Steglitz

Im Stadtbad Steglitz fällt der letzte Vorhang

| Lesedauer: 5 Minuten
Katrin Lange

Foto: Amin Akhtar

Am 31. Dezember ist für das Clubtheater im Stadtbad an der Bergstraße Schluss. Und möglicherweise nicht nur für die Kultur. Denn der Kaufvertrag mit der Eigentümerin ist aufgelöst.

Am 31. Dezember fällt der letzte Vorhang für das Clubtheater im Stadtbad Steglitz an der Bergstraße. Dann bleiben die Türen vorerst geschlossen. Es ist womöglich ein doppelter Abschied. Stefan Neugebauer, der seit acht Jahren mit dem Clubtheater das Stadtbad zu einer Kulturadresse gemacht hat, verlässt Berlin. Er wird Intendant am Theater Naumburg in Sachsen-Anhalt. Aber auch für die Eigentümerin des Bades, Gabriele Berger, könnte Schluss sein. Sie hatte das Bad 2004 vom Liegenschaftsfonds erworben. Der ist jetzt, zehn Jahre später, von dem Kaufvertrag zurückgetreten und hat die Auflösung des Vertrags auch gerichtlich durchgesetzt.

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hatte das Landgericht Berlin entschieden, dass der Kaufvertrag rückgängig gemacht wird. „Damit ist der alte Eigentümer wieder der neue Eigentümer“, sagte eine Gerichtssprecherin. Der Liegenschaftsfonds werde wieder im Grundbuch eingetragen und über die denkmalgeschützte Immobilie verfügen. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Nach der schriftlichen Zustellung des Urteils hat Gabriele Berger vier Wochen Zeit, um in Berufung zu gehen. Ob sie davon Gebrauch machen wird, ist unklar. Sie war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

1908 war das Stadtbad mit „Preußens modernster und größter Heil- und Bäderabteilung“ eröffnet worden. Im Jahr 2002 hatten es die Bäderbetriebe geschlossen. Denn fast 100 Jahre später war es nur noch marode und unrentabel. Es fiel an den landeseigenen Immobilienvermarkter, den Liegenschaftsfonds zurück, der einen privaten Investor suchte. Zwei Jahre später kam es zum Vertragsabschluss mit Gabriele Berger. Die Sportlehrerin betrieb bereits das Bewegungsbad in Marienfelde und wollte das Konzept eines Sportbades auf das Stadtbad Steglitz ausweiten. An den symbolischen Verkaufspreis von einem Euro war die Auflage gekoppelt, das Bad zu sanieren und wieder als Schwimmbad zu eröffnen. Geschätzte Kosten für die Sanierung: sechs Millionen Euro.

Neue Investoren zeigen Interesse

Zehn Jahre später ist immer noch kein Wasser im Schwimmbecken. Das war der Grund für den Liegenschaftsfonds, den Vertrag aufzukündigen. Die Käuferin des Stadtbades habe ihre Investitionsverpflichtung nicht erfüllt, sagte Sprecherin Marlies Masche. Gabriele Berger ging dagegen vor Gericht. „Wir sind natürlich froh, dass das Gericht der Rückübertragung des Stadtbades Steglitz zugestimmt hat“, sagte Birgit Möhring, Geschäftsführerin des Liegenschaftsfonds. Doch jetzt müsse sie erst abwarten, ob Gabriele Berger Beschwerde gegen das Urteil einlege. Sobald Rechtssicherheit herrsche, wolle sie das weitere Verfahren mit dem Bezirk abstimmen. Möglich sei zum Beispiel ein Konzeptverfahren, ähnlich wie es beim Hubertusbad in Lichtenberg geplant ist. Dabei entscheidet nicht mehr der Höchstpreis über die Vergabe, sondern das überzeugendste Konzept. So will der Liegenschaftsfonds vor allem die Belange der Bezirke besser berücksichtigen.

Als Gabriele Berger 2004 das Bad übernommen hatte, war sie optimistisch ans Werk gegangen. Sie erstellte Konzepte für den Umbau und den Betrieb und ging damit zu den Banken, um den notwendigen Kredit zu bekommen. Doch die versagten ihr die Unterstützung. Die heute 64-Jährige ließ sich zunächst nicht davon entmutigen. Ein Jahr nach dem Erwerb des Bades beantragte sie eine Zwischennutzung beim Bezirk und versuchte mit einem Flohmarkt in der Halle, einem Café auf dem Grund des leeren Schwimmbeckens und Fliesenpatenschaften die finanzielle Grundlage zu schaffen.

Café Freistil in der Wäschekammer

Alle Versuche brachten nicht genügend ein. Schließlich zog das Clubtheater Berlin ein und nutzte die Halle, das Becken und die russisch-römische Sauna als Spielstätte. Doch Gabriele Berger wollte auch ihren Willen zur Sanierung zeigen: Sie begann mit der alten Wäschekammer, in der sie das Café Freistil eröffnete. Besucher saßen dort wie in einem Schwimmbecken, umgeben von türkisfarbenen Fliesen und Startblöcken.

Jetzt fallen für die Sportlehrerin mehrere Ereignisse zusammen: Zum Jahresende muss auch das Bewegungsbad in Marienfelde, ihr zweites berufliches Standbein, schließen. Der Eigentümer der Immobilie, das Erzbistum Berlin, will das Gebäude an der Malteserstraße 171 sanieren und frühstens im Sommer 2015 wieder eröffnen.

Im Bezirk ist bereits die Rede davon, dass es andere Investoren gebe, die ihr Interesse am Stadtbad Steglitz angemeldet haben. Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU) erinnert aber an den „harten Denkmalschutz“. Der könnte für ein zeitgemäßes Bad ein Problem werden. Am Silvestertag ist noch einmal Theaterzeit: Um 18 und 20 Uhr wird das Stück „Indien“ gespielt. Mit Sektempfang und Führung.