in Tempelhof-Schöneberg, Andreas Statzkowski in Charlottenburg-Wilmersdorf, Kurt Wansner in Friedrichshain-Kreuzberg, Martin Pätzold in Lichtenberg und Gottfried Ludewig in Pankow.




