Im Berliner Amateurfußball ist erneut ein Spiel wegen gewalttätiger Ausschreitungen vorzeitig beendet worden. Am Dienstagabend musste der Schiedsrichter die Bezirksligabegegnung zwischen dem SC Lankwitz und Cimbria Trabzonspor kurz vor der Halbzeit abbrechen. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, waren in der 41. Minute des Spiels zwei Akteure nach vorangegangenen gegenseitigen Beleidigungen und Beschimpfungen aufeinander losgegangen. Ungewöhnlich sind derartige Vorfälle bei den Amateurkickern der Hauptstadt keinesfalls. In den vergangenen Jahren ist es in den unteren Ligen immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen – und das mit zunehmender Häufigkeit.

Eher ungewöhnlich war allerdings, dass am Dienstag auf der Sportanlage an der Mühlenstraße in Lankwitz keine jungen Heißsporne auf dem Platz waren. Stattdessen gingen Männer im fortgeschrittenen Alter aufeinander los. Die Ausschreitungen passierten während einer Begegnung der Altliga Ü40 (über 40 Jahre). Die Hauptakteure des Geschehens waren beide 46 Jahre alt.

63 Spiele wurden abgebrochen

Zuschauer berichteten am Tag nach der Begegnung, in dem Spiel sei die Stimmung von Beginn an sehr aufgeheizt gewesen. Beschimpfungen und Beleidigungen habe es nahezu über die gesamte erste Halbzeit gegeben, zunächst eher leise und vereinzelt, später immer lauter. Unter anderem hätten einige Spieler der Gastmannschaft mehrfach eine harte Spielweise des Gegners und Schiedsrichterentscheidungen dazu mit „Sch… Deutsche“ kommentiert. Nachdem es im weiteren Spielverlauf auch mehrfach zu Rempeleien unter den Spielern gekommen war, eskalierte die Situation schließlich kurz vor dem Halbzeitpfiff. In einer Spielunterbrechung nach dem Pfiff des Schiedsrichters kam es zur bei Schiedsrichtern immer befürchteten „Rudelbildung“ mit Geschubse und Geschrei. Dabei versetzte dann ein sich beleidigt fühlender Spieler einem Kontrahenten einen gezielten Faustschlag ins Gesicht.

Nach Polizeiangaben wurde der Getroffene leicht verletzt. Der Schiedsrichter seinerseits sah nach der Attacke keine andere Möglichkeit, als das Spiel abzubrechen. Dadurch drohten sich die Gemüter der Spieler noch weiter zu erhitzen, das schnelle Eintreffen der alarmierten Polizei sorgte allerdings rasch für eine Beruhigung der Situation.

Obwohl der Berliner Fußballverband längst auf die zunehmende Gewalt reagiert hat und je nach Schwere des einzelnen Vorfalls mit Sperren, Ausschlüssen oder auch Geldbußen reagiert, lässt sich das Problem auf Berlins Fußballplätzen offenbar nicht völlig in den Griff bekommen. In der Saison 2013/2014 wurden 63 Spiele wegen Ausschreitungen vorzeitig abgebrochen. Trauriger Höhepunkt der Saison war ein Spieltag im Mai 2014, als an einem Tag gleich sechs Spiele abgebrochen werden mussten. Dabei gab es mehrere Schwerverletzte.