Die Stimmung ist nicht gut an diesem Montagabend in der Rodelhütte an der Onkel-Tom-Straße in Zehlendorf. Ein Dutzend Hundehalter mit ihren Vierbeinern hat sich in der kleinen Gastwirtschaft versammelt, um darüber zu beraten, wie das drohende Hundeverbot an der Krummen Lanke und dem Schlachtensee doch noch verhindert werden kann, das bereits in drei Monaten gelten soll. „Am Mittwoch ist unsere letzte Chance, dieses diskriminierende Gesetz noch zu verhindern“, sagt Gunter Rosenkranz.

Der 80 Jahre alte Zehlendorfer wird einer der Hundefreunde sein, die auf der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am Mittwoch die Einwohnerfragestunde zu Beginn der Sitzung dazu nutzen wollen, die hundefeindliche Verordnung doch noch zu kippen.

Doch leicht wird das nicht werden, das ist Rosenkranz und seinen Mitstreitern klar. Denn die Verordnung, die die grüne Umweltstadträtin von Steglitz-Zehlendorf, Christa Markl-Vieto, vorgelegt hat, kann sich auf einen bereits 2010 gefassten Beschluss der Bezirksverordneten berufen. Diese hatten der Stadträtin damals den Auftrag erteilt, gegen die Verschmutzung an den Seen vorzugehen. Ab dem 15. Mai sollen Hunde die Uferbereiche an beiden Seen deshalb nicht mehr betreten dürfen – auch nicht am Nordwestufer des Sees, das bislang Bestandteil des größten Hundeauslaufgebietes der Stadt ist. Auf dem Wanderweg rund um die Seen müssen die Tiere zudem an der Leine geführt werden. Erst auf den im Wald gelegenen Wegen dürfen Hundebesitzer ihre Vierbeiner dann von der Leine lassen.

„Völlig überzogene Maßnahme“

„Was gibt Ihnen eigentlich das Recht, zehn Prozent der Einwohner Zehlendorfs ein Platzverbot für Schlachtensee und Krumme Lanke zu erteilen?“ Diese Frage haben die Hundebesitzer in der Rodelhütte formuliert, und Rosenkranz, ein freundlicher älterer Herr mit weißem Rauschebart, soll sie in ihrem Auftrag der Stadträtin stellen. „Wir dürfen ja leider nicht vor der BVV reden, weil wir aus anderen Bezirken kommen“, sagt eine Dame aus Charlottenburg. Das sei eigentlich ein Unding, schließlich seien von dem Verbot alle Hundebesitzer der Stadt betroffen, nicht nur die im Bezirk Steglitz-Zehlendorf.

„Wir halten das Gesetz für eine völlig überzogene Maßnahme“, schimpft Rosenkranz. Die Gesundheitsgefährdung, die von den Hunden ausgehen soll, sei nicht nachgewiesen. Zudem bedeute das Gesetz für Gehbehinderte und ältere Menschen mit Hunden eine erhebliche Einschränkung ihrer Möglichkeiten, überhaupt noch aus den angrenzenden Wohngebieten in den Wald zu kommen. „Nach dem neuen Gesetz ist es Hundebesitzern sogar verboten, die Brücke zwischen Krumme Lanke und Riemeisterfenn zu passieren, das bedeutet enorme Umwege“, so der Rentner, der selbst gar keinen Hund hat. „Mein Labrador ist leider vor einem halben Jahr gestorben, seitdem bin ich mit einem Leihhund unterwegs.“

Bürgerbeteiligung gefordert

Zumindest einen Unterstützer haben die Hundefreunde in der BVV schon gefunden. Der SPD-Verordnete Norbert Buchta hat angekündigt, sich für einen Kompromissentwurf einzusetzen. „Für die SPD-Fraktion geht es um eine fairen Interessenausgleich aller Beteiligten, egal ob Spaziergänger mit oder ohne Hund, Badegäste, Radfahrer oder Jogger“, so Buchta. Seine Fraktion fordere deshalb, die Umsetzung der Verordnung auszusetzen sowie eine Bürgerbeteiligung, denn die habe es bislang nicht gegeben. „Sollte ein umgesetzter Kompromiss nicht zum Erfolg führen, kann man immer noch die Hunde vom Ufer verbannen“, schlägt Buchta vor.