Lichterfelde

Brand in Flüchtlingsheim - Neues Trauma für traumatisierte Kinder

Die Ursache für den Brand dem Heim für minderjährige Flüchtlinge ist weiter unklar. Jugendsenatorin Scheeres (SPD) sucht nun eine neue Bleibe für die 60 Kinder und Jugendlichen.

Auch in Berlin hat sich am späten Dienstagnachmittag ein Flüchtlingsdrama ereignet: Ein Heim für unbegleitete minderjährige Asylbewerber an der Wupperstraße im Ortsteil Lichterfelde wurde durch einen Brand zerstört. Die Ursache ist noch unklar.

Nach bisherigen Ermittlungen brach das Feuer in einem Zimmer im ersten Stock des dreigeschossigen Hauses aus. Von dort griff es auf ein anderes Zimmer und das Dach über. Dieses stürzte in das darunter liegende Geschoss. Es wurde niemand verletzt, allerdings ist das Haus nun unbewohnbar. Die rund 60 Kinder und Jugendlichen wurden zunächst in einem Hostel in der Innenstadt untergebracht.

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) machte sich am Mittwoch selbst ein Bild und sprach in dem Hostel mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen. Sie sucht nun mit Hochdruck nach einer neuen Unterkunft. Nach Angaben aus ihrer Verwaltung werden mehrere Objekte geprüft, darunter ein ehemaliges Pflegeheim.

Kinder haben noch einmal alles verloren

Die minderjährigen Flüchtlinge seien schon traumatisiert durch die Ereignisse in ihrer Heimat und ihre Flucht, allein ohne Eltern, betonte die Senatorin. „Jetzt haben sie noch einmal alles verloren, was sie noch besaßen: Ihre Kleidung, teils ihre Dokumente und vor allem ihre Handys und Ladegeräte“, sagte Scheeres. Ein Siebenjähriger habe ihr geschildert, dass er nun nicht mehr mit seinen Eltern und Verwandten sprechen könne.

Das Heim für minderjährige Flüchtlinge sei eine besondere Einrichtung der Jugendhilfe. Diese Kinder und Jugendlichen bedürften eines besonderen Schutzes, sie würden intensiv von Psychologen und Pädagogen betreut. Viele von ihnen kommen aus Syrien.

Wie dringend es ist, schnell einen Ersatz für das abgebrannte Heim zu finden, zeigen auch die stark gestiegenen Zahlen. Knapp 1100 junge Asylbewerber wurden nach Angaben der zuständigen Senatsjugendverwaltung 2014 in der allein für diese Kinder und Jugendlichen bestimmten Erstaufnahmeeinrichtung in Lichterfelde untergebracht. Im Vorjahr waren es rund 880, im Jahr 2011 nur etwa 540.

Senator erwartet mehr als 20.000 Flüchtlinge

Der stetig wachsende Zustrom von Asylbewerbern stellt den Berliner Senat vor große Herausforderungen. Für dieses Jahr rechnet Sozialsenator Mario Czaja (CDU) ausgehend von den Prognosen des Bundes mit mindestens 20.000 Flüchtlingen, die neu nach Berlin kommen.

Andere Politiker sind überzeugt, dass es eher 25.000 werden. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) betreut derzeit 14.800 Flüchtlinge in 64 Not- und Gemeinschaftsunterkünften, weitere 860 leben in Hostels. Hinzu kommen 9000 Menschen, die in Wohnungen wohnen und ebenfalls Leistungen nach den deutschen Asylgesetzen beziehen.

Senat will bis zu 36 Heime bauen

Czaja will die Zahl der Flüchtlinge, die in Wohnungen vermittelt werden, deutlich erhöhen. Dazu soll ein Pilotprojekt mit dem Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) ausgeweitet werden. EJF-Mitarbeiter suchen bei privaten Anbietern, aber auch bei städtischen Wohnungsbaugesellschaften nach geeigneten Wohnungen und bringen Vermieter und potenzielle Mieter zusammen.

Künftig sollen auch Wohnungen für Wohngruppen sowie Objekte in Brandenburg gemietet werden. Zudem will der Senat 2016 und 2017 bis zu 36 Flüchtlingsheime für insgesamt 7200 Menschen bauen. Diese Heime sollen als Modul-Bauten, also als Fertighäuser aus vorgefertigten Bauteilen, auf landes- oder bundeseigenen Grundstücken errichtet werden. Sie sind langlebiger, flexibler nutzbar und auch deutlich kleiner als die Containerdörfer, die die Berliner Landesregierung derzeit baut.