„Hundstag“

Wenn ein Shopping-Center auf den Hund kommt

Eine Hundeausstellung im Einkaufszentrum – das mutet auf den ersten Blick seltsam an. Der erste „Hundstag“ im Forum Steglitz zeigt jedoch: Vierbeiner können sich auch zwischen Power-Shoppern benehmen.

Foto: Ricarda Spiegel

Renate Schulze streichelt Ina sanft über den Kopf. „Das kann sie alles“, lobt das Frauchen den Vierbeiner, der vor ihr in einer Bauchtasche sitzt. Hund und Mensch schauen interessiert zu, was auf der kleinen Vorführfläche mitten im Forum Steglitz an der Schloßstraße passiert. Dort haben sich die drei Hunde Bessy, Ginger und Tiger in Position gebracht und zeigen, wie man sich gut benimmt oder wie man Menschen begrüßt, ohne an ihnen hochzuspringen.

Es ist kein Zufall, dass die drei Hunde hier zwischen Boutique, Zeitungsshop sowie Essig- und Ölgeschäft umherlaufen. Schließlich hat das Forum Steglitz am Donnerstag zum „Hundstag“ eingeladen. „Das neue Berliner Hundegesetz hat für viel Aufregung gesorgt. Da hatten wir zusammen mit dem Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater die Idee, Hundehalter und Schulen zusammenzubringen“, erklärt Centermanager Carsten Paul die Idee hinter dem erstmals hier veranstalteten Informationstag rund um den Vierbeiner.

18 Aussteller aus Berlin und Potsdam sind gekommen und haben im Erdgeschoss ihre Stände aufgebaut. Vor allem Hundeschulen, die zeigen, wie Training und Prüfung für den Führerschein aussehen. Denn den benötigen in Berlin in Zukunft alle, die ihren Vierbeiner ohne Leine herumlaufen lassen wollen.

Fast 100.000 offiziell registrierte Hunde in Berlin

Der Andrang könnte groß werden, immerhin sind fast 100.000 Hunde in Berlin offiziell registriert. Ausgenommen von der Regelung sind nur Frauchen und Herrchen, die in den vergangenen sechs Jahren insgesamt drei Jahre am Stück einen Hund hatten, der nicht gebissen oder sich anderweitig daneben benommen hat. Und ausgenommen sind auch diejenigen, die nachweisen, dass sie im Umgang mit ihrem Tier sachkundig sind, also einen Hundeführerschein haben.

„Im Training kommt es darauf an, den Hund alltagstauglich zu machen“, erklärt Ariane Ullrich vom Berufsverband der Hundeerzieher. Zu deutsch: Er soll sich benehmen. Das könne mit jedem Hund gelingen, versichert sie. Ginger, Bessy und Tiger bewältigen diese Aufgabe mit Bravour. Der Labrador Ginger zum Beispiel lässt sich durch kein Ablenkungsmanöver aus seiner Sitzposition locken. Aber er ist nicht dumm, natürlich weiß er: Zwei Minuten Sitz bringen mindestens ein Leckerli.

Hundehalter lernen, einen Maulkorb anzulegen

Gezeigt wird auch, wie man einem Hund einen Maulkorb anlegt, ohne dass dieser unwirsch wird. Während eine Trainerin den Beweis bei Jimmy erbringt, versichert sie: „Ein Maulkorb kann etwas Tolles sein, wenn wir es so herüberbringen.“ Eine Passantin, mit Tüten bestückt, aber ohne Hund, bleibt erstaunt stehen: „Die sind ja brav, das erlebt man ja sonst nicht.“ Eine andere Center-Besucherin zeigt sich weniger begeistert, während sie sich ihren Weg durch die überwiegend weiblichen Zuschauer bahnt. „Hier wird eingekauft, das ist doch keine Spielwiese“, schimpft sie und läuft kopfschüttelnd davon.

Aber die ältere Dame ist die Ausnahme. Die meisten Passanten bleiben neugierig stehen oder sind sogar extra für den Hundstag ins Center gekommen. So wie Renate Schulze. Sie ist aus Tempelhof angereist, „in der Morgenpost habe ich davon gelesen, das wollte ich nicht verpassen“. Und weil der Weg so lang ist, hat sie Ina, eine Ratero-Mallorquin-Hündin auch in der Bauchtasche transportiert. „Ich hab ja immer Angst, dass jemand sie tritt, sie ist doch so klein.“

Wenn Hundehalter ihre Tiere unterhalten wollen

Auch Kerstin aus Steglitz gehört zu den Zuschauern. Ihr West Highland White Terrier steht brav neben ihr, während sie sich die Vorführung anschaut. „Ich überlege auch, mit Finley in die Hundeschule zu gehen, damit er mal frei laufen kann und immer gut hört“, erklärt Frauchen. Aber eigentlich sei ihr kleiner Hund ohnehin sehr brav – und das trotz seines Namens: Finley bedeutet nämlich „weißer Krieger“.

Aber mehr als die notwendige Schulung würde Kerstin nicht mit Finley machen. „Er ist ein vollwertiges Familienmitglied, aber er muss ja nicht verpimpelt werden“, findet sie, schließlich sei sie mit Hunden aufgewachsen und die hätten sich auch ohne Training gut benommen. Viele Frauchen und Herrchen sehen das offenbar anders. Sie wollen ihren Hunden – oder eher sich selbst – Unterhaltung verschaffen.

Immer mehr Hundesport-Angebote Berlin

Die Angebote im Bereich Hundesport nehmen jedenfalls immer weiter zu: Dog Dance, Agility, Dummytraining heißen die Kurse, neuerdings gibt es auch Hundelongieren. An einer langen Leine laufen die Vierbeiner im Kreis und können auf ihrer Bahn auch noch Aufgaben absolvieren. Gerade ist Belle Fleur an der Reihe. Die Elo-Hündin ist mit ihrer Mutter Sally und ihrer Tochter Daphne beim Hundstag. Und nun zeigt das Drei-Generationen-Elo-Gespann, was man an der Longierleine alles machen kann. Natürlich gibt es auch dafür wieder Leckerli.

Die werden übrigens nur noch selten profan aus der Packung serviert. An einem Stand mit Accessoires gibt es eigens Beutel zum Umhängen oder Boxen in Knochenform. Und passend zur Jahreszeit wird hier auch ein Hunde-Osternest verkauft. Da muss der beste Freund des Menschen allerdings noch gut drei Wochen warten, bis er es suchen darf und die im Ei versteckten Belohnungen futtern darf.