Eigentlich könnte es eine erfreuliche Nachricht sein. Bereits im Sommer 2014 durften sich Badegäste nach einem Jahr Pause wieder in den Außenbecken des Kombibades Spandau-Süd tummeln. Zum Jahreswechsel soll auch dessen Schwimmhalle wiedereröffnen. Seit vier Jahren ist sie wegen Sanierung geschlossen, seither herrscht in Spandau akuter Mangel an Schwimm- und Badeflächen. Doch im Vorfeld der Wiedereröffnung wird heftig gestritten, von wem das Gatower Bad künftig betrieben werden soll. Seit drei Monaten verhandeln die Berliner Bäderbetriebe (BBB) mit den Wasserfreunden Spandau 04, ob der gemeinnützige Schwimmverein als Betreiber der Halle fungieren möchte.

Privates Management erwogen

Bereits zur Öffnung des Sommerbades hatte der landeseigene Bäderbetrieb ein privates Management erwogen. Damals erteilte der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Sportsenator Frank Henkel (CDU) der Vergabe an eine Fremdfirma eine Absage. Hintergrund aller Überlegungen ist das Bäderkonzept des Vorstandsvorsitzenden Ole Bested Hensing. Das sieht vor, die Zahl klassischer Schwimmhallen unter BBB-Regie zu reduzieren, dafür aber durch neue Kombibäder mit modernem Standard mehr Besucher zu locken. Gegen eine Privatisierung hatte sich unter anderem der Spandauer und SPD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, stark gemacht. Auch angesichts der Gespräche mit den Wasserfreunden kommt lautstarke Kritik aus den Reihen der SPD. Die Bezirksverordnetenversammlung in Spandau forderte auf Initiative von SPD und Grünen den Weiterbetrieb des Kombibades in öffentlicher Trägerschaft und mit BBB-Personal. „Auch mit einem Sportverein wäre es eine Privatisierung. Und die hat der Aufsichtsrat ausgeschlossen“, kritisierte Burgunde Grosse. Die Parlamentsabgeordnete wirft den Bäderbetrieben vor, zu Lasten der Mitarbeiter Kosten sparen zu wollen. Hartnäckig hält sich im Bezirk die Sorge, für einzelne Angebote wie Schwimmkurse sei künftig womöglich eine Vereinsmitgliedschaft nötig. Die Antwort Henkels auf eine Anfrage Grosses, solche Befürchtungen entbehrten jeder Grundlage, beruhigte diese nicht.

Der Senat steht hinter den Plänen für das Gatower Bad, weil daraus BBB und Vereine Vorteile ziehen könnten, sagte Henkels Staatssekretär Andreas Statzkowski. „Eine Verschlechterung bei Preisen, Nutzungszeiten und Ähnlichem wird vertraglich ausgeschlossen.“ Die Pflicht, 50 Prozent der Hallenkapazitäten der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, werde weiter erfüllt. Um Kostenreduzierung gehe es gar nicht, so Bäderchef Bested Hensing. Eigenes Personal gebe es im zuvor geschlossenen Gatower Bad gar nicht. „Wenn wir das Bad vollständig selbst betreiben, kann dies nur durch verkürzte Öffnungszeiten anderer Einrichtungen erreicht werden.“

Wasserfreunde-Präsident Hagen Stamm versicherte, sein Verein nehme keinen Einfluss auf die Preisgestaltung. Neben der Schwimmaufsicht stelle man Reinigungskräfte und Kassenservice. „Wir wollen helfen. Für uns rechnet sich das durch die Zukunftsvisionen für den Schwimmsport.“ Die Wasserfreunde hätten bereits beim Betrieb des Stadtbades Spandau-Nord bewiesen, dass sie das könnten, sagt Spandaus CDU-Fraktionssprecher Thorsten Schatz: „Die Öffnungszeiten konnten dort sogar ausgedehnt werden.“