Polizisten haben am Dienstagmorgen in Berlin-Lankwitz offenbar in Notwehr einen Mann angeschossen.
Die Beamten waren um kurz nach 7 Uhr an den Kamenzer Damm gerufen worden, weil ein Mann dort Passanten und Autofahrer mit einem Messer bedrohe. Der Mann soll mit einem etwa 20 Zentimeter langen Messer unter anderem auf die Straße gesprungen sein. Als zwei Funkwagen der Polizei eintrafen, soll der 33-Jährige sofort die Beamten im ersten Wagen angegriffen haben, so dass diese ihr Auto erst gar nicht verlassen konnten.
Die Besatzung des zweiten Funkwagens soll zunächst mit Pfefferspray versucht haben, den Mann außer Gefecht zu setzen. Als dieser Versuch scheiterte, schoss einer der Beamten dem Mann ins Bein. Er wurde zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr besteht offenbar nicht.
Mann offenbar psychisch krank
Was zuvor genau passiert war, und warum die Situation schließlich eskalierte, ist noch nicht vollständig geklärt. Nach ersten Erkenntnissen hatte der Mann zuvor auch eine Autofahrerin mit dem Messer bedroht. Als diese daraufhin fliehen wollte, fuhr sie ihn mit ihrem Wagen um. Ob er schon dabei verletzt wurde, war zunächst unklar.
Unbestätigten Angaben zufolge soll der Mann in einem Heim für psychisch auffällige Menschen in der Nähe untergebracht gewesen sein. Dort leben laut Webseite des Heims Menschen, die an einer Psychose erkrankt sind oder unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leiden.
Der Kamenzer Damm war bis kurz vor 11 Uhr gesperrt. Eine Mordkommission hat die Ermittlungen des Vorfalls aufgenommen.
Fall erinnert an Schuss im Neptunbrunnen
Wenn Polizisten zu ihrer Dienstwaffe greifen und schießen, löst das häufig eine Debatte um die Rechtmäßigkeit des Vorgehens aus. Für Aufsehen hatte im Sommer ein Fall gesorgt, bei dem ein Polizist im Neptunbrunnen nahe dem Alexanderplatz einen Mann erschossen hatte. Der Polizist war Ende Juni zu dem Mann, Manuel F., in die große Brunnenwanne gestiegen, nachdem sich der nackte F. mit einem Messer selbst verletzt hatte. Der 31-Jährige ging mit dem Messer aber nun auf ihn los, woraufhin der Beamte schließlich zur Pistole griff. Manuel F. erlitt einen Lungendurchschuss und starb.
Rund vier Wochen nach dem tödlichen Schuss auf F. stand fest, dass der Mann nicht nur exzessiv Cannabis rauchte, sondern auch Amphetamine nahm. Das ergab das toxikologische Gutachten laut Staatsanwaltschaft. Spuren von synthetischen Aufputschmitteln waren im Blut des Toten festgestellt worden. Die psychischen Auffälligkeiten des 31-Jährigen könnten mit längerem Missbrauch der Mittel zusammengehangen haben. Die Untersuchungen ergaben, dass der Polizist in Notwehr gehandelt hatte.
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