Der imposante Bürgersaal im Rathaus Zehlendorf bietet in der Regel genug Plätze für interessierte Bürger, die sich über den Stand der Sanierung von Schul- und Sportstätten, den Zustand der Parkanlagen und Gehwege, der Verkehrskonzepte oder die Finanzierung der Musikschulen informieren möchten. Doch am Mittwoch reichten auch die nachträglich aufgebauten Stuhlreihen nicht aus, um den rund 350 Menschen Platz zu geben, die gekommen waren, um ihren Protest gegen das Hundeverbot an Schlachtensee und Krummer Lanke vorzubringen. Wie berichtet, soll es ab dem 15. Mai gelten.
Die Einwohnerfragestunde zu Beginn der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) nutzten gleich mehrere Hundehalter, um die grüne Umweltstadträtin des Bezirks, Christa Markl-Vieto, mit ihren Fragen zu konfrontieren. So wollte Frank Kühn von der Initiative „Hunde am Schlachtensee“ wissen, warum ein Leinenzwang nicht ausreichen soll, um die Interessen aller Besuchergruppen angemessen zu berücksichtigen. „Und wie ist es zu erklären, dass eine Regelung, die offensichtlich auf falschen, unvollständigen oder einseitigen Informationen beruht, beschlossen und veröffentlicht werde kann?“
Die Beifallsstürme von den Zuschauerrängen wurden vom Vorsteher der BVV jedoch schnell unterbunden, die Besucher ermahnt, sich an die Regeln des Hauses zu halten oder den Saal zu verlassen. Trotzdem gelang es nicht allen Hundehaltern, ihren Unmut nicht hörbar zu äußern, als die Stadträtin auf die Fragen des Hundeaktivisten antwortete. „Nach eingehender Beratung in den Ausschüssen, die übrigens auch öffentlich waren, haben die Verordneten einen Beschluss gefasst, dass die Badestellen am Ufer von Hunden frei gehalten werden sollen“, sagte Markl-Vieto. „Es steht den Verordneten frei, solche Beschlüsse zu fassen.“
Zudem sei es ein Missverständnis, dass das Mitführen der Hunde am See zuvor erlaubt gewesen sei. „Beide Gewässer sind als öffentliche Badestellen ausgewiesen. Das Berliner Hundegesetz verbietet dort die Mitnahme von Hunden. Ich habe die Gesetze nicht verschärft, ich setze sie nur um.“ Genau das jedoch mochten ihr die aufgebrachten Tierfreunde nicht glauben, Buhrufe provozierten eine erneute Ermahnung des BVV-Vorstehers.
Direkter Dialog vor dem BVV-Saal
Die strengen formalen Regeln, die bei einer Bezirksverordnetenversammlung gelten, sorgten auch im Verlauf der weiteren Bürgerfragestunde für Unmut. Denn nur noch ein weiterer Hundehalter bekam noch die Gelegenheit, seine Fragen zu formulieren, bevor der auf 30 Minuten festgesetzte Tagesordnungspunkt abgeschlossen war. Die inzwischen in vielen Internetforen als „Hundehasserin“ diffamierte Stadträtin gab den aufgebrachten Bürgern dann jedoch im Raum vor dem BVV-Saal die Gelegenheit zum direkten Dialog. Dicht umringt hatte sie sichtlich Mühe, mit ihren Argumenten zu den zum Teil sehr erregten Betroffenen durchzudringen. Immer wieder beteuerte sie, eine Hundefreundin zu sein und berichtete von ihrem Hund Emma, mit dem sie auch immer gerne auf den Wegen am See unterwegs gewesen sei. „Aber ich habe den klaren Auftrag, dieses Gesetz umzusetzen.“ Sie lade aber zu einem Bürgergespräch am 15. April ein – und dazu, Anfragen und Kommentare auf der Homepage zu hinterlassen, die ihr Amt zu der Fragerunde geschaltet habe (www.bhskl.de). „Zwei Jahre haben alle Menschen und Hunde Zeit, sich an die Neuregelung zu gewöhnen“, versuchte sie, die Gemüter zu beruhigen. Dann solle die Regelung überprüft – und soweit nötig – nachgebessert werden.
„Hundeauslaufgebiet definitiv verkleinert“
Unklarheiten in der Beschilderung an den Seen, die bislang „missverständlich“ gewesen seien, würden jetzt ausgetauscht. „Das Baden der Hunde war schon immer in den Seen verboten, nur war das vielen Menschen nicht klar“, räumte sie sein. Warum es jedoch jahrelang geduldet und jetzt nicht mehr möglich sein soll, wollten die Hundebesitzer von ihr wissen. Und ob es nicht ausgereicht hätte, erst einmal durch deutliche Hinweisschilder an den Seen darauf hinzuweisen, dass nicht nur an den großen Badestellen, sondern an allen Uferbereichen Hunde nicht erlaubt sind. „Wir hatten ja gar keine Chance, uns gesetzestreu zu verhalten“, wandte Hundehalter Ulrich Haarhaus ein.
Zudem sei die Argumentation, dass die Regelung nicht verschärft, sondern nur umgesetzt werde, nicht glaubwürdig. „Definitiv hat die Stadträtin ja die Größe des bislang geltenden Hundeauslaufgebietes verkleinert.“ Dieses reichte bislang bis an die nördlichen, auf der Waldseite der Seen gelegenen Ufer, die nunmehr ausgenommen seien. Das Hundeauslaufgebiet beginnt nun erst weitab vom See auf den im Wald gelegenen Wegen.
Doch die Hoffnung, die Regelungen noch einmal auszusetzen und erneut zu beraten, lehnte Markl-Vieto ab. „Wir haben lange mit allen beteiligten Behörden verhandelt.“ Diese „klare und ausgewogene und zum Schutz der wunderschönen Seen und ihrer Besucher“ gefundene Regelung werde Bestand haben, sagte sie.
„Ich bin sehr enttäuscht, wir werden für unser Anliegen wohl demonstrieren müssen“, sagte Gunter Rosenkranz. Der 80-Jährige hatte gehofft, dass doch noch ein Kompromiss gefunden werden könnte. Die Hundefreunde verabredeten am Abend, sich am kommenden Montag um 18 Uhr erneut in der Rodelhütte an der Onkel-Tom-Straße zu treffen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.





